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Berner leiten "Horizon 2020"-Forschungsprojekt der EU zu Medikamenten-Überkonsum

Die meisten älteren Menschen weisen multiple chronische Krankheitsbilder – eine sogenannte Multimorbidität – auf und müssen deshalb mehrere Medikamente einnehmen (Polypharmazie). © Foto:  Andrea Damm / pixelio.de
Die meisten älteren Menschen weisen multiple chronische Krankheitsbilder – eine sogenannte Multimorbidität – auf und müssen deshalb mehrere Medikamente einnehmen (Polypharmazie). © Foto: Andrea Damm / pixelio.de

Multimorbidität und Polypharmazie nehmen bei älteren Patienten zu und führen zu zahlreichen Spitalaufenthalten. Berner Forschende leiten nun ein neues "Horizon 2020"-Projekt der EU, um die Über- und Fehlverschreibung von Medikamenten bei dieser Patientengruppe zu reduzieren.

Das EU-Förderprogramm Horizon 2020 hat der Universität Bern und der Universitätsklinik für Allgemeine Innere Medizin des Inselspitals (KAIM) 6,6 Millionen Euro zugesprochen, um das Projekt OPERAM (OPtimising ThERapy to prevent Avoidable hospital admissions in the Multimorbid elderly) zu koordinieren. Im Bereich Gesundheit ist es das erste «Horizon 2020»-Projekt, das von der Schweiz aus geleitet wird. Ziel ist es, damit die Über- und Fehlverschreibung von Medikamenten an ältere Patienten zu reduzieren.

«Über- und Fehlmedikationen sind verantwortlich für zahlreiche Spitalaufenthalte», sagt Professor Nicolas Rodondi von der KAIM. Er leitet das Konsortium, dem die Clinical Trial Unit (CTU) der Universität Bern, die Universität Basel sowie Universitäten aus fünf EU-Ländern angehören – die KAIM ist ein wichtiger nationaler und internationaler Player bei der Verbesserung der Qualität der Betreuung bei älteren Patienten und spielt eine wesentliche Rolle bei der Reduktion von Überdiagnosen und -therapien in der Schweiz.

Unnötige Gesundheitskosten

Die meisten älteren Menschen weisen multiple chronische Krankheitsbilder – eine sogenannte Multimorbidität – auf und müssen deshalb mehrere Medikamente einnehmen (Polypharmazie). Multimorbide Patienten seien jedoch oft von randomisierten Studien ausgeschlossen, so Rodondi, und die meisten ärztlichen Richtlinien beträfen nur Einzelkrankheiten. Daraus folgende ungeeignete Arzneimittelverordnungen oder unregelmässige Medikamenteneinnahmen verursachen bis zu 30 Prozent der Spitaleintritte und 20 Prozent der unnötigen Gesundheitskosten, wie er sagt. «Etwa drei Prozent der Todesfälle sind auf unangemessene Verordnungen und uner-wünschte Arzneimittelwirkungen zurückzuführen.»

Hauptziel von OPERAM ist es, die Auswirkungen einer softwarebasierten Intervention bei 1900 multimorbiden älteren Patienten zu testen, medikamentöse Therapien zu optimieren, medikamentenbedingte Spitaleinweisungen zu verringern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Solche Interventionen haben laut Nicolas Rodondi das Potential, die Gesundheitskosten um jährlich mehrere Millionen Euro pro Land zu reduzieren.

lic. phil. Nathalie Matter Corporate Communication, Universität Bern
Universität Bern, Hochschulstrasse 4, 3012 Bern, Schweiz, Bern, lic. phil. Nathalie Matter, Redaktorin Media/PR, Tel.: 0041 31 631 45 80, Fax: 0041 31 631 45 62, eMail: nathalie.matter@kommunikation.unibe.ch
05.03.2015
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