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Helmholtz Zentrum München

Cytomegalievirus: neue Erkenntnisse zur Immunkontrolle

Zytomegalievirus-Infektion der Lunge. © Foto: MarcoTolo at en.wikipedia [Public domain], from Wikimedia Commons
Zytomegalievirus-Infektion der Lunge. © Foto: MarcoTolo at en.wikipedia [Public domain], from Wikimedia Commons

Virale Hemmstoffe des Cytomegalievirus (CMV), sogenannte Immunevasine, beeinträchtigen die effektive Kontrolle des Virus durch das menschliche Immunsystem. Diese Entdeckung von Wissenschaftlern des Helmholtz Zentrums München liefert die Grundlage, um neue Immuntherapien und Impfungen gegen CMV zu entwickeln. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift ‚The Journal of Immunology‘ veröffentlicht.

CMV ist in der Bevölkerung weit verbreitet und für seine Träger in der Regel harmlos. Bei Personen mit geschwächtem Immunsystem allerdings, wie z.B. Menschen mit einer Transplantationstherapie und auch bei Übertragung während der Schwangerschaft, kann CMV schwere Erkrankungen verursachen.

Virale Immunevasine beeinflussen Abwehrreaktion
Da bislang keine Impfung gegen CMV existiert, ist die einzige Therapieoption, virusspezifische Immunzellen, zytotoxische T-Zellen*, zu übertragen, die aus gesunden Virusträgern gewonnen werden. Die Effektivität dieser T-Zellen gegen CMV ist allerdings sehr unterschiedlich. Den Grund dafür konnte nun das Team um Dr. Stefanie Ameres und Dr. Andreas Moosmann von der Klinischen Kooperationsgruppe (KKG) ‚Immunonkologie‘ am Helmholtz Zentrum München und am Klinikum der Universität München herausfinden: Hemmstoffe des CM-Virus, Immunevasine, beeinflussen die Immunkontrolle wesentlich. Sie verhindern, dass eine mit CMV infizierte Zelle als solche von den T-Zellen erkannt und folglich abgetötet wird.

Einige T-Zellen trotz viraler Immuntaktik effektiv
„Immunevasine des CMV dienen dem Virus dazu, sich der Immunkontrolle zu entziehen“, so KKG-Leiter Moosmann. „Einige der T-Zellen bleiben allerdings unbeeindruckt von der viralen Verschleierungstaktik und leisten eine effektive Immunabwehr. In unseren Analysen konnten wir solche T-Zellen identifizieren. Sie sind für eine Immuntherapie bei CMV-Erkrankungen besonders gut geeignet und liefern uns wichtige immunologische Informationen, die wir nutzen wollen, um weiter an der Entwicklung einer Impfung gegen CMV zu arbeiten.“

Die Ergebnisse dieser Arbeit werden unmittelbar in eine klinische Studie einfließen, die noch in diesem Jahr beginnen soll. Dabei sollen Transplantationspatienten spezifische T-Zellen zur Prophylaxe der Virusinfektion erhalten.

Mit der Einrichtung Klinischer Kooperationsgruppen verfolgt das Helmholtz Zentrum München einen interdisziplinären Forschungsansatz, um translationale Forschung zu fördern, also Grundlagenwissenschaft weiterzuentwickeln, um sie für den Menschen direkt nutzbar zu machen. Der Wissenstransfer zwischen Labor und Krankenbett wird durch die enge Zusammenarbeit der Wissenschaftler am Helmholtz Zentrum München mit Klinikern der Münchner Universitäten sowie des Städtischen Klinikums München realisiert.

Weitere Informationen

* T-Zellen vermitteln die zelluläre Immunabwehr. Werden im Organismus Antigene erkannt, also körperfremde Strukturen wie z.B. die Oberflächenmoleküle von Erregern, beginnt ein Differenzierungsprozess der T-Zellen, um die verschiedenen Abwehrfunktionen auszuführen. Die sogenannten CD8+ T-Zellen entwickeln sich zum einen zu zytotoxischen Effektor-Zellen, die infizierte bzw. veränderte Zellen im Körper abtöten. Zum anderen bilden sich Memory-Zellen, die als immunologisches Gedächtnis dienen.

Die Arbeit wurde gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die Helmholtz Allianz Immuntherapie von Krebserkrankungen und die Deutsche José Carreras Leukämie Stiftung.

Original-Publikation:
Ameres, S. et al. (2014), CD8 T Cell-Evasive Functions of Human Cytomegalovirus Display Pervasive MHC Allele Specificity, Complementarity, and Cooperativity, The Journal of Immunology, doi: 10.4049/jimmunol.1302281

Link zur Fachpublikation: http://www.jimmunol.org/content/early/2014/05/07/jimmunol.1302281.abstract

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.200 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 34.000 Beschäftigten angehören. www.helmholtz-muenchen.de

Fachlicher Ansprechpartner
Dr. Andreas Moosmann, Leitung Klinische Kooperationsgruppe „Immunonkologie“ des Helmholtz Zentrums München und des Klinikums der Universität München, Marchioninistrasse 25, 81377 München, Tel.: 089-3187-1202 - E-Mail: andreas.moosmann@helmholtz-muenchen.de

Dr. Nadja Becker, Kommunikation, Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt
Ameres, S. et al. (2014), CD8 T Cell-Evasive Functions of Human Cytomegalovirus Display Pervasive MHC Allele Specificity, Complementarity, and Cooperativity
Dr. Andreas Moosmann, Leitung Klinische Kooperationsgruppe „Immunonkologie“, Tel.: 089 / 3187-1202, eMail: andreas.moosmann@helmholtz-muenchen.de
16.05.2014
22.06.2017, 11:21 | tsc
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