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Kinderwunsch nach Krebs

Forscher optimieren Transportbedingungen für konserviertes Eierstockgewebe

Baby Füßchen - groß und klein. © Foto: Katrin Schindler / pixelio.de
Baby Füßchen - groß und klein. © Foto: Katrin Schindler / pixelio.de

Die Behandlung von Krebserkrankungen im Unterleib bei Frauen führt sehr häufig zur Unfruchtbarkeit. Das Tieffrieren von gesundem Eierstockgewebe vor der Krebsbehandlung und Transplantation zurück in die Patientin nach überstandener Erkrankung ist eine vielversprechende Methode zum Erhalt der Fruchtbarkeit.

In Deutschland wird diese sogenannte Kryokonservierung jedoch nur von wenigen Zentren durchgeführt, so dass das Gewebe in einigen Fällen über einen längeren Zeitraum transportiert werden muss. Prof. Dr. Ralf Dittrich an der Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen will daher herausfinden welche Transportbedingungen optimal sind, damit das wertvolle Gewebe unbeschadet bleibt.

Moderne Behandlungsmethoden haben die Überlebensrate von Krebspatientinnen deutlich erhöht, führen jedoch häufig zur Unfruchtbarkeit. Eine neue Technik ermöglicht es, dass heutzutage bereits vor der Behandlung gesundes Eierstockgewebe entnommen, anschließend tiefgefroren und nach Genesung der Patientin wieder implantiert werden kann. Weltweit weiß man von 20 Geburten nach einer solchen Maßnahme.

Tiefgefrierung von Eierstockgewebe. © Foto: Prof. Dr. Ralf Dittrich, Frauenklinik Erlangen.
Tiefgefrierung von Eierstockgewebe. © Foto: Prof. Dr. Ralf Dittrich, Frauenklinik Erlangen.

Die erste Transplantation von eigenem Eierstockgewebe in Deutschland erfolgte bereits im Jahr 2007 an der Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen. Bis heute ist diese Einrichtung das einzige Zentrum in Deutschland bei dem es im Anschluss an eine solche Behandlung zu erfolgreichen Schwangerschaften kam. „Trotz dieser Erfolge sind die Erfahrungen mit der Technik noch begrenzt und das Verfahren ist daher weiterhin als experimentell einzustufen“ erläutert Ralf Dittrich und schildert eines der Probleme: „Sowohl während dem Transport als auch während des Auftauprozesses kann es zu Schäden an Follikeln und Eizellen kommen.“ Eine Optimierung der einzelnen Schritte bei der Kryokonservierung des Gewebes hält er daher für dringend notwendig. Forschungsbedarf sieht Dittrich insbesondere mit Blick auf den Transport von frisch entnommenen Eierstockgewebe zu einer spezialisierten Einrichtung, wo das Material dann tiefgefroren gelagert wird. In Deutschland gibt es nur relativ wenige derartige Zentren, so dass mitunter längere Transportwege notwendig werden.

Ralf Dittrich und seine Forschungsgruppe wollen daher in einem aktuellen Forschungsprojekt herausfinden, unter welchen Bedingungen sich das wertvolle Gewebe besonders schonend transportieren lässt, so dass nur wenige oder gar keine Schäden auftreten. Dazu simulieren die Forscher den Transport von Eierstockgewebe bei unterschiedlichen Temperaturen (4° und 39°) über verschiedene Zeiten (0, 4, 10, 20 Stunden) und ermitteln danach die Qualität des Gewebes.
Ralf Dittrich unterstreicht nochmal die Notwendigkeit, die Transportbedingungen für Eierstockgewebe zu optimieren: „Vor allem Patientinnen, die aufgrund ihrer schweren Erkrankung nicht in der Lage sind eine spezialisierte Einrichtung aufzusuchen oder weit entfernt von einer wohnen, erhalten so die Möglichkeit, von der Technik der Kryokonservierung Gebrauch zu machen und damit ihre Chance zu erhöhen, auch nach der Erkrankung Kinder bekommen zu können.“

Literatur:
Mueller A, Keller K, Wacker J, Dittrich R, Keck G, Montag M, van der Ven H, Wachter D, Beckmann MW, Distler W. Retransplantation of cryopreserved ovarian tissue: the first live birth in Germany. Dtsch Arztebl Int. 2012;109:8-13. PubMed PMID: 22282711
Dittrich R, Lotz L, Keck G, Hoffmann I, Mueller A, Beckmann MW, van der Ven H, Montag M. Live birth after ovarian tissue autotransplantation following overnight transportation before cryopreservation. Fertil Steril. 2012;97:387-90. PubMed PMID: 22177311.

Förderung:
Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit rund 120.000 Euro. Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Weitere Informationen zur Stiftung: www.wilhelm-sander-stiftung.de

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Wilhelm Sander-Stiftung
Mueller A et al.: Retransplantation of cryopreserved ovarian tissue: the first live birth in Germany. Dtsch Arztebl Int. 2012;109:8-13. PubMed PMID: 22282711
Prof. Dr. rer. nat. Ralf Dittrich, Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg, Tel.: 09131 / 8533553, eMail: ralf.dittrich@uk-erlangen.de
29.08.2013
22.06.2017, 11:21 | tsc
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