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  • Thomas Schönemann

Universitätsmedizin Mannheim

Frauenärzte entwickeln neuartige OP-Methode

Priv.-Doz. Dr. med. Hornemann. © Foto: Universitätsmedizin Mannheim
Priv.-Doz. Dr. med. Hornemann. © Foto: Universitätsmedizin Mannheim

"Schlüsselloch"-Operationen in der Gynäkologie zunehmend umstritten. An der Frauenklinik der Universitätsmedizin Mannheim (UMM) entwickeln Experten derzeit eine neue Operationstechnik für Eingriffe an der Gebärmutter. Ziel ist es, auch bei minimal-invasiven Eingriffen an diesem Organ Gewebe stets komplett entnehmen zu können.

Denn um größeres Gewebe im Verlauf einer „Schlüsselloch“-OP zu entfernen, muss es zunächst im Körper zerkleinert werden. Mit der herkömmlichen Methode verbleiben dabei regelmäßig winzige Teile im Körper. Gegenwärtig gibt es in den USA eine Entwicklung, die von der gynäkologischen Fachwelt aufmerksam verfolgt wird: Die amerikanische Gesundheitsbehörde und mehrere Krankenversicherungen setzen sich ausgesprochen kritisch mit dem derzeit angewandten Verfahren auseinander.

Im Mittelpunkt steht der so genannte Morcellator, ein Gerät, mit dem dieser Zerkleinerungsprozess vorgenommen wird. Verbleiben kleinste Anteile eigentlich zu entfernenden Gewebes (zum Beispiel Gewebe der Gebärmutter) im Bauchraum, ist dies im Regelfall nicht gravierend – denn es handelt sich dabei üblicherweise um gutartige Geschwulste. Problematisch wird es jedoch dann, wenn es sich um bösartig verändertes Gewebe handelt, das von gutartigem Gewebe normalerweise optisch nicht zu unterscheiden ist. Auch wenn dies glücklicherweise viel seltener auftritt, können schon wenige verbliebene Zellen im Körper die Prognose für die Patientin erheblich verschlechtern.

Eine Option, diesem Dilemma zwischen schonendem Eingriff einerseits und möglichen unerwünschten Folgen andererseits zu entrinnen, liegt auf der Hand: die Rückkehr zur herkömmlichen Operationsmethode mit einem größeren Bauchschnitt. Doch damit müssten die Patientinnen wieder mit ausgedehnteren, langsamer verheilenden OP-Wunden und entsprechenden Narben zurecht kommen. Die positiven Aspekte einer eigentlich machbaren minimal-invasiven Operation wären folglich dahin.

Damit richtet sich das Augenmerk auf Alternativen, bei denen der Vorteil der „Schlüsselloch“-OPs nicht durch medizinische Nachteile erkauft wird. Genau hier setzt die Medizintechnologie an, die Privatdozent Dr. med. Amadeus Hornemann gemeinsam mit einer Projektgruppe des Fraunhofer-Instituts und einem Hersteller von Spezialmessern, der Firma Alfred Giesser Messerfabrik GmbH aus Winnenden, derzeit entwickelt. Uterus- und Myom-Gewebe wird dabei nicht nur im notwendigen Maß zerkleinert, sondern auch so abgesaugt, dass keine Spuren davon mehr im Körper verbleiben.

Um das Forscherteam bei seiner vielversprechenden Arbeit zu unterstützen, hat das Bundesministerium für Wirtschaft (BMWi) für dieses Projekt einen Betrag in Höhe von rund einer halben Million Euro bewilligt. Dr. Hornemann: „Wir sehen darin eine Anerkennung unserer Arbeit und einen Ansporn, unsere neue Methode schnellstmöglich zur Marktreife zu bringen. Dann können auch in Zukunft Schlüssellochoperationen in der Frauenheilkunde risikoarm durchgeführt werden.“

Weitere Informationen:
Link zur im Artikel angesprochenen kritischen Diskussion in den USA über den Einsatz der bisherigen Methode eine Pressemitteilung der Gesundheitsbehörde FDA:
http://www.fda.gov/NewsEvents/Newsroom/PressAnnouncements/ucm393689.htm

Klaus Wingen, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums, Universitätsmedizin Mannheim
Dr. Eva Maria Wellnitz, Tel.: 0621 / 383-1159, Fax: 0621 / 3832195, eMail: eva.wellnitz@medma.uni-heidelberg.de
22.09.2014
22.06.2017, 11:21 | tsc
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