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  • Thomas Schönemann

Medizinische Universität Wien

Immuntherapie für Prostata-Krebs in Sichtweite

Anna Spiegel Forschungsgebäude. MedUni Wien. © MedUni Wien, Ernst Hammerschmid
Anna Spiegel Forschungsgebäude. MedUni Wien. © MedUni Wien, Ernst Hammerschmid

Eine internationale, unter Beteiligung der MedUni Wien durchgeführte Studie gibt Patienten mit fortgeschrittenem Prostata-Krebs Hoffnung. Bereits in wenigen Jahren könnte mit Ipilimumab für die weltweit dritthäufigste Krebsart erstmals ein Medikament zur Immuntherapie zugelassen werden.

Das Immuntherapeutikum Ipilimumab zeigt bei der Behandlung von gegenüber herkömmlichen Hormontherapien und Chemotherapien unempfindlichen Patienten eine deutlich positive Wirkung. So lautet die Kernaussage einer soeben im Top-Journal "The Lancet Oncology" veröffentlichten Studie, die aus einer Zusammenarbeit der weltweit führenden Zentren zur Erforschung und Behandlung des Prostata-Karzinoms entstand.

Die WissenschafterInnen untersuchten, inwieweit sich eine Immuntherapie mit diesem Wirkstoff auch für die häufige Krebsart des fortgeschrittenen Prostata-Krebs' eignet. Das Arzneimittel wird derzeit bereits erfolgreich verwendet, um fortgeschrittene Melanome - eine vergleichsweise seltene Krebsart - immuntherapeutisch zu behandeln.

Großer Erfolg für die Immuntherapie von Karzinomen

Michael Krainer, Leiter der Arbeitsgruppe Urologische Tumore an der Klinischen Abteilung für Onkologie (Universitätsklinik für Innere Medizin I) der MedUni Wien, die als Leading Recruiting Center für Deutschland und Österreich federführend beteiligt war, zu den Studienergebnissen: "Für uns ist es nahezu ein Wunder, dass die Immuntherapie auch in einem so späten Stadium der Erkrankung eine so deutliche Wirkung zeigt. Die Ergebnisse unserer Studie sind als weiterer großer Erfolg für die Immuntherapie von Karzinomen zu sehen." Der Wirkmechanismus der Substanz sieht folgendermaßen aus: Die Antikörper von Ipilimumab inaktivieren "Bremser" und geben so dem eigenen Immunsystem "Gas".

Zulassung des Medikaments in Sichtweite

Trotz dieser guten Wirkung gibt es einen Wermutstropfen: Das "aufgedrehte" Immunsystem kann sich auch gegen eigenes Körpergewebe richten. Ipilimumab eignet sich deshalb aufgrund seiner Nebenwirkungen laut der Studie nicht, um Patienten mit fortgeschrittenem Prostata-Krebs und schlechtem Allgemeinzustand zu therapieren. Aus diesem Grund ist derzeit eine weitere Studie im Laufen, die voraussichtlich im Jahr 2015 abgeschlossen wird. Diese Nachfolgestudie ist eingegrenzt auf Personen mit besserer Prognose und einem besseren Allgemeinzustand. Krainer äußert folgende Erwartung: "Aufgrund unserer Ergebnisse gehe ich davon aus, dass diese Studie die Zulassung von Ipilimumab für Patienten mit fortgeschrittenem Prostata-Karzinom bringen wird."

Europäisches Kompetenzzentrum für Urologische Tumore

Die Arbeitsgruppe Urologische Tumore der MedUni Wien gilt europaweit als einer der renommiertesten Studienbegleiter im Bereich des Prostata-Karzinoms: Seit dem Jahr 2002 wurden mehrere hundert Patienten in 17 klinische Studien aufgenommen. Das Spektrum deckt dabei alle modernen Therapiemöglichkeiten ab und reicht von der Chemo- über die Hormon- bis zur Immuntherapie.

Prostata-Karzinom: dritthäufigste Krebsart

Prostata-Krebs ist weltweit die dritthäufigste Krebsart und unter Männern weltweit die sechsthäufigste Todesursache infolge von Krebs. Pro Jahr werden in der Europäischen Union rund 300.000 dieser Diagnosen gestellt, rund zwei Millionen Männer leben in der EU mit dieser Erkrankung.

The Lancet Oncology

"Ipilimumab versus placebo after radiotherapy in patients with metastatic castration-resistant prostate cancer that had progressed after docetaxel chemotherapy (CA184-043): a multicentre, randomised, double-blind, phase 3 trial." E. Kwon, C. Drake, H. Scher, K. Fizazi, A. Bossi, A. van den Eertwegh, M. Krainer, N. Houede, R. Santos, H. Mahammedi, S. Ng, M. Maio, F. Franke, S. Sundar, N. Agarwal, A. Bergman, T. Ciuleanu, E. Korbenfeld, L. Sengelöv, S. Hansen, C. Logothetis, T. Beer, M. McHenry, P. Gagnier, D. Liu, W. Gerritsen, for the CA184-043 Investigators. Lancet Oncol 2014. Published Online May 13, 2014.

Link zur Studie: http://dx.doi.org/10.1016/S1470-2045(14)70189-5

Pressemitteilung Medizinische Universität Wien
Medizinische Universität Wien, Ing. Klaus Dietl, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit, Tel.: +431 40160 - 11 503, Mobil: +43 664 800 16 11 503, eMail: klaus.dietl@meduniwien.ac.at http://www.meduniwien.ac.at
26.05.2014
22.06.2017, 11:21 | tsc
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