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  • Thomas Schönemann

Versorgungsforschung

Informationssystem Versorgungsdaten nimmt Pilotbetrieb auf

Akten im Büro. © Foto: Pascal Tippelt / pixelio.de
Akten im Büro. © Foto: Pascal Tippelt / pixelio.de

Am 17. Februar 2014 nahm das neue Informationssystem Versorgungsdaten (Datentransparenz) des DIMDI den Pilotbetrieb auf. Damit werden erstmals aggregierte Versorgungsdaten der gesetzlichen Krankenkassen für Analysen nutzbar.

Das System eröffnet insbesondere der Versorgungsforschung neue Möglichkeiten: Zugänglich werden unter anderem ambulante und stationäre Diagnosen sowie Daten über ambulant verordnete und abgerechnete Arzneimittel. In dieser Vollständigkeit – über die verschiedenen gesetzlichen Krankenkassen hinweg – waren diese Angaben bisher nicht verfügbar.

Neues Informationssystem

Die Krankenkassen liefern dem Bundesversicherungsamt (BVA) schon länger jährlich pseudonymisierte Daten für den morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA). Gemäß der Datentransparenzverordnung vom 10. September 2012 wird das DIMDI einem definierten Nutzerkreis ermöglichen, diese Daten zu analysieren. Hierzu dient das neue Informationssystem Versorgungsdaten, das jetzt den Pilotbetrieb aufnimmt.

Das DIMDI wird die vom BVA übermittelten Morbi-RSA-Daten über mehrere Jahre hinweg zusammenführen. Zurzeit liegen die Daten der Ausgleichsjahre 2009 und 2010 vor. Sie werden im zweiten Quartal 2014 durch die Daten aus 2011 ergänzt.

Datenschutz, Nutzer und Ziele

Es wird sichergestellt, dass einzelne Versicherte nicht identifizierbar sind. Dazu sind strenge Datenschutzvorkehrungen in Abstimmung mit der Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit getroffen worden.

Wer Daten für welchen Zweck erhalten darf, regelt das Gesetz (§§303a bis 303e SGB V). Nur darin genannte Einrichtungen können die Versorgungsdaten beim DIMDI nutzen. Zu den Berechtigten gehören unter anderen Einrichtungen der Krankenkassen, der Gemeinsame Bundesausschuss, Interessenvertretungen von Patienten und Leistungserbringern auf Bundesebene sowie Institutionen der Forschung und Gesundheitsberichterstattung. Ihnen sollen die Daten beispielsweise helfen, die Qualität der Versorgung zu verbessern oder Leistungsressourcen zu planen.

Verfahren

Während der Pilotphase können Berechtigte vorerst nur beantragen, dass die Datenaufbereitungsstelle des DIMDI Analysen mit SQL-Programmen durchführt, die die Berechtigten selbst anhand des Beispieldatensatzes entwickelt haben. Im Laufe des 2. Quartals 2014 wird die Datenaufbereitungsstelle ergänzend anbieten, die DaTraV-Daten entsprechend einer vom Antragsteller formulierten Fragestellung auszuwerten. Die nachfolgenden Ausbaustufen werden die Verfahren zur Datenbereitstellung sukzessive erweitern: Unter anderem, um Daten auch per SAS auszuwerten oder pseudonymisierte Einzeldaten an einem Gastarbeitsplatz zu analysieren.

Finanziert wird das Informationssystem durch die gesetzlichen Krankenkassen. Für die Aufbereitung der Daten durch das DIMDI werden Nutzungsgebühren anfallen. Die Gebührenverordnung arbeitet derzeit das Bundesministerium für Gesundheit aus.

Austausch mit Nutzern

Für 2015 ist es geplant, die Verfahren des Informationssystems zu evaluieren. Schon im Vorfeld steht das DIMDI daher auch mit den (potentiellen) Nutzern in regem Austausch. So wurde das System Ende Januar ausführlich beim TMF-Forum Versorgungsforschung vorgestellt (Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung e.V.). Die Veranstaltung wird aufgrund der großen Nachfrage am 25. März wiederholt. Ein weiteres TMF-Forum im Herbst wird dazu dienen, gemeinsam die Erfahrungen der ersten Anträge zu diskutieren.

Das DIMDI stellt über das Internet hochwertige Informationen für alle Bereiche des Gesundheitswesens zur Verfügung. Es entwickelt und betreibt datenbankgestützte Informationssysteme für Arzneimittel, Medizinprodukte sowie mit Versorgungsdaten und verantwortet ein Programm zur Bewertung gesundheitsrelevanter Verfahren und Technologien (Health Technology Assessment, HTA). Das DIMDI ist Herausgeber amtlicher medizinischer Klassifikationen wie ICD-10-GM und OPS und pflegt medizinische Terminologien, Thesauri, Nomenklaturen und Kataloge (z. B. MeSH, UMDNS, Alpha-ID, LOINC, OID), die für die Gesundheitstelematik von Bedeutung sind.

Das DIMDI ermöglicht den Online-Zugriff auf seine Informationssysteme und rund 50 Datenbanken aus der gesamten Medizin. Dafür entwickelt und pflegt es moderne Software-Anwendungen und betreibt ein eigenes Rechenzentrum.

Sven Borowski, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI)
Sven Borowski, Tel.: 0221 / 4724-361 -531, eMail: presse@dimdi.de
18.02.2014
22.06.2017, 11:21 | tsc
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