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  • Thomas Schönemann

DKK 2014 - Unveröffentlichte Studienergebnisse

Intelligente Therapiekonzepte zur Behandlung der CLL

Teilnehmer der Auftaktpressekonferenz des DKK 2014.* © Foto: Krebs-Nachrichten
Teilnehmer der Auftaktpressekonferenz des DKK 2014.* © Foto: Krebs-Nachrichten

Wenn Patienten mit einer chronisch lymphatischen Leukämie (CLL) und Mutation im IGHV-Gen eine Kombinationstherapie aus Chemotherapie und Antikörper (Fludarabine+Cyclophosphamide+Rituximab) erhalten, haben sie ein deutlich längeres krankheitsfreies Überleben sowie generell ein längeres Überleben als CLL-Patienten ohne mutiertem IGHV-Gen.

Dieses Ergebnis einer neuen, bislang unveröffentlichten Studie zum krankheitsfreien Überleben bei CLL wurden heute auf der Auftaktpressekonferenz des 31. Deutschen Krebskongresses in Berlin vorgestellt. PD Dr. Barbara Eichhorst, Uniklinik Köln, sagt: „Patienten mit einer fortgeschrittenen chronisch lymphatischen Leukämie leben heute mehr als doppelt so lang als noch vor zehn Jahren. Das ist ein großer Erfolg, und wir arbeiten daran, dass diese Leukämie eines Tages heilbar oder zumindest ein Leben lang kontrollierbar ist. Unsere neue Studie ist ein weiterer Schritt auf diesem Weg. Auf der Basis unserer Daten können wir nun bestimmten Patientengruppen sagen, dass sie gute Chancen haben, nach einer Standard-Chemoimmunotherapie für viele Jahre krankheitsfrei zu leben.“

Vor dem Hintergrund der positiven Studienergebnisse sprach sich PD Dr. Barbara Eichhorst dafür aus, zukünftig bei allen CLL-Patienten vor dem Beginn der Therapie einen Test auf Mutationsstatus im IGHV-Gen durchzuführen, um die anschließende Therapie noch besser auf die spezifischen Bedürfnisse der Patienten abstimmen zu können.

„Diese Studie macht die Chancen von Innovationen in der Onkologie deutlich“, sagt Prof. Dr. Michael Hallek, Kongresspräsident des DKK 2014. „Wir brauchen aber weitere Innovationen, Durchbrüche, Forschergeist: aus den Grundlagenwissenschaft, der klinischen Wissenschaft, aber auch Innovation im Bereich der Strukturbildung und Wissenschaftsförderung. Vor allem aber brauchen wir Lösungen dafür, wie wir die hohe Dynamik des Forschungsgeschehens in die klinische Routine transferieren – und zwar flächendeckend, schnell, sicher und wirtschaftlich sinnvoll. Einen wichtigen Ansatz sehe ich darin, die Finanzierung unabhängiger klinischer Studien zu klären. Das setzt einen enormen Strukturwandel voraus, den wir gemeinsam gestalten müssen.“

Ein wichtiger Aspekt von Versorgungsqualität ist die interdisziplinäre und sektorenübergreifende Kooperation. Tumorerkrankungen sind äußerst komplex. Nur wenn Ärzte aller relevanten Fachrichtungen, darüber hinaus Psychoonkologen, Palliativspezialisten, Pflegepersonal und weitere Akteure eng zusammenarbeiten, gelingt eine optimale Versorgung der Patienten.

„Hier waren wir in den letzten Jahren schon sehr erfolgreich“, erklärt Prof. Dr. Wolff Schmiegel, Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft. „Die Bündelung der Expertise hat zu einem dreistufigen Zentrenmodell geführt, für das sich die Deutsche Krebsgesellschaft und die Deutsche Krebshilfe seit Jahren einsetzen. Basis dieses Systems sind die zertifizierten Zentren – Netzwerke aus stationären und ambulanten Einrichtungen. Sie alle haben sich zur interdisziplinären Arbeitsweise und zur Qualitätssicherung auf der Basis evidenzbasierter Leitlinien nach einheitlichen Maßstäben verpflichtet. Aber längst nicht alle Patienten haben Zugang zu einer hohen Versorgungsqualität. Wie sich das ändern lässt, darüber wollen wir auf dem DKK 2014 diskutieren.“

„Angesichts seiner potenziell lebensbedrohlichen Erkrankung möchte jeder Krebspatient vor allem eines: die individuell auf ihn abgestimmte, bestmögliche medizinische Versorgung. Die maßgeschneiderte Behandlung ist daher das vorrangige Ziel moderner Krebsmedizin und eines der Kernthemen, um die es in den kommenden Tagen auf diesem Kongress gehen wird“, sagt Dr. Fritz Pleitgen, Präsident der Deutschen Krebshilfe. „Zu einer individualisierten Krebstherapie gehört aber auch der menschliche Aspekt. Der Patient soll nicht nur medizinisch im Mittelpunkt stehen, auch seine individuellen seelischen Bedürfnisse und eine vertrauensvolle Beziehung zwischen ihm und dem Arzt spielen eine wichtige Rolle für den Behandlungserfolg“.

Der Deutsche Krebskongress 2014
Der 31. Deutsche Krebskongress findet vom 19. bis 22. Februar 2014 in Berlin statt. Unter dem Motto „iKON – Intelligente Konzepte in der Onkologie“ informieren sich rund 10.000 Experten über die jüngsten wissenschaftlichen und gesundheitspolitischen Entwicklungen und diskutieren ihre Aufgaben von heute und morgen. Der größte und wichtigste deutschsprachige Kongress zur Krebsdiagnostik und -therapie wird 2014 erstmals von der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Krebshilfe gemeinsam ausgerichtet. www.dkk2014.de

Die Ausrichter und Kongresspartner – starke Partner im Kampf gegen Krebs
Die Deutsche Krebsgesellschaft e.V. (DKG) – eine Nachfolgeorganisation des 1900 gegrün¬deten „Comité für Krebssammelforschung“ – vernetzt 16 Landeskrebsgesellschaften, über 7.100 Krebsexperten aus allen Fachgebieten sowie 34 Fördermitglieder und ist damit die größte wissenschaftlich-onkologische Fachgesellschaft im deutschsprachigen Raum. Die DKG engagiert sich für eine Krebsversorgung auf Basis von evidenzbasierter Medizin, Interdisziplinarität und konsequenten Qualitätsstandards. www.krebsgesellschaft.de

Die Deutsche Krebshilfe e. V. (DKH) wurde am 25. September 1974 von Dr. Mildred Scheel gegründet. Ziel der gemeinnützigen Organisation ist es, die Krebskrankheiten in all ihren Erscheinungs¬formen zu bekämpfen. Nach dem Motto „Helfen. Forschen. Informieren.“ fördert die Organisation Projekte zur Verbesserung der Prävention, Früherkennung, Diagnose, Therapie, medizinischen Nach¬sorge und psychosozialen Versorgung, einschließlich der Krebs-Selbsthilfe. Die Deutsche Krebshilfe ist der wichtigste private Geldgeber auf dem Gebiet der Krebsforschung in Deutschland. www.krebshilfe.de

* Ergänzende Informationen zum Titelbild
Im Bild von links: Dr. h.c. Fritz Pleitgen (Präsident der Deutschen Krebshilfe), Dr. Klaus Kraywinkel (Leiter des Zentrums für Krebsregisterdaten am Robert-Koch-Institut), Prof. Dr. Michael Hallek (KOngresspräsident des DKK 2014), PD Dr. Barbara Eichhorst (Uniklinik Köln), Prof. Dr. Wolff Schmiegel (Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft) und ein Teilnehmer der CLL-Studie an der Uniklinik Köln

Pressemitteilung DKK 2014 & Stellungnahmen der Teilnehmer
PD Dr. Barbara Eichhorst, Uniklinik Köln, Deutsche CLL Studiengruppe (DCLLSG)
19.02.2014
22.06.2017, 11:21 | tsc
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