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  • Thomas Schönemann

Helmholtz Zentrum München

Leberkrebs durch chronische Entzündung: Tumorwachstum folgt dem programmierten Zelltod (Apoptose)

Proben-Sammlung. © Foto: Helmholtz Zentrum München
Proben-Sammlung. © Foto: Helmholtz Zentrum München

Das Absterben zahlreicher, entzündlich veränderter Leberzellen durch Apoptose, eine Form des programmierten Zelltodes, kann die Entstehung von Tumorzellen in der Leber begünstigen.

Diese Erkenntnis trägt wesentlich zum Verständnis zellulärer Prozesse der Leberkrebsentwicklung bei und eröffnet neue therapeutische Ansätze. Dies berichtet ein Wissenschaftlerteam unter Beteiligung des Helmholtz Zentrums München in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals ‚Cell Reports‘.

Leberkrebs (Hepatozelluläres Carcinom, HCC) entsteht meist infolge einer chronisch-entzündlichen Lebererkrankung. Die häufigsten Ursachen hierfür sind übermäßiger Alkoholkonsum sowie eine fettreiche Ernährung und chronische Infektionen mit Hepatitisviren (Hepatitis B und C). Im Rahmen des entzündlichen Geschehens kommt es gehäuft dazu, dass die Leberzellen durch programmierten Zelltod absterben. Die Reaktion darauf ist ein vermehrtes Zellwachstum, auch als kompensatorische Proliferation bezeichnet, das zu einer Tumorentstehung führen kann.

Man unterscheidet die beiden bedeutendsten Formen des selbstinduzierten Zellsterbens, die Apoptose (programmierter Zelltod) und die Nekroptose (programmierte Nekrose), denen unterschiedliche zelluläre Mechanismen zugrunde liegen. Bisher war unklar, welche Zelltod-Form bei der Entstehung von bösartigen Lebertumoren entscheidend ist. Das Team um Professor Dr. Tom Luedde vom Universitätsklinikum der RWTH Aachen und Professor Dr. Mathias Heikenwälder vom Institut für Virologie am Helmholtz Zentrum München (HMGU) konnte nun nachweisen, dass die Apoptose der Entwicklung von entarteten Leberzellen vorausgeht. Die Wissenschaftler, darunter auch Florian Reisinger vom Institut für Virologie (HMGU) und Dr. Kristian Unger von der Abteilung Strahlenzytogenetik (HMGU), zeigten dies im Modellorganismus an Mäusen. Sie fanden zudem heraus, dass demgegenüber die Nekroptose eine ungehemmte Zellproliferation und damit die Entstehung von Leberkrebs verhindert.

Diese Erkenntnisse könnten die Grundlage für neue therapeutische Ansätze bei Leberkrebs bilden, einer bislang nur unzureichend behandelbaren Krebserkrankung, an der weltweit jährlich 800.000 Patienten versterben. „Wir wissen nun, welche zellulären Signalwege an der Tumorentwicklung beteiligt sind“, erklärt Heikenwälder, „in einem weiteren Schritt wollen wir neue Behandlungsmöglichkeiten entwickeln, beispielsweise indem wir versuchen, die Apoptose selbst oder deren Signalwege pharmakologisch zu blockieren. Allerdings kann jede Therapie auch Nebenwirkungen verursachen: Wir haben in unseren Experimenten gesehen, dass unter entzündlichen Bedingungen durch das Blockieren der Apoptose eine Gallenstauung (Cholestase) entstehen kann.“

In folgenden Untersuchungen wollen die Wissenschaftler nun ihre Erkenntnisse zu der Entstehung von Leberkrebs verifizieren und nach Wirkstoffen suchen, die die Apoptose hemmen und gleichzeitig möglichst geringe Nebeneffekte verursachen. Ziel ist es, das gewonnene Wissen im Sinne der translationalen Forschung vom Tiermodell auf den Menschen zu übertragen, um konkreten Nutzen für die Gesellschaft zu erbringen.

Link zur Originalpublikation

Susanne Eichacker, Kommunikation, Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt
Vucur, M. et al. (2013), RIP3 inhibits inflammatory hepatocarcinogenesis but promotes cholestasis by controlling Caspase-8- and JNK-dependent compensatory cell proliferation. Cell Reports, doi: 10.1016/j.celrep.2013.07.035
Prof. Mathias Heikenwälder, Helmholtz Zentrum München, Institut für Virologie, Ingolstädter Landstr. 1, 85764 Neuherberg, Tel.: 089 / 4140-7440, eMail: heikenwaelder@helmholtz-muenchen.de
30.08.2013
22.06.2017, 11:21 | tsc
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