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  • Thomas Schönemann

Italien

Lymphknoten liefern natürliche Tumorkiller

Nur ein Muttermal? Körper wehrt sich gegen Melanom-Metastasen. © Foto: marika / pixelio.de
Nur ein Muttermal? Körper wehrt sich gegen Melanom-Metastasen. © Foto: marika / pixelio.de

Forscher haben entdeckt, dass Lymphknoten ihre eigenen Abwehrstoffe gegen Hautkrebszellen produzieren. Sie lassen als Natural Killer (NK) bekannte Zellen auf die Angreifer des Immunsystems los, die ein hochwirksames Mittel gegen die Entstehung und Verbreitung von Melanom-Metastasen darstellen.

Zu dieser Erkenntnis sind Mitarbeiter der Università Magna Grecia in Zusammenarbeit mit Kollegen des Istituto Nazionale dei Tumori gekommen. "Wir haben festgestellt, dass sich in den Lymphknoten Interleukine und Chemokine bilden, die in der Lage sind, das Immunsystem zu aktivieren", erklärt Projektleiter Ennio Carbone. Das gilt vor allem für das Interleukin-6 sowie die Chemokine CXCL8 und CCL2, die NK-Zellen generieren können. Ihre Funktion als eine Art erster Schutzwall gegen die Verbreitung von Tumorzellen im Blut ist bereits bekannt, bisher ist ihre spezifische Rolle in den von Tumorzellen heimgesuchten Lymphknoten aber noch nicht erforscht worden. "Es gibt eine von den Melanom-Metastasen in die Lymphknoten infiltrierte Population von NK-Zellen, die eine ausgeprägte Fähigkeit zur Erkennung und Abtötung von Tumorzellen aufweist", erläutert Carbone weiter.

Widerstandskraft gegen Tumorbefall soll erhöht werden

Die Studie hat außerdem gezeigt, dass sich die in den Lymphknoten agierenden NK-Zellen von den im menschlichen Blut vorhandenen NK-Zellen deutlich unterscheiden, da sich auf ihrer Oberfläche unterschiedliche Molekülformen bilden. "Ein nächster möglicher Schritt besteht darin, die aus den Lymphknoten entnommenen NK-Zellen im Labor zu vermehren und sie in den Organismus zurückzuführen, um dadurch die Widerstandskraft gegen den Tumorbefall zu erhöhen", so der italienische Forscherkollege Mario Santinami.

An der multidisziplinären Studie waren auch Wissenschaftler der Universitäten von Salerno und Genua sowie ausländischer Forschungseinrichtungen wie der Harvard Medical School in Boston und dem Karolinska Institutet in Stockholm beteiligt. Finanziert wurde sie von der Associazione Italiana per la Ricerca sul Cancro. Einzelheiten sind in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht.

Redaktion Pressetext / pte20150126002
Harald Jung, Tel.: +43-1-81140-300, eMail: jung@pressetext.com
26.01.2015
22.06.2017, 11:21 | tsc
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