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  • Thomas Schönemann

Ependymoma Awareness Day

Mehr Aufmerksamkeit für seltene Hirntumoren

MRI T1 Ependymom markiert durch einen Pfeil. © Foto: User Hellerhoff (File:Ependymom sag FLAIR.jpg) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons
MRI T1 Ependymom markiert durch einen Pfeil. © Foto: User Hellerhoff (File:Ependymom sag FLAIR.jpg) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Der "Ependymoma Awareness Day" am 10. April macht auf einen seltenen und gefährlichen Hirntumor aufmerksam, der bei Kindern und Erwachsenen gleichermaßen auftritt, das Ependymom. In den letzten Jahren konnten internationale Forschungskonsortien erstmals relevante Ergebnisse erzielen, die ein besseres Verständnis der Krankheit ermöglichen. Dadurch besteht zum erstem Mals die Chance, zielgerichtete Therapien gegen die Tumoren entwickeln zu können.

Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrums haben maßgeblich zu diesen Ergebnissen beigetragen.

Ependymome treten in allen Bereichen des zentralen Nervensystems auf, im Rückenmark, im Kleinhirn und im Großhirn. Zusätzlich zu ihrer unterschiedlichen Lokalisation unterscheiden sich Ependymome auch in ihrer Biologie und ihrem Verlauf, was aber konventionelle Methoden nicht hinreichend unterscheiden können. Um geeignete Therapien zu entwickeln, müssen die biologischen Besonderheiten der einzelnen Tumorgruppen berücksichtigt werden. Da Ependymome eine seltene Erkrankung sind, haben sich Forscher und Ärzte in den letzten Jahren in großen , internationalen Kooperationen zusammengeschlossen: Nur so erreichen sie die erforderlichen Fallzahlen, um die biologischen Grundlagen der Krankheit zu verstehen, innovative klinische Studien zu entwerfen und das Überleben der Patienten merklich zu verbessern. Im Rahmen dieser Konsortien wurden in diesem Jahr erstmals große Erfolge in der Ependymom-Forschung veröffentlicht, auf die die Entwicklung neuartige Therapieansätze aufbauen könnte.

Die internationalen Kooperationen von Wissenschaftlern aus Nordamerika und Europa bestehen seit wenigen Jahren und haben bereits wichtige Beiträge zum Kampf gegen Ependymome geliefert. Die Zusammenarbeit beinhaltet beispielsweise den Austausch von Tumorgewebe und die gemeinschaftliche Analyse und Diskussion neuer Erkenntnisse. Zwei dieser Forschungskonsortien sind das „Cooperative Ependymoma Research Network“ (CERN, Leitung: Dr. Mark Gilbert, MD Anderson Cancer Center, Houston, USA) sowie die „Ependymoma Consensus Conference Series“, die gemeinsam von Dr. Michael Tylor (Hospital for Sick Children, Toronto, Canada), Richard Gilbertson (St. Jude Children’s Research Hospital, Memphis, USA) und Stefan Pfister (Deutsches Krebsforschungszentrum und Universitätsklinik, Heidelberg) organisiert wird.

Die Konsortien identifizierten beispielsweise eine Genmutation, die in der Mehrheit der Tumorvarianten im Großhirn vorkommt. Diese Genmutation könnte eine Grundlage zur Entwicklung von Medikamenten für Patienten mit Großhirn-Ependymomen darstellen, die sich gegen erkrankte, nicht aber gegen gesunde Zellen richten.

Arbeitsgruppen aus Toronto (Michael Taylor), Houston (Ken Aldape) und Heidelberg (Andrey Korshunov, Hendrik Witt und Stefan Pfister) haben im Kleinhirn zwei Ependymom-Varianten identifiziert. Diese kommen in verschiedenen Altersgruppen vor und zeigen auch einen sehr unterschiedlichen Krankheitsverlauf. Die Forscher stellten auch die Ursache eines besonders aggressiven Typs fest. Dadurch können erstmalig Medikamente entwickelt werden, die sich direkt gegen die „Achillesferse“ dieser bösartigen Tumoren richten.

Zum diesjährigen „Ependymoma Awareness Day“ haben Wissenschaftler, Ärzte und Patienten nun berechtigten Grund zur Hoffnung: Die neuen Ergebnisse der Ependymom-Forschung zeigen erstmals spezifische Ansätze auf, um zielgerichtete Therapien gegen diese gefährliche Erkrankung entwickeln zu können.

Das Landesministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg und das Deutsche Krebsforschungszentrum Heidelberg unterstützen diese Initiative nachdrücklich.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 2.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

Pressemitteilung dkfz
Dr. Stefanie Seltmann, Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Deutsches Krebsforschungszentrum, Im Neuenheimer Feld 280, 69120 Heidelberg, Tel.: 06221 / 42 2854, Fax: 06221 / 42 2968, eMail: presse@dkfz.de
10.04.2014
22.06.2017, 11:21 | tsc
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