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DGIM

Molekulare Prinzipien der Inneren Medizin

Mannheim. Wasserturm. © Foto: www.Rudis-Fotoseite.de / pixelio.de
Mannheim. Wasserturm. © Foto: www.Rudis-Fotoseite.de / pixelio.de

Innere Medizin betrachtet den Patienten systemisch als ganzen Menschen und nicht als Mosaik verschiedener Symptome. Aktuelles Beispiel sind die Signale in der Zellkommunikation bei der Entstehung von Diabetes mellitus Typ 2. Wissenschaftler konnten zeigen, dass sich auch Krebszellen über die gleichen Wege austauschen, um Zellen dazu zu bringen, dass sie entarten und sich unkontrolliert teilen. In der Krebstherapie kommen molekulare Prinzipien bereits heute therapeutisch zum Einsatz.

Gestern eröffnete die DGIM ihren 121. Jahreskongress. Die Veranstalter erwarten vom 18. bis 21. April rund 8.500 Teilnehmer im Congress Center Rosengarten: Ärzte und Wissenschaftler diskutieren hier neueste Erkenntnisse zur Behandlung internistischer Erkrankungen. In mehr als 1 400 Sitzungen und Vorträgen referieren über 890 Experten. Der Kongress im Rosengarten ist zudem eine Premiere: Die Internisten tagen zum ersten Mal in Mannheim anstatt wie in vielen Jahrzehnten zuvor in Wiesbaden. Der DGIM-Vorsitzende Professor Dr. med. Michael Hallek aus Köln stellt dem Kongress das Leitthema „Molekulare Prinzipien der Inneren Medizin – Aufbruch in eine neue Ära“ voran.

„Biochemische und molekularbiologische Diagnose- und Therapieverfahren beeinflussen und verändern die uns bislang vertraute Medizin und prägen ein völlig neues Verständnis von Erkrankungen“, erläutert Professor Hallek, der die Klinik 1 für Innere Medizin am Universitätsklinikum Köln leitet. Entsprechend klassifizierten Wissenschaftler heute immer mehr Krankheiten unter molekularbiologischen oder molekulargenetischen Kriterien. „Die hier zugrunde liegenden Krankheitsmechanismen beruhen auf universellen molekularen Prinzipien, die weder an Organ- noch an Fachgrenzen Halt machen“, so Hallek. Dies symbolisiere wiederum das einende Band, das die Innere Medizin als Querschnittsfach bildet: Sie betrachte den Patienten systemisch als ganzen Menschen und nicht als Mosaik verschiedener Symptome.

Aktuelles Beispiel sind die Signale in der Zellkommunikation bei der Entstehung von Diabetes mellitus Typ 2. Wissenschaftler konnten zeigen, dass sich auch Krebszellen über die gleichen Wege austauschen, um Zellen dazu zu bringen, dass sie entarten und sich unkontrolliert teilen. In der Krebstherapie kommen molekulare Prinzipien bereits heute therapeutisch zum Einsatz. Aber auch für andere Krankheitsbilder gilt dieses universelle Prinzip der Moleküle: „Die Immuntherapie etwa – ursprünglich gegen Rheuma entwickelt – spielt heute eine wachsende Rolle im Kampf gegen Lungen-, Bauchspeicheldrüsenkrebs oder akute Leukämien“, sagt Professor Hallek, der selbst intensiv an Krebserkrankungen forscht.

Besonders wichtig ist dem Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM), dass molekulare aber auch andere Therapien nur dann zum Einsatz kommen, wenn sie dem Patienten nutzen. Unnötige Behandlungen zu vermeiden ist ein Aspekt der Debatte, die Professor Hallek mit der DGIM unter dem Motto „Klug entscheiden“ angestoßen hat. Angelehnt an die „Choosing wisely“ Initiative in den USA, ist dies auch ein zentrales Kongressthema. Ein weiteres Hauptthema bildet die Infektiologie – etwa wenn es darum geht, multiresistente Erreger einzudämmen und den Vormarsch von Infektionskrankheiten zu stoppen.

In diesem Jahr tagt der Internistenkongress zum ersten Mal in Mannheim – wegen des Neubaus der Rhein-Main-Hallen in Wiesbaden von 2015 bis 2017. Firmen wie Arzneimittel-, Medizintechnikhersteller und Fachverlage zeigen auf 3450 Quadratmetern ihre Produkte an 114 Ständen. Neben medizinisch-wissenschaftlichen und gesundheitspolitischen Themen, befasst sich die DGIM seit zwei Jahren mit ihrer Rolle in der Zeit des Nationalsozialismus. Die ersten Ergebnisse der Erforschung ihrer Geschichte präsentiert sie in einer Ausstellung im Congress Center Rosengarten. Weitere Informationen zum Kongress finden Interessierte im Internet unter http://www.dgim2015.de.

Anna Julia Voormann, Pressestelle, Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V.
DGIM, Pressestelle, Anna Julia Voormann/Janina Wetzstein, Postfach 30 11 20, 70451 Stuttgart, Tel.: 0711 / 8931-552, Fax: 0711 / 8931-167, eMail: voormann@medizinkommunikation.org
18.04.2015
22.06.2017, 11:21 | tsc
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