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  • Thomas Schönemann

Folgen von Asbest

Neues Labor zur Erforschung von Rippenfellkrebs eingerichtet

Gesundheitsgefahr durch Asbest. © Foto: Jan Tornack / pixelio.de
Gesundheitsgefahr durch Asbest. © Foto: Jan Tornack / pixelio.de

Die gesundheitsschädigenden Wirkungen von Asbest führten in den letzten Jahren zu einer Zunahme von Rippenfellkrebs-Erkrankungen. Ein neues interdisziplinäres Forschungslabor am Comprehensive Cancer Center der MedUni Wien und des AKH Wien soll hier zu wissenschaftlichen Fortschritten in der Behandlung führen.

Am Comprehensive Cancer Center Vienna der MedUni Wien und des AKH Wien gibt es seit einigen Jahren eine interdisziplinäre Forschungskooperation mit Fokus auf translationale thorakale Onkologie. Forschungsschwerpunkt ist neben Lungenkrebs vor allem das Pleuramesotheliom (Rippenfellkrebs). Michael Grusch vom Institut für Krebsforschung der Med Uni Wien dazu: "Bis vor kurzem galt das Pleuramesotheliom als seltene Erkrankung. Das ändert sich leider gerade. Eine der Hauptursachen für das Entstehen der Krankheit ist Asbest. Durch die lange Inkubationszeit der Krankheit treten jetzt erst die Schäden zu Tage, die vor 20, 30 Jahren entstanden sind. Eine seriöse Studie prognostiziert, dass bis 2029 in Europa 250.000 Menschen an Rippenfellkrebs sterben werden."

Thoraxchirurg Mir Alireza Hoda: "Was uns zu denken gibt, ist, dass wir vermehrt junge PatientInnen zwischen 30 und 50 Jahren sehen. Früher waren hauptsächlich Menschen über 65 Jahre betroffen." Das Pleuramesotheliom wird mit einer Kombination aus Chemotherapie, Chirurgie und Strahlentherapie behandelt. Hoda: "Unser Ziel ist es, Marker für das Mesotheliom zu finden und personalisierte Behandlungsansätze zu entwickeln. Noch gibt es keine, aber sie würden uns helfen, die entsprechenden Therapien für die jeweiligen PatientInnen auszuwählen." Das könnte den Therapieerfolg entscheidend verbessern, denn zurzeit beträgt das durchschnittliche Überleben nach der Diagnose rund neun bis zwölf Monate.

Die Zusammenarbeit zwischen der klinischen Abteilung für Thoraxchirurgie der Universitätsklinik für Chirurgie der MedUni Wien und des AKH Wien und dem Institut für Krebsforschung der MedUni Wien im Rahmen des Comprehensive Cancer Centers (CCC) Vienna besteht seit fünf Jahren. Mit einer Reihe von Toppublikationen und einer einzigartigen Zellkulturbank konnte das ambitionierte ExpertInnenteam auch international auf sich aufmerksam machen. Seit kurzem gibt es nun ein eigenes Forschungslabor, das im Anna-Spiegel-Forschungsgebäude angesiedelt ist: das Labor für Translationale Thorakale Onkologie.

Erste thorakale Tumorzellbank

Um Rippenfellkrebs besser verstehen zu lernen, haben die Mitglieder des Labors eine der weltweit größten Zellkulturbanken auf diesem Gebiet geschaffen. Dabei werden sowohl Blut- und Gewebeproben gesammelt als auch Zellkulturen angelegt. Das ermöglicht den WissenschafterInnen umfangreiche funktionelle Untersuchungen von Proteinen und Genen. Molekularbiologe Balazs Hegedüs: "Unsere Arbeit ist sehr breit aufgefächert. Wir bearbeiten von der Genetik bis zur Beurteilung von Therapien alle Aspekte der Erkrankung. So können wir Erkenntnisse aus der Klinik nun im Labor überprüfen und umgekehrt die Ergebnisse der Grundlagenforschung unmittelbar in der Klink anwenden. Es gibt bei uns also keine Trennung zwischen Grundlagenforschung und klinischer Forschung. Das gewährleistet einen fruchtbaren Boden für Neuentwicklungen."

Internationale Erfolge

Die Ergebnisse der ForscherInnen können sich auch im internationalen Vergleich sehen lassen. Zahlreiche Publikationen in Top-Journalen, einige erfolgreich eingeworbene Grants und Preise sowie Forschungskooperationen belegen, wie produktiv die Gruppe ist. Dabei legt man Wert auf internationale Kooperationen, zum Beispiel mit den Universitäten von Sydney, Zürich, Zagreb, Budapest oder Phoenix, Arizona. Walter Klepetko, Leiter der Abteilung für Thoraxchirurgie, dazu: "Durch unsere Arbeit haben wir es geschafft, unser Haus international sichtbar zu machen und als kompetentes Schwerpunktzentrum zu positionieren. Unser Ziel ist es, der Ansprechpartner für Rippenfellkrebs in Zentral- und Osteuropa zu werden. Die steigende Zahl der nationalen und internationalen PatientInnen zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind."

Medizinische Universität Wien - Kurzprofil

Die Medizinische Universität Wien (kurz: MedUni Wien) ist eine der traditionsreichsten medizinischen Ausbildungs- und Forschungsstätten Europas. Mit fast 7.500 Studierenden und 4.200 MitarbeiterInnen ist sie heute die größte medizinische Ausbildungsstätte im deutschsprachigen Raum. Mit ihren 29 Universitätskliniken, 12 medizintheoretischen Zentren und zahlreichen hochspezialisierten Laboratorien zählt sie auch zu den bedeutendsten Spitzenforschungsinstitutionen Europas im biomedizinischen Bereich. Für die klinische Forschung stehen über 48.000m2 Forschungsfläche zur Verfügung.

Pressemitteilung Medizinische Universität Wien
Mag. Johannes Angerer, Leiter Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit, MedUni Wien, Tel.: +431 40160 - 11 501, Mobil: +43 664 800 16 11 501, eMail: johannes.angerer@meduniwien.ac.at
01.10.2014
22.06.2017, 11:21 | tsc
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