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  • Thomas Schönemann

Blasenkrebs

Nichtrauchen kann Blasenkrebs verhindern oder verbessern

Ohne Rauch geht es auch.... © Foto: Günter Havlena / pixelio.de
Ohne Rauch geht es auch.... © Foto: Günter Havlena / pixelio.de

Dass Rauchen die Hauptursache für Blasenkrebs ist, ist schon länger bekannt. Neue Studien, die unter der Leitung von Shahrokh Shariat, dem neuen Leiter der Universitätsklinik für Urologie der MedUni Wien im AKH Wien, entstanden sind, belegen, dass sich selbst durch einen Rauchstopp nach der Diagnose die Überlebenschancen und die Lebensqualität der Betroffenen entscheidend verbessern.

In Europa sind mehr als 550.000 Personen von Blasenkrebs (Urothelialkarzinomen) betroffen. Damit zählt diese Krebsart zu den häufigsten. Bei Männern rangiert Blasenkrebs im Länderdurchschnitt auf Platz fünf, bei Frauen auf Platz elf. Die Tendenz bei Frauen ist steigend, unter anderem deshalb, weil Frauen heute mehr rauchen als noch vor wenigen Jahren. 60 bis 70 Prozent der Betroffenen sind RaucherInnen oder Ex-RaucherInnen, die meisten von ihnen sind über 65 Jahre alt. Blasenkrebs zählt auf Grund der aufwändigen Therapie nicht nur zu den teuersten Krebsarten, er schränkt die Lebensqualität der Betroffenen auch massiv ein. Nicht selten nimmt die Blase auf Grund der Krankheit Schaden oder muss entfernt werden, was eine künstliche Blase notwendig macht. Das stört im Alltag und beeinträchtig auch das Sexualleben. Trotz moderner Chirurgie und Chemotherapie verstirbt fast die Hälfte der Betroffenen an ihrer Krankheit.

Tumore bei RaucherInnen aggressiver

Shahrokh Shariat, Leiter der Universitätsklinik für Urologie der MedUni Wien und der Urologic Oncology Unit des Comprehensive Cancer Center der MedUni Wien und des AKH Wien hat sich im Zuge seiner Arbeit als Urologe und im Rahmen zahlreicher Studien intensiv mit dem Einfluss von Rauchen und dem Rauchstopp auf Blasenkrebs beschäftigt.

Die Ergebnisse der jüngsten Studien sind ernüchternd. Sie zeigen klar, dass der Tumor bei RaucherInnen wesentlich aggressiver ist als bei NichtraucherInnen. RaucherInnen entwickeln meist ein höheres Tumorstadium, haben mehr Metastasen, sprechen schlechter auf Therapien an, benötigen höhere Dosen und haben eine höhere Rezidivrate (Wiederauftreten des Tumors). Und: Auf Grund der Komorbiditäten (Begleiterkrankungen) können manche Therapien nicht verabreicht werden. Shariat: „RaucherInnen und ExraucherInnen geht es in jeder Beziehung schlechter als NichtraucherInnen.“ Allerdings zeigen die Studien auch, dass ein Rauchstopp selbst nach Erhalt der Diagnose Blasenkrebs die Prognose verbessert. „Rauchen beeinträchtigt das Immunsystem und nimmt dem Körper die Kraft den Tumor zu bekämpfen. Egal, wann man mit dem Rauchen aufhört, der Rauchstopp hilft Blasenkrebs zu überwinden bzw. ihn unter Kontrolle zu halten“, sagt der MedUni Wien-Experte.

Flächendeckender Rauchstopp dringend notwendig

Da der negative Einfluss von Rauchen auf die Gesundheit so groß ist, fordert Shariat die Einführung von Raucherentwöhnungsprogrammen und Antiraucherkampagnen. Er betont: „Es ist unsere Pflicht, Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene zu schützen. Ich bin überzeugt, dass ein allgemeiner Rauchstopp viele Probleme in unserem Gesundheitssystem lösen würde, weil die Menschen weniger krank wären, weniger ärztliche Hilfe benötigten und auf Therapien besser ansprächen. Mit einfachen Mitteln könnten enorme Verbesserungen erzielt werden. Jetzt ist unsere Chance - wir können nicht länger zuwarten.“

Service: European Urology

„Impact of Smoking and Smoking Cessation on Outcomes in Bladder Cancer Patients Treated with Radical Cystectomy“, Rink M, Zabor EC, Furberg H, Xylinas E, Ehdaie B, Novara G, Babjuk M, Pycha A, Lotan Y, Trinh QD, Chun FK, Lee RK, Karakiewicz PI, Fisch M, Robinson BD, Scherr DS, Shariat SF., Eur Urol. 2013 Sep;64(3):456-64. doi: 10.1016/j.eururo.2012.11.039. Epub 2012 Nov 27. http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0302283812014145

„Impact of Smoking and Smoking Cessation on Oncologic Outcomes in Primary Non–muscle-invasive Bladder Cancer“, Rink M, Furberg H, Zabor EC, Xylinas E, Babjuk M, Pycha A, Lotan Y, Karakiewicz PI, Novara G, Robinson BD, Montorsi F, Chun FK, Scherr DS, Shariat SF, Eur Urol. 2013 Apr;63(4):724-32. doi: 10.1016/j.eururo.2012.08.025. Epub 2012 Aug 21. http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0302283812009608

Pressemitteilung Medizinische Universität Wien
Mag. Johannes Angerer, Medizinische Universität Wien, Leiter Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit, Tel.: 01/ 40 160 11 501, eMail: pr@meduniwien.ac.at
29.01.2014
22.06.2017, 11:21 | tsc
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