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  • Thomas Schönemann

Tel Aviv

Stress beeinflusst Schmerzwahrnehmung massiv

Stress: Schmerzen nehmen deutlich zu. © Foto: Andreas Hermsdorf / pixelio.de
Stress: Schmerzen nehmen deutlich zu. © Foto: Andreas Hermsdorf / pixelio.de

Psychischer Stress erhöht die Schmerzintensität deutlich. Gleichzeitig nimmt die Fähigkeit ab, damit adäquat umzugehen. Zu diesem Ergebnis kommt die Tel Aviv University in ihrer aktuellen Erhebung. Das Team um Ruth Defrin ersuchte 29 Teilnehmer am "Montreal Imaging Stress Task" (MIST) teilzunehmen. Dieser computerbasierte Algorythmus zielt darauf ab, psychologischen Stress auszulösen.

Die Wissenschaftler beschreiben MIST als "psychologischen Trick". Die Teilnehmer müssen eine Reihe von Testfragen beantworten. Vor der Beantwortung wird ihnen mitgeteilt, dass Teilnehmer durchschnittlich eine Erfolgsrate von 80 bis 90 Prozent erreichen. Es ist jedoch unmöglich, mehr als 45 Prozent zu erzielen. Dadurch wird gezielt Stress ausgelöst.

Vor und nach dem MIST-Test wurden die Teilnehmer einer Reihe von Experimenten unterzogen, um ihre Grenzwerte bei Schmerzen durch Hitze zu ermitteln. Damit wurde auch das Maß der Fähigkeit der Probanden festgestellt, mit dieser Art von Empfindung umzugehen. In einem Experiment wurden die Personen einer sich steigernden Hitzeempfindung ausgesetzt und ersucht, ab welchem Augenblick sie Schmerzen empfanden. Die Forscher unterteilten die Teilnehmer basierend auf ihren Stresswerten bei MIST in Gruppen. In einem nächsten Schritt wurde untersucht, wie Stress ihre Fähigkeiten, Schmerzen auszuhalten, beeinflusste.

Wahrnehmung relevant

Es zeigte sich, dass Männer höhere Stresswerte aufwiesen und über eine geringere Fähigkeit verfügten, Schmerzen zu ertragen. Je höher der wahrgenommene Stress, desto stärker wurde die Fähigkeit mit Schmerzen umzugehen, beeinträchtigt. Laut Defrin definieren die Art des Stresses und seine Wahrnehmung die Interaktion mit dem Schmerzsystem.

Laut einem "Medical News Today"-Bericht waren die Experten von den Forschungsergebnissen überrascht. Menschen, die zum Beispiel einen Sportunfall erleiden, verfügen über eine bessere Schmerzmodulation. Daher erwartete das Team ähnliche Ergebnisse. "Wir waren überrascht, als wir genau entgegengesetzte Ergebnisse erzielten."

"Es gab keine sichtbaren Auswirkungen von akutem Stress auf die Schmerzgrenzen oder die Schmerztoleranz. Die Schmerzmodulation nahm jedoch drastisch ab", unterstreicht Defrin. Basierend auf diesen Forschungsergebnissen raten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Pain", die Stressmenge so gering wir nur möglich zu halten.

Pressetext.Redaktion / pte20150209009
pressetext.redaktion, Michaela Monschein, Tel.: +43-1-81140-300, eMail: monschein@pressetext.com
09.02.2015
22.06.2017, 11:21 | tsc
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