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  • Thomas Schönemann

Hochdosiertes Östrogen hat kanzerogene Wirkung

Umstrittenes Brustkrebsrisiko durch moderne Pille

Frauen, die Antibabypillen mit hochdosiertem Östrogen einnehmen, haben ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs. © Foto: Lupo / pixelio.de
Frauen, die Antibabypillen mit hochdosiertem Östrogen einnehmen, haben ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs. © Foto: Lupo / pixelio.de

Frauen, die Antibabypillen mit hochdosiertem Östrogen einnehmen, haben ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs. Laut einer Untersuchung der American Association for Cancer Research stellen hingegen Pillen mit einer geringen Östrogen-Dosierung kein Brustkrebsrisiko dar. "Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Nutzung der modernen Antibabypille im vergangenen Jahr mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko in Verbindung steht", erklärt Elisabeth F. Beaber von der Public Health Sciences Division.

Gefahr durch hochdosierte Pille

Die jüngste Einnahme von Antibabypillen erhöht das Brustkrebsrisiko um 50 Prozent. "Unsere Forschungsergebnisse benötigen noch zusätzliche Bestätigung und müssen deshalb mit Vorsicht interpretiert werden", so Beaber. Dass das Hormon Östrogen eine kanzerogene Wirkung hat, ist nicht bewiesen. "Bei Frauen, die viel Östrogen durch einen Hormonersatz-Therapie zu sich nehmen, sinkt das Brustkrebsrisiko durch diese Behandlung", erklärt Ludwig Wildt, Direktor der Universitätsklinik für gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin (http://kinderwunsch-zentrum.at) , im pressetext-Interview.

"Es gibt zahlreiche Studien hinsichtlich des Brustkrebsrisikos durch Antibabypillen. Die meisten dieser Publikationen fanden nur ein minimal erhöhtes beziehungsweise kein erhöhtes Risiko", meint Wildt. Zudem meint der Reproduktionsmediziner, dass moderne Pillen in Österreich ohnehin weniger Östrogen enthalten als noch Jahre zuvor. "Im Zusammenhang mit dieser Studie stellt sich die Frage, um welche Dosierungen von Ethinylestradiol es es sich tatsächlich gehandelt hat. Im Zeitraum von 1990 bis heute wurde der Östrogengehalt der meisten Pillen deutlich reduziert", wirft Wildt ein.

Abwägen diverser Möglichkeiten

Der Reproduktionsmediziner weist darauf hin, dass Antibabypillen früher mit einer sehr hohen Dosis von 50 mcg Ethinylestradiol hinylodiol verkauft wurden. Diese zogen ein hohes Trombose-Risiko mit sich. Aus diesem Grund senkte man die Dosis auf 35, 30, 20 oder auch 15 mcg ab. Unterhalb von 15 mcg ist jedoch die Blutungsstabilität nicht mehr gewährleistet.

"Frauen müssen also die Vor- und Nachteile abwägen. Sie können sich für die sicherste, einfachste und vor allem meist erprobte Verhütungsmethode durch die Pille entscheiden. Hier sind sie jedoch mit dem eventuellen Brustkrebsrisiko konfrontiert, welches allerdings noch nicht bestätigt werden konnte. Oder man entscheidet sich für eine andere Verhütungsmethode und steigert so das Risiko einer Schwangerschaft", erklärt Wildt im pressetext-Gespräch.

Pressetext.Redaktion / pte20140804004
Jasmin Gross, Tel.: +43-1-81140-314, eMail: gross@pressetext.com
04.08.2014
22.06.2017, 11:21 | tsc
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