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  • Thomas Schönemann

Universität Frankfurt am Main

Von Herzinfarkt bis Krebs: Welche Rolle spielen lange nicht-kodierende RNAs?

Aufnahme von Blutgefäßen im Herzen (rot gefärbt). Das große Gefäß ist umgeben von kleinen Gefäßen (Kapillaren). Die Zellkerne sind blau dargestellt, die Nervenzellen grün. © Foto: Dimmeler
Aufnahme von Blutgefäßen im Herzen (rot gefärbt). Das große Gefäß ist umgeben von kleinen Gefäßen (Kapillaren). Die Zellkerne sind blau dargestellt, die Nervenzellen grün. © Foto: Dimmeler

Etwa 70 Prozent unserer Gene sind die Blaupause für Biomoleküle, deren Funktion gerade erst entdeckt wird: die nicht-kodierenden RNAs. Statt in Proteine übersetzt zu werden, übernehmen sie vermutlich Steuerungsfunktionen im Körper. Stefanie Dimmeler konnte als eine der ersten Wissenschaftlerinnen nachweisen, dass die Untergruppe der mikro-RNAs bei der Regeneration von Blutgefäßen eine Rolle spielt.

Vom Europäischen Forschungsrat (ERC) erhält sie nun den begehrten ERC Advanced Investigator Grant, um eine weitere große Gruppe von nicht-kodierenden RNAs zu untersuchen.

FRANKFURT. Etwa 70 Prozent unserer Gene sind die Blaupause für Biomoleküle, deren Funktion gerade erst entdeckt wird: die nicht-kodierenden RNAs. Statt in Proteine übersetzt zu werden, übernehmen sie vermutlich Steuerungsfunktionen im Körper. Stefanie Dimmeler konnte als eine der ersten Wissenschaftlerinnen nachweisen, dass die Untergruppe der mikro-RNAs bei der Regeneration von Blutgefäßen eine Rolle spielt. Vom Europäischen Forschungsrat (ERC) erhält sie nun den begehrten ERC Advanced Investigator Grant, um eine weitere große Gruppe von nicht-kodierenden RNAs zu untersuchen. Sie vermutet, dass diese an der Entstehung von Herzinfarkten, Schlaganfällen und Krebserkrankungen beteiligt sind. Der ERC bewilligte ihr 2,5 Millionen Euro für die nächsten fünf Jahre.

„Wenn Sie mich fragen, was den Menschen in seiner evolutionären Entwicklung besonders macht, würde ich sagen: Es sind die mehr als 30.000 nicht-kodierenden RNAs, die wir sonst nur mit den Primaten teilen“, sagt Stefanie Dimmeler. Aus der Sicht ihres Forschungsgebiets, der kardiovaskulären Regeneration, fällt besonders auf, dass Gefäßerkrankungen wie die den Herzinfarkt auslösende Arteriosklerose in ihrer typischen Form nur beim Menschen auftritt. Vieles deutet darauf hin, dass lange, nicht-kodierende RNAs, kurz lncRNAs, diese Krankheitsprozesse steuern. Sie wirken auf die Innenschicht der Blutgefäße, die sogenannten Endothelzellen, und tragen dazu bei, dass die Organe und Gewebe mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden.

Die Techniken zum Aufspüren der lncRNAs und deren komplexen Funktionen sind weitaus komplizierter als der Nachweis von Proteinen. Dimmeler hat mit ihrer Arbeitsgruppe zwei Kandidaten identifiziert, Angiolnc1 und Angiolnc2, welche die Funktion der Endothelzellen regulieren. Nun möchte sie die molekularen epigenetischen Mechanismen untersuchen, über die diese beiden lncRNAs Gefäßerkrankungen auslösen und steuern. Ziel dieser Forschungsarbeiten ist, neue Behandlungsansätze zur Verhinderung der Arteriosklerose zu identifizieren, um darüber das Auftreten von Herzinfarkten und Schlaganfällen zu verringern.

Prof. Dr. Stefanie Dimmeler.
Prof. Dr. Stefanie Dimmeler. © Foto: GU

Im dritten Teil ihres Projekts untersucht Stefanie Dimmeler, inwieweit ringförmige lncRNAs, die nach ihrer Freisetzung ins Blut besonders geschützt sind, sich als Biomarker für die Erkennung von Erkrankungen des Blutgefäßsystems oder Herzens eignen. Dazu will sie mit ihrer Gruppe Tests entwickeln, mit denen die Biomoleküle im Blut von Patienten in unterschiedlichen Krankheitsstadien von Herz-Kreislauf-Erkrankungen nachgewiesen werden können.

Prof. Stefanie Dimmeler, Jahrgang 1967, studierte Biologie an der Universität Konstanz, wo sie 1993 promovierte. Nach zwei Jahren als wissenschaftliche Assistentin an der Universität zu Köln wechselte sie an die Goethe-Universität, wo sie sich 1998 im Fach Experimentelle Medizin habilitierte. 2001 nahm sie einen Ruf auf die Professur für Molekulare Kardiologie an der Goethe-Universität an. Seit 2008 ist sie Direktorin des Instituts für Kardiovaskuläre Regeneration im Zentrum für Molekulare Medizin. Sie ist Co-Sprecherin des DFG-geförderten Exzellenzclusters „Kardio-Pulmonäre Systeme“, des vom Land Hessens geförderten „LOEWE Zentrums für Zell- und Gentherapie“ und des BMBF-geförderten Deutschen Zentrums für Herz-Kreislaufforschung (DZHK) am Standort Rhein-Main. Sie ist Mitglied im Exzellenzcluster Makromolekulare Komplexe sowie mehrerer Sonderforschungsbereiche. Von 2008 bis 2012 war sie Mitglied des Deutschen Ethikrates. Stefanie Dimmeler erhielt zahlreiche Forschungspreise, darunter den renommierten Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft und den Ernst Jung-Preis für Medizin.

Informationen: Prof. Stefanie Dimmeler, Institut für Kardiovaskuläre Regeneration, Campus Niederrad, Sekretariat: Claudia Herfurth, Tel.: (069) 6301-6667, herfurth@med.uni-frankfurt.de

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 gegründet mit rein privaten Mitteln von freiheitlich orientierten Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern fühlt sie sich als Bürgeruniversität bis heute dem Motto "Wissenschaft für die Gesellschaft" in Forschung und Lehre verpflichtet. Viele der Frauen und Männer der ersten Stunde waren jüdische Stifter. In den letzten 100 Jahren hat die Goethe-Universität Pionierleistungen erbracht auf den Feldern der Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Chemie, Quantenphysik, Hirnforschung und Arbeitsrecht. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Heute ist sie eine der zehn drittmittelstärksten und drei größten Universitäten Deutschlands mit drei Exzellenzclustern in Medizin, Lebenswissenschaften sowie Geisteswissenschaften.

Dr. Anke Sauter, Marketing und Kommunikation, Goethe-Universität Frankfurt am Main
Dr. Anke Sauter, Tel.: 069 / 79812498, Fax: 069 / 798-76312531, eMail: sauter@pvw.uni-frankfurt.de
12.05.2015
22.06.2017, 11:21 | tsc
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