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  • Thomas Schönemann

Apothekerkammer Sachsen-Anhalt

Apothekerkammer rät von angeblichen Mitteln gegen Krebs aus dem Internet ab

Die Diagnose Krebs verunsichert Patienten. Daher ist es auch sehr verständlich, wenn man sich neben der ärztlichen Therapie über alternative Heilmittel informiert. © Foto: Rainer Sturm / pixelio.de
Die Diagnose Krebs verunsichert Patienten. Daher ist es auch sehr verständlich, wenn man sich neben der ärztlichen Therapie über alternative Heilmittel informiert. © Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Die Diagnose Krebs verunsichert Patienten. Daher ist es auch sehr verständlich, wenn man sich neben der ärztlichen Therapie über alternative Heilmittel informiert. Doch Vorsicht ist angebracht. „Oft dienen Angebote zu alternativen Heilmitteln gegen Krebs nur als Geldquelle für den Anbieter und sind ohne Nutzen oder gar schädlich für den Patienten."

"Unsere Empfehlung: Suchen Sie den Rat in einer Apotheke, bevor Sie alternative Heilmittel bestellen. Wer es lieber etwas anonymer möchte, der greift auf das Beratungstelefon der Apothekerkammer zurück", erklärt Dr. Jens-Andreas Münch, Präsident der Apothekerkammer Sachsen-Anhalt.

Das Beratungstelefon der Apothekerkammer ist immer donnerstags von 14-16 Uhr besetzt. Die Apotheker Andreas Haese und Dr. Detlef Klauck beantworten fachliche Fragen zu Arzneimitteln und Produkten zur Gesundheitspflege unter der Rufnummer: 0391/62029378.

 Aus aktuellem Grund wirbt die Apothekerkammer für ihren Patientenservice: Momentan erreichen die Kammer verstärkt Anfragen zu einem Mittel gegen Brustkrebs. "Wir konnten erklären, dass das angepriesene Mittel ein traditionelles pflanzliches Arzneimittel aus Mazedonien ist. Die Werbung dafür im Internet enthält jedoch Aussagen, die nicht nachweisbar und daher laut Heilmittelwerbegesetz verbotenen sind", so der Kammerpräsident. Hinzu kommt, dass das deutschsprachige Internetangebot nicht über eine deutsche, sondern über eine slowakische Firma betrieben wird. Die deutschen Patientenschutzrechte gelten dort nicht. Auf dieser Seite wird das Produkt übrigens "nur" als Nahrungsergänzungsmittel und nicht als Arzneimittel bezeichnet. Bei der Bestellung muss der Kunde zusätzlich der Weitergabe seiner persönlichen Daten an nicht genannte Dritte zustimmen.

Patienten glauben gern Werbeversprechen. Dabei wird manchmal übersehen, dass es sich bei Produkten „rein pflanzlichen“ Ursprungs nicht immer um Arzneimittel handelt. Für solche Produkte gibt es weder wissenschaftliche Nachweise für die Wirksamkeit noch eine garantierte Qualität der Inhaltsstoffe. Dr. Jens-Andreas Münch: "Im günstigsten Fall sind diese Produkte nur wirkungslos. Aber auch manche pflanzlichen Produkte können ein böses Erwachen mit sich bringen." So im aktuellen Fall: Das beworbene Produkt enthält u.a. Johanniskrautextrakt. Es ist zur Ergänzung einer Krebsbehandlung nicht geeignet. Die verfügbaren Produktinformationen sind mangelhaft oder irreführend, der Wirkstoffgehalt ist nicht zu erkennen und der Inhaltsstoff Johanniskraut verträgt sich nicht mit verschiedenen Krebsmedikamenten. 

"In solchen Fällen empfehlen wir den Patienten am Beratungstelefon, sich in der Apotheke über wirksame Alternativen beraten zu lassen, um Überraschungen zu vermeiden. Ergänzende Therapien sollten immer nur in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt vorgenommen werden, da es - wie im beschriebenen Fall - Unverträglichkeiten geben kann, die die ärztliche Therapie beeinträchtigen und im schlimmsten Fall sogar wirkungslos machen können", rät der Arzneimittelexperte.

Pressemitteilung Apothekerkammer Sachsen-Anhalt
Martin Wolff, Pressesprecher der Apothekerkammer Sachsen-Anhalt, Tel.: 0391 / 609040 oder Löwen-Apotheke Altenweddingen, Tel.: 039205 / 21275
01.08.2014
22.06.2017, 11:21 | tsc
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