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Henrik Oster

Biologische Uhren und Chronomedizin: Brauchen wir das heute (noch)?

Biologische Uhren und Chronomedizin: Brauchen wir das heute (noch)? © Foto: Thomas Ottermann / pixelio.de
Biologische Uhren und Chronomedizin: Brauchen wir das heute (noch)? © Foto: Thomas Ottermann / pixelio.de

Um im Tagesverlauf wiederkehrende Umweltbedingungen zu antizipieren, haben die meisten Lebewesen innere, sog. zirkadiane Uhren entwickelt, die Physiologie und Verhalten mit dem Tag- Nacht-Rhythmus koordinieren. Die Anforderungen der modernen Gesellschaft stehen jedoch zunehmend im Widerspruch zu diesen evolutionär festgeschriebenen Rhythmen. Welche Konsequenzen hat das, und wie können wir unser Wissen über die innere Uhr nutzen, z.B. in der Prävention und Behandlung von Adipositas oder Krebs?

Henrik Oster hat in Hannover und Freiburg (CH) Biochemie studiert. Von 2007 bis 2012 war er Gruppenleiter am Max- Planck-Institut für Biophysikalische Chemie (Göttingen) und seit 2008 Fakultätsmitglied der Göttinger Graduiertenschule für Neurowissenschaften, Biophysik und Molekulare Biowissenschaften (GGNB). Seit 2011 ist er Inhaber der Lichtenberg- Professur für Chronophysiologie an der Universität zu Lübeck. Er ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie, der Society for the Research on Biological Rhythms, der European Biological Rhythms Society und der American Physiological Society.

Der Vortrag findet statt im Rahmen der Akademievorlesungen 2014/2015 "Gelebte Zeit und gezählte Zeit - Auf dem Weg in eine zeitachtsame Gesellschaft?" der Akademie der Wissenschaften in Hamburg: „Zeit ist knapp“, „Zeit ist Geld“, „keine Zeit“ – unsere Lebenszeit ist zwar begrenzt, aber die Gegenwart vieler Menschen vermittelt den Eindruck, als wären Zeit und die Verfügung über sowie die Ein - teilung von Zeit zu einem äußerst knappen Gut geworden. Fokus der Vortragsreihe sind Zeit und unser Verhältnis zu ihr. Aus Geis - tes- und Naturwissenschaften werden Überlegungen vorgestellt, die den modischen Beschleunigungsdiskurs gedanklich einbetten und hinterfragen.

Feierte die Moderne noch das Vordringen der gezählten Zeit als Fortschritt, so befinden wir uns heute in einer Phase der Kritik der Rückwirkung der gezählten auf die gelebte Zeit. Kritisiert wird, dass gezählte Zeiten die gelebten Zeiten, auf die sie sich beziehen, und deren „Eigenzeitlichkeit“ unterjochen, kolonialisieren, entwerten. Zeitkultur und Zeitpolitik entstehen aus der Erfahrung der Unterjochung gelebter durch gezählte Zeiten. Sie wollen weder gezählte Zeiten noch Beschleunigung „abschaffen“ – sie wollen zwischen gelebten und gezählten Zeiten ein nach mensch lichen Maßstäben und von Menschen („diskursiv“) gestaltetes Verhältnis herstellen.

In Rede kommt das „Recht auf eigene Zeit“. Es will gezählte Zeiten zivilisieren. Sie sollen gelebte Zeiten respektieren, ihnen zu gelingen der Eigenzeit verhelfen. Ein Feld für eine noch nicht restlos durchbuchstabierte Aufgabe: Zeitkultur und Zeit politik in einer zeit achtsamen Gesellschaft. Die Referentin und die Referenten sind ausgewiesene Kenner der Zeitforschung aus verschiedenen Disziplinen.

Die Akademie der Wissenschaften in Hamburg

Der Akademie der Wissenschaften in Hamburg gehören herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Disziplinen aus dem norddeutschen Raum an. Als Arbeits akademie will sie dazu beitragen, die Zusammenarbeit zwischen Fächern, Hochschulen und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen zu intensivieren. Sie fördert Forschungen zu gesellschaftlich bedeutenden Zukunftsfragen und wissenschaftlichen Grundlagenproblemen und macht es sich zur besonderen Aufgabe, den Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit anzuregen. Die Grund ausstattung der Akademie wird finanziert von der Freien und Hansestadt Hamburg. Präsident der Akademie ist Prof. Dr.-Ing. habil. Prof. E.h. Edwin J. Kreuzer.

Hinweise zur Teilnahme

Der Eintritt ist frei. Um Anmeldung wird gebeten unter http://www.awhamburg.de/veranstaltungen
Termin: 30.10.2014 19:00 - 21:30
Veranstaltungsort: Baseler Hof Säle, Esplanade 15, 20354 Hamburg

Dr. Elke Senne, Öffentlichkeitsarbeit, Akademie der Wissenschaften in Hamburg
Dr. Elke Senne, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel.: 040 / 42 94 86 69-20, Fax: 040 / 4 48 07 52, eMail: elke.senne@awhamburg.de
15.09.2014
22.06.2017, 11:21 | tsc
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