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  • Thomas Schönemann

Studien belegen positive Effekte

Hochdosiertes Vitamin C in der Krebstherapie

Vitamin C. © Foto: Juancoronado1974 (Own work) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons
Vitamin C. © Foto: Juancoronado1974 (Own work) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Besonders Krebspatienten im fortgeschrittenen Stadium haben wegen ihres schlechten Ernährungsstatus sowie der Nebenwirkungen von Chemo- und Strahlentherapie einen ausgeprägten Vitamin-C-Mangel zu beklagen. In der komplementären Krebstherapie wird deshalb Vitamin C, ob als Infusion oder Nahrungsergänzung, zur Verbesserung der Lebensqualität der betroffenen Patienten zugeführt.

Die pharmakokinetischen Unterschiede zwischen der oralen und der intravenösen Hochdosis-Therapie sind jedoch immens. Insbesondere in Begleitung der konventionellen Tumortherapie kann die intravenöse Vitamin-C-Hochdosis-Therapie die Lebensqualität von Krebspatienten entscheidend verbessern.

Eng verbunden ist die Vitamin-C-Therapie mit dem Namen Prof. Dr. Linus Pauling, dessen Theorien und Forschung in der Vergangenheit kontrovers diskutiert wurden. Seit nunmehr 20 Jahren wird auf dem Gebiet der Vitamin-C-Therapie intensiv geforscht. Die Verbreitung als ergänzende und unterstützende Krebstherapie findet zunehmend in Arztpraxen, wenigen spezialisierten Kliniken und in der Behandlung durch Heilpraktiker statt. Aktuelle Beispiele aus der Forschung zeigen vielversprechende Tendenzen, die Studienlage kann als gut bezeichnet werden.

So zeigte sich in einem in-vitro-Versuch, dass Ascorbinsäure (Vitamin C), in einer Dosis von 5 mM kurz vor der Bestrahlung appliziert, die Vernichtung von Tumorzellen durch die Strahlentherapie wesentlich unterstützen konnte. [1] Hirntumorzellen, so das Fazit der Wissenschaftler, reagierten unter Gabe von hochdosiertem Vitamin C besonders empfindlich auf die verabreichte Bestrahlung.

In einem weiteren Versuch zeigte eine Kombination von hochdosierter Ascorbinsäure und Chemotherapeutika (Carboplatin und Pacltaxel) ebenfalls stärkere Effekte hinsichtlich der Zerstörung menschlicher Ovarialkarzinomzellen als der Einzeleinsatz der Substanzen. Diese Erkenntnisse konnten in einer angeschlossen Pilotstudie mit Ovarialkarzinompatientinnen bestätigt werden. Eines der Mankos dieser Studie ist jedoch die zu niedrige Behandlungfrequenz, so dass nur schwache Effekte zu beobachten sind. [2]

In einer Untersuchung mit Brustkrebspatientinnen in 15 Arztpraxen konnten hochdosierte Vitamin-C-Infusionen krebs- und therapiebedingte Beschwerden wie Fatigue, Appetitlosigkeit, Nausea und hämorrhagische Diathese während der konventionellen Therapie um 37 % und in der Tumornachsorge um 53 % verringert werden. Dabei wurde die Therapie mit dem hochdosierten Vitamin C zeitversetzt zur Standardtherapie durchgeführt. [3]

Bisher existierten über den Wirkmechanismus hoher Dosierungen von Vitamin C im Tumorgeschehen jedoch kontroverse Erkenntnisse. Wissenschaftler der Universität Tübingen haben nun für ihre Arbeit zu diesem Thema den Dr. Wolfgang Hevert-Preis erhalten. Sie konnten nachweisen, dass hochdosiertes Vitamin C die Zell-DNA im Malignen Melanom, einer der aggressivsten Krebsarten, auf epigenetischer Ebene beeinflusst und lieferten Erklärungen zum Mechanismus des induzierten Tumorzelltods. [4]

Einen guten Gesamtüberblick über die klinische Forschungslage zu diesem Gebiet liefert ein aktueller systematischer Review, welcher der Hochdosis-Vitamin-C-Infusionstherapie in der Krebsbehandlung wegen ihrer guten Verträglichkeit und antitumoralen Effekte eine vielversprechende Zukunft attestiert. Zur festen Etablierung in der Standardbehandlung von Krebs reiche es jedoch nicht, dazu seien auf diesem Gebiet mehr qualitativ hochwertige Studien erforderlich. [5]

Die vorliegenden Studien erlauben folgenden Schluss:

Als nebenwirkungsarme und potente Therapie zur Erhaltung der Lebensqualität kann eine Infusionstherapie mit hochdosiertem Vitamin C nicht nur die Situation von Tumorpatienten auch in der verbleibenden Lebenszeit verbessern, sondern ebenso helfen, Chemo- oder Strahlentherapie zu reduzieren.

Literatur:

  1. Herst PM. Broadley, Harper JL, McConnell MJ. Pharmacological concentrations of ascorbate radiosensitize glioblastoma multiforme primary cells by increasing oxidative DNA damage and inhibiting G2/M arrest. Free Rad Biol Med 2012; 52: 1486-1493 > Abstract
  2. Ma Y, Chapman J, Levine M, Polireddy K, Drisko J, Chen Q. High-dose parenteral ascorbate enhanced chemosensitivity of ovarian cancer and reduced toxicity of chemotherapy. Sci Transl Med 2014; 6(222): 222ra18. doi: 10.1126/scitranslmed.3007154 > Abstract
  3. Vollbracht C, Schneider B, Leendert V, Weiss G, Auerbach L, Beuth J. Intravenous vitamin C administration improves quality of life in breast cancer patients during chemo-/radiotherapy and aftercare: results of a retrospective, multicentre, epidemiological cohort study in Germany. in vivo 2011; 25: 983-990 > Abstract
  4. Venturelli S, Sinnberg TW, Berger A, Noor S, Levesque MP, Böcker A, Niessner H, Lauer UM, Bitzer M, Garbe C, Busch C. Epigenetic impacts of ascorbate on human metastatic melanoma cells. Frontiers in Oncology 2014; 4: Art. 227 > Abstract
  5. Fritz H, Flower G, Weeks L, Cooley K, Callachan M, McGowan J, Skidmore B, Kirchner L, Seely D. Intravenous vitamin C and cancer: a systematic review. Integr Cancer Ther 2014; 13(4): 280-300 > Abstract
Nachrichtenagentur/Carstens-Stiftung
Daniela Hacke, M.A., Fachbereich Informationsbeschaffung und Wissensmanagement, Tel.: 0201 / 56305 18, eMail: d.hacke@carstens-stiftung.de
14.11.2014
22.06.2017, 11:21 | tsc
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