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30. Deutscher Krebskongress 2012

Besser leben nach Krebs

Brandenburger Tor Berlin. © Foto: Carl-Ernst Stahnke / pixelio.de
Brandenburger Tor Berlin. © Foto: Carl-Ernst Stahnke / pixelio.de

Der Deutsche Krebskongress 2012 befasst sich mit den Spätfolgen von Krebstherapien und der Nachsorge und diskutiert diese aus wissenschaftlicher und gesundheitspolitischer Sicht.

In Deutschland wächst die Zahl der Langzeitüberlebenden mit Krebs – dank frühzeitiger Diagnose und der besseren Wirksamkeit medizinischer Behandlungen. Die Spätfolgen der Tumorbehandlung sind bislang allerdings nur wenig erforscht.

Hochrechnungen des Robert-Koch-Instituts zufolge leben in Deutschland knapp 1,5 Millionen Menschen bereits fünf Jahre oder länger mit ihrer Krebserkrankung, bei rund zwei Millionen liegt die Erstdiagnose Krebs sogar schon mehr als zehn Jahre zurück. Viele Krebspatienten zahlen aber langfristig ihren Preis, zum Beispiel für Chemo- oder Strahlentherapien, die nicht nur dem Tumor zusetzen. „ In unserer Forschungsgruppe haben wir den Eindruck, dass die Altersgruppe der 60 bis 69jährigen Langzeitüberlebenden deutlich mehr Gesundheitsprobleme hat als Menschen gleichen Alters ohne Krebsvorgeschichte“, sagt Professor Sophie Fossa aus Oslo. Die Expertin leitet das norwegische Ressourcenzentrum für Langzeitüberleben nach Krebs und wird gemeinsam mit ihrem Kollegen Richard Foster von der Universität Indiana den Vorsitz beim DKK-Symposium „Longterm Survivorship“ übernehmen. Fossas Studien ergaben, dass auch viele jüngere in der Kindheit an Krebs Erkrankte noch 20 bis 30 Jahre nach Erstdiagnose unter den Folgen der Behandlung leiden können, obwohl sie als geheilt gelten.

„Eines der Hauptprobleme ist die chronische Müdigkeit ohne ersichtlichen Grund, auch Fatigue genannt. Sie führt häufig zu einer eingeschränkten Arbeitsfähigkeit und wird gerade von Jüngeren als schwerwiegende Einschränkung der Lebensqualität empfunden“, erklärt Fossa. Auch Herzkrankheiten können vorkommen, ergänzt der Hodenkrebsspezialist Richard Foster. Bei Hodenkrebspatienten entstehen sie zum Beispiel als späte Konsequenz einer Chemotherapie und einem nachfolgenden metabolischen Syndrom mit hohem Blutdruck und erhöhten Blutzucker- und Blutfettwerten. Zweitmalignome oder ein später Rückfall sind ebenfalls möglich. „Dennoch trägt die Chemotherapie dazu bei, dass über 90 Prozent der betroffenen Männer von ihrer Krebserkrankung geheilt werden können.“ Beide Wissenschaftler plädieren dafür, dass Ärzte und Patienten besser über mögliche Spätfolgen aufgeklärt werden, um im Ernstfall Symptome rascher einordnen zu können.

Die Rehabilitationsphase ist für jeden Krebspatienten ein wesentlicher Schritt auf dem Weg zurück in ein normales Leben. Für eine Vielzahl onkologischer Erkrankungen gibt es mittlerweile Therapiekonzepte, die in den onkologischen Rehabilitations- und Nachsorgekliniken breite Anwendung finden. „Wir haben im Bereich der Rentenversicherung ein engmaschiges Qualitätsmanagement, das sehr genau prüft, inwieweit die getroffenen Rehabilitationsmaßnahmen evidenzbasierten Standards folgen“, sagt Professor Hans Helge Bartsch von der Klinik für Tumorbiologie in Freiburg und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Supportive Maßnahmen in der Onkologie, Rehabilitation und Sozialmedizin in der Deutschen Krebsgesellschaft (ASORS). „Für eine nachhaltige Wirkung dürfen wir uns aber nicht nur um die Wiederherstellung von Organfunktionen kümmern. Es geht vielmehr auch um eine Unterstützung bei psychosozialen Belastungen“, sagt Bartsch Dabei spielt der Umgang mit der Angst vor dem Rückfall eine wichtige Rolle, ebenso wie Programme zur Gesundheitsförderung. So zeigen Studien mittlerweile ganz klar die Bedeutung körperlicher Aktivität für Tumorpatienten. Die verschiedenen Aspekte der onkologischen Rehabilitation, der psychosozialen Betreuung Krebskranker und der Psychoonkologie gehören zu den Topthemen beim DKK 2012.

Der DKK 2012
Unter dem Motto „Qualität sichern – Forschung fo(e)rdern“ findet der nächste Deutsche Krebskongress vom 22. bis zum 25. Februar 2012 im Berliner ICC statt; er ist der größte und älteste onkologische Fachkongress im deutschsprachigen Raum. Wie schon bei früheren Kongressen werden auch dieses Mal wieder mehrere Tausend Besucher aus dem In- und Ausland erwartet.

Pressemitteilung der Deutschen Krebsgesellschaft e.V.
Dr. Katrin Mugele, Pressestelle der Deutschen Krebsgesellschaft e. V., Straße des 17. Juni 106-108, 10623 Berlin, Tel.: 030 / 810 316 160, Fax: 030 / 810 316 111, eMail: presse@krebsgesellschaft.de
24.11.2011
22.06.2017, 11:21 | tsc
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