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36. Jahrestagung der DGS

Brustkrebs zusammen klug diagnostizieren und behandeln

Dresdner Frauenkirche. © Foto: euroluftbild.de/Grahn - euroluftbild.de/Grahn, CC BY-SA 3.0 (curid=29641204)
Dresdner Frauenkirche. © Foto: euroluftbild.de/Grahn - euroluftbild.de/Grahn, CC BY-SA 3.0 (curid=29641204)

Über 2.500 Experten für Brustgesundheit kommen zur diesjährigen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie e.V. (DGS) vom 26. bis 28. Mai 2016 im Internationalen Congress Center Dresden zusammen.

„Das Kongressmotto "Zusammen Brustkrebs klug behandeln" steht für unseren Anspruch, optimale Entscheidungen in der Diagnostik und Therapie von Brusterkrankungen interdisziplinär zu treffen“, erklären Prof. Rita Engenhart-Cabillic und Dr. Mario Marx, Kongresspräsidenten der 36. Jahrestagung der DGS. Alle Experten, Radiologen, Chirurgen, Gynäkologen, Plastischen Chirurgen, Onkologen, Strahlentherapeuten bzw. Radioonkologen, Pathologen und Psychoonkologen, diskutieren aktuelle Fragestellungen zur Diagnostik und Behandlung, insbesondere optimale mögliche lokoregionale und systemische Therapieansätze. Dazu bietet die Jahrestagung in mehr als 180 wissenschaftlichen Sitzungen, Kursen und Debatten zur Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge von Brusterkrankungen eine hervorragende Möglichkeit.
Bundesratspräsident und Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, Stanislav Tillich, spricht ein Grußwort auf der Eröffnungsveranstaltung am Donnerstag, den 26. Mai 2016. Auf die Entwicklung und den heutigen Stellenwert der seit 30 Jahren möglichen Brustrekonstruktion geht Prof. Dr. Feller, München, in der Keynote-Lecture ein. Prof. Craig Jordan, Houston, einer der weltweit bekanntesten Brustkrebsexperten, Entdecker der präventiven Wirkung des Brustkrebsmedikamentes Tamoxifen und der Prinzipien der Antihormone in der adjuvanten Therapie, wird die Ehrenmitgliedschaft verliehen.

Erfolgsbilanz zertifizierter Brustzentren

Jährlich wird bei etwa 75.000 Patientinnen in Deutschland die Diagnose Brustkrebs gestellt. Jede 8. Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an einem bösartigen Tumor (Mammakarzinom) in der Brust. Mit der Einführung der Mammographie zur Früherkennung stieg die Zahl der diagnostizierten Tumoren stark an. Seit 2009 ist dieser Trend jedoch wieder rückläufig. Im Jahr 2016 gibt es bundesweit über 280 von der Deutschen Krebsgesellschaft und der DGS zertifizierte Brustzentren. Hier lassen sich über 90 Prozent der Frauen, und auch Männer, die an einem primären Mammakarzinom erkranken, nach aktuellen Leitlinien qualitätsgesichert behandeln. Trotz der gestiegenen Erkrankungsraten sterben deutlich weniger Frauen an Brustkrebs als noch vor zehn Jahren. Dies ist ein Indikator für die etablierte Versorgungsqualität und die Erfolgsgeschichte der seit über 12 Jahren zertifizierten Brustzentren.

Wie viel Prävention und Früherkennung sind sinnvoll?

In der Prävention geht es darum, Frauen mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko für Brustkrebs als Ratsuchende und nicht als Patientinnen zu verstehen. Erst nach ausführlicher Beratung mit Nutzen- und Risikoabwägung kann ein Angebot präventiver Maßnahmen folgen. Wer sollte sich auf Mutationen in den Genen BRCA1 und BRCA2 testen lassen? Das Deutsche Konsortium für familiären Brust- und Eierstockkrebs gibt die Kriterien vor, nach denen ein erblich bedingtes Risiko besteht und ein Test zu empfehlen ist. Auf dem Kongress diskutieren die Experten: „Ist die Versorgung der Frau mit hohem Risiko im Konsortium noch zeitgemäß?“

In der Früherkennung geben die Thesen der US-Leitlinie (2015) Anlass für neue Diskussionen zum Mammographie-Screening in Deutschland. Auf der Jahrestagung werden die idealen Intervalle des Brustscreenings und die Altersspanne des Mammographie-Screenings von bisher 50-69 Jahren auf jüngere und ältere Frauen erörtert. Wie sollte die dichte Brust weiterhin ultrasonografisch untersucht werden, zusätzlich zum Mammographie-Screening? Noch zu oft kommt es bei Brustuntersuchungen zu Erkennungs- oder Interpretationsfehlern und damit zu Fehldiagnosen. Meist hängt dies mit der Dichte des Brustgewebes, dem Tumortyp und der Aufnahmetechnologie zusammen.

Moderne Operationsverfahren bei Brustkrebs

Die operative Behandlung von Patientinnen und Patienten ist in den vergangenen 30 Jahren revolutioniert worden. Die Einbindung des hochfrequenten Ultraschalls in Operationsverfahren bei einer zunehmenden Anzahl von Brustzentren hat zu onkologisch souveränen Ergebnissen geführt. Die operativen Verfahren an der Universitäts-Frauenklinik Tübingen nach Wallwiener et al ermöglichen eine klare Orientierung aller Beteiligten bei der Behandlung des Mammakarzinoms. Sowohl Patientinnen und Patienten, behandelnde Ärzte als auch die Kostenerstatter verfügen über einen wissenschaftlich erarbeiteten operativen Behandlungsalgorithmus.

Aktuell werden beeindruckende Resultate der Wiederherstellung des Sinnesorganes Brust erzielt. Neben den bekannten Rekonstruktionsmöglichkeiten mit Implantaten und/oder Netzen wurden, dank der 30-jährigen Routine sowie der freien Transplantation des Fettgewebes vom Unterbauch bzw. des Gesäßes, bedeutsame Behandlungsmöglichkeiten entwickelt. Auch bei der Behandlung von operationsbedingten oder strahlenbedingten Lymphödemen der Arme können mittels mikrochirurgischer Lymphknoten-Transplantationen signifikante Besserungen erreicht werden. Eine erfolgreiche operative Behandlung des Mammakarzinoms im interdisziplinären Konzept ist mit ca. 56 Prozent am Gesamterfolg einer Therapie von Patientinnen und Patienten beteiligt.

Optimierte Kommunikation kann Rückfällen vorbeugen, Lokalrezidivrate senken

Vorteile ergeben sich aus den regelmäßig stattfindenden interdisziplinären Tumorkonferenzen, bei denen das Therapieziel mit Mortalitätsreduktion oder Rezidivminderung diskutiert und der optimale Behandlungsplan für die individuelle Patientin festgelegt wird. Bei Patientinnen mit invasivem Karzinom erfolgt die postoperative Strahlentherapie, welche Standard für jede Frau nach brusterhaltender Therapie (BET) ist, um die Lokalrezidivrate zu senken und auch signifikant die Überlebensrate nach 10 und 15 Jahren zu verbessern. Anders verhält es sich beim DCIS, einer Karzinomvorstufe. „Hier wird durch die adjuvante Strahlentherapie lediglich das Rezidivrisiko, nicht jedoch die Überlebensrate verbessert. In dieser Situation gilt es, eine offene und für den Patienten transparente Nutzen-Risiko-Abwägung vorzunehmen“, erklärt Prof. Engenhart-Cabillic. Unter der Prämisse, dass bei bestimmten Risikokonstellationen weniger durchaus auch gleich oder gar mehr sein kann, wird der Verzicht der Strahlentherapie unter diesen speziellen Risikokonstellationen erörtert. Studienergebnisse der Teilbrustbestrahlung sowie wann und mit welchen technischen Möglichkeiten diese erfolgen kann, werden diskutiert.

Weitere Schwerpunkte des Kongresses sind die neuen mutationsbezogenen Behandlungswege, Optionen der Brustrekonstruktion und der psychologischen Betreuung von Krebspatientinnen als Teil des interdisziplinären Behandlungskonzeptes. „Die Motivation der Patientin trägt schließlich wesentlich zum Genesungserfolg bei“, betont Prof. Schulz-Wendtland, Präsident der DGS. Wichtig sei daher die möglichst frühzeitige Einbindung und optimale Beratung der an Brustkrebs erkrankten Patientin.

Quellen:
www.Krebsdaten.de

Anja Frohloff, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.
Anja Frohloff, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel.: 030 / 514883333, Fax: 030 / 51488344, eMail: presse@dggg.de
19.05.2016
22.06.2017, 11:21 | tsc
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