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Universitätsklinikum Heidelberg

Gerechte Vergabe von Spenderorganen: Nach welchen Kriterien?

Organtransplantation. Flug-Transport. © Foto: DSO
Organtransplantation. Flug-Transport. © Foto: DSO

Als eines der führenden Transplantationszentren in Deutschland lädt die Chirurgische Universitätsklinik Heidelberg am Freitag, den 26. September 2014, zum 12. Heidelberger Transplantationssymposium ein. Transplantationsmediziner aus Heidelberg und ganz Deutschland, Österreich und Großbritannien stellen aktuelle Entwicklungen der internationalen Transplantationsmedizin vor und informieren über den Stand der Organspende in Deutschland.

Mit Professor Dr. Raimund Margreiter, ehemals Direktor der Universitätsklinik für Visceral-, Transplantations- und Thoraxchirurgie Innsbruck, ist ein Pionier der Transplantationschirurgie zu Gast. Er wird aus seinem Erfahrungsschatz berichten. Die Vortragssprache ist deutsch. Ärzte, Patienten, Journalisten und alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

Eine zentrale Frage des Symposiums ist, wie Spenderorgane gerecht und mit größtmöglicher Transparenz vergeben werden können. Dazu existieren international verschiedene Konzepte. In Deutschland richtet man sich vor allem nach der Dringlichkeit bei gleichzeitiger Gewebeverträglichkeit – nach Ansicht von Professor Dr. Peter Schemmer, Leiter der Sektion Viszerale Organtransplantation in der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg, nicht unbedingt die beste Lösung: Durch dieses Vergabekonzept werden z. B. Spenderlebern schwerstkranken Patienten zugeteilt, die mit einer nur geringen Wahrscheinlichkeit die eigentlich lebensrettende Transplantation überstehen können.

Eine stärkere Berücksichtigung der Erfolgsaussicht ist allerdings schwierig: Es gibt bislang keine wissenschaftlich gesicherten Kriterien, an denen sich der voraussichtliche Transplantationserfolg beim einzelnen Patienten festmachen lässt. Die Entscheidung stützt sich auf die Erfahrung der behandelnden Ärzte. „Das ist nicht transparent und säht Misstrauen“, so Schemmer. „Trotzdem sollten wir angesichts des Mangels an Spenderorganen die Erfolgsaussichten bei der Vergabe stärker berücksichtigen. Hier muss dringend an objektiven Kriterien geforscht werden.“

Sorgfältig ausgewählte Patienten profitieren von Organen mit kleinen „Mängeln“

Strategien gegen den Mangel an Spenderorganen sind ein übergreifendes Thema der Veranstaltung. Wichtige Maßnahmen sind ist die Ausweitung des Organpools durch Unterstützung und Förderung der Lebendspende sowie die Verwendung von Spenderorganen mit kleinen „Mängeln“ wie Fetteinlagerungen. Auch Alternativen zur Organtransplantation wie der Einsatz von Kunstherzen oder Zelltransplantationen bei bestimmten Stoffwechselerkrankungen können noch weiter ausgebaut werden.

In allen drei Bereichen ist das Heidelberger Transplantationszentrum führend. So verpflanzen die hiesigen Transplantationschirurgen mit Erfolg Spenderorgane von Verstorbenen, die andere Zentren ablehnen, z.B. Lebern mit Fettgehalt. Zu viel Fett erhöht das Risiko, dass die eingesetzte Leber nur schlecht arbeitet. „Wir haben allerdings langjährige Erfahrung in der Auswahl von geeigneten Patienten, bei denen diese Organe gute Dienste tun“, so Schemmer. Studien des Universitätsklinikums ergaben, dass solche von der Norm abweichenden Lebern bei sorgfältiger Auswahl der Empfänger ebenso gut funktionieren und nicht häufiger abgestoßen werden als andere Spenderlebern.

In der Regel teilt die Stiftung Eurotransplant in den Niederlanden alle Spenderorgane, die in Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Slowenien und Kroatien von verstorbenen Menschen entnommen werden einem Empfänger zu. In Ausnahmen, wie zum Beispiel bei Transplantaten, die bestimmte Veränderungen aufweisen, kann das Empfängerzentrum einen für das Transplantat geeigneten Patienten melden. Die Entscheidungsfindung geschieht selbstverständlich transparent nach den geltenden Richtlinien und wird entsprechend dokumentiert.

Eine weltweite Spitzenposition nimmt Heidelberg zudem bei der Transplantation von Leberzellen ein. Die Leberzellen kommen besonders bei Kindern mit angeborenen Stoffwechselerkrankungen zum Einsatz: Über ein Blutgefäß in die kindlichen Leber eingeschwemmt, siedeln sie sich selbständig im Lebergewebe an und übernehmen die Stoffwechselfunktionen, die die körpereigenen Leberzellen des Patienten nicht leisten können.

Das Transplantationszentrum des Universitätsklinikums Heidelberg ist mit 109 Leber- und 143 Nierentransplantationen, acht kombinierten Pankreas-Nieren-Transplantationen, sowie mit 23 verpflanzten Herzen und 14 eingesetzten Herzunterstützungssystemen, z.B. Kunstherzen, im Jahr 2013 konstant eines der größten Zentren in Deutschland.

Die Fortbildungsveranstaltung für Ärzte findet am Freitag, 26. September 2014, von 8.15 Uhr bis 16 Uhr im großen Hörsaal der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg, Im Neuenheimer Feld 110, 69120 Heidelberg, statt. Journalisten, Patienten und alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Peter Schemmer
Sektionsleiter Leberchirurgie und Transplantationschirurgie
Chirurgische Universitätsklinik Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 62 05 (Sekr./Assistenz Astrid D'Alessandro)
E-Mail: astrid.dalessandro@med.uni-heidelberg.de

Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/fileadmin/pressestelle/VK/2014/3_Jul_Sep/1... Programm-Flyer zur Veranstaltung

Dr. Annette Tuffs, Unternehmenskommunikation, Universitätsklinikum Heidelberg
Dr. Annette Tuffs, Leiterin Unternehmenskommunikation, Tel.: 06221 / 56-4536, Fax: 06221 / 56-4544, eMail: annette.tuffs@med.uni-heidelberg.de
22.09.2014
22.06.2017, 11:21 | tsc
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