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30. Deutscher Krebskongress 2012

Gezielt forschen für eine gerechte Gesundheit

Brandenburger Tor Berlin. © Foto: Carl-Ernst Stahnke / pixelio.de
Brandenburger Tor Berlin. © Foto: Carl-Ernst Stahnke / pixelio.de

Von der translationalen Medizin bis zur Versorgungsforschung behandelt der Deutsche Krebskongress 2012 ein breites Themenspektrum.

Krebspatienten haben ein Anrecht auf eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung, in der sie möglichst rasch von den Fortschritten der Grundlagenforschung profitieren und auf Basis der besten zur Verfügung stehenden Wissensquellen behandelt werden. Das betonte der Präsident des Deutschen Krebskongresses (DKK) 2012, Professor Peter Albers. „Gleichzeitig müssen gesundheitliche Leistungen aber trotz knapper Finanzbudgets gerecht verteilt werden. Das gelingt nur mit gezielter Forschung ‒ in der Klinik, an der Schnittstelle vom Labor zum Krankenbett und in der Patientenversorgung.“ Der kommende DKK präsentiert nicht nur die neuesten Ergebnisse der Krebsforschung, sondern behandelt auch ein breites Spektrum forschungs- und gesundheitspolitischer Aspekte der Onkologie.

Der rasche Brückenschlag zwischen Labor und Klinik ist vor allem das Anliegen der translationalen Forschung: Erkenntnisse der biomedizinischen Grundlagenforschung sollen auf diese Weise möglichst schnell in klinische Diagnoseverfahren und Therapien umgesetzt werden. Umgekehrt erhofft man sich von den Erfahrungen der Ärzte am Krankenbett eine raschere und gezielte Rückkopplung auch für die Grundlagenforschung. „Zur Stärkung der translationalen Forschung haben wir 2011 das Deutsche Konsortium für translationale Krebsforschung, kurz DKTK, ins Leben gerufen“, sagt Professor Otmar Wiestler, Chef des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg und DKTK-Sprecher. „Im Rahmen des DKTK sollen Forschung und Krebsmedizin an insgesamt acht Standorten eng zusammen rücken.“ In mehreren Projekten arbeiten die Wissenschaftler an besseren Behandlungen für schwer therapierbare Krebsarten, an der intelligenten Kombination von Therapien, an einer personalisierten Krebsmedizin und an neuen Wegen in Früherkennung und Prävention. Themen aus der translationalen Forschung gehören auch zu den Highlights beim DKK 2012.

Doch auch klinische Untersuchungen sind unerlässlich, um Ergebnisse aus der Grundlagenforschung in die Routineversorgung zu überführen „Wir haben sehr viele gute und neue Medikamente, brauchen aber mehr unabhängige klinische Studien, besonders bei Fragestellungen, die kommerziell für die Pharmaindustrie nicht attraktiv sind“, sagt Peter Albers. Bedarf bestehe vor allem bei der Bewertung neuer operativer Behandlungsmethoden, bei der Wirksamkeitsprüfung von Therapien unter Alltagsbedingungen, beim direkten Vergleich verschiedener Therapieoptionen und als Korrektiv für kommerzielle Studien. Nur mit wissenschaftlich fundierten Antworten auf diese Fragen können Gesundheitsleistungen bewertet und entsprechend priorisiert werden. Auf diese Weise sei es möglich, durch ein intelligentes Verteilen der Ressourcen eine extrem hohe Versorgung in der Onkologie aufrechtzuerhalten, sagt Albers. „Auch darüber werden wir auf dem DKK 2012 diskutieren.“

Während die Priorisierung von Gesundheitsleistungen in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt, gehört sie bei vielen europäischen Nachbarn längst zum gesundheitspolitischen Alltag. „Im dezentralen Gesundheitswesen Schwedens liegt die Verantwortung für die Finanzierung und die Durchführung von Gesundheitsleistungen in der Hand der einzelnen Gesundheitsregionen. Darüber hinaus gibt es nationale Priorisierungsleitlinien, die Ärzten, Klinikverwaltungen und Regionalpolitikern bewusste Schwerpunktsetzungen in der Patientenversorgung ermöglichen“, erklärt Professor Nils Wilking vom Karolinska Institut in Stockholm. Beim DKK wird Nils Wilking im Rahmen eines Symposiums zur Priorisierung zum Thema ‚Resource Allocation in Health Care – the Swedish Model“ sprechen.

Der DKK 2012
Unter dem Motto „Qualität sichern – Forschung fo(e)rdern“ findet der nächste Deutsche Krebskongress vom 22. bis zum 25. Februar 2012 im Berliner ICC statt; er ist der größte und älteste onkologische Fachkongress im deutschsprachigen Raum. Wie schon bei früheren Kongressen werden auch dieses Mal wieder mehrere Tausend Besucher aus dem In- und Ausland erwartet.

Pressemitteilung der Deutschen Krebsgesellschaft e.V.
Dr. Katrin Mugele, Pressestelle der Deutschen Krebsgesellschaft e. V., Straße des 17. Juni 106-108, 10623 Berlin, Tel.: 030 / 810 316 160, Fax: 030 / 810 316 111, eMail: presse@krebsgesellschaft.de
02.11.2011
22.06.2017, 11:21 | tsc
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