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  • Thomas Schönemann

DIVI-Kongress 2015

Krankenhausinfektionen: Erfolgreicher gegen gefährliche Keime

© Foto: AOK-Mediendienst
© Foto: AOK-Mediendienst

Schon seit rund zwei Milliarden Jahren steuern winzig kleine Mikroben das Leben auf unserem Planeten. Auf und in jedem Menschen tummeln sich rund 100 Billionen Bakterien, alleine 4.000 Arten siedeln im Darmtrakt. Viele dieser Keime sind enorm wichtig, sie unterstützen das Immunsystem und sorgen für die Aufspaltung von Nahrung. Doch einige wenige Arten können für den Menschen auch zu einer Gefahr werden.

Etwa 500.000 Menschen entwickeln hierzulande jedes Jahr eine Krankenhausinfektion. Bei den meisten handelt es sich um Infektionen mit den Erregern der eigenen Bakterienflora.

Die Zahl der Erkrankungen durch multiresistente Erreger wird auf 30 000 geschätzt. Vor allem auf Intensivstationen droht dabei Lebensgefahr. „Einen perfekten Schutz gibt es zwar nicht“, sagt Professorin Petra Gastmeier, die das Institut für Hygiene- und Umweltmedizin an der Berliner Charité leitet. „Aber es gibt geeignete Maßnahmen, um die Zahl der Infektionen deutlich zu verringern.“

Die Gefahr durch Keime oder nosokomiale Infektionen, wie der Fachbegriff heißt, hat in den letzten Jahren zugenommen, weil die wichtigste Waffe gegen die Bakterien, die Antibiotika, immer häufiger keine Wirkung mehr zeigt. Obwohl die Zahlen langsam sinken, handelt es sich in den meisten Fällen immer noch um Infektionen mit dem Methillicin-resistenten Staphylococcus aureus, kurz MRSA genannt. Er kann schwere und sogar tödliche Infektionen verursachen. Sorgen bereiten derzeit aber auch so genannte 4MRGN-Erreger, bei denen die vier wichtigsten Antibiotikaklassen, die normalerweise für ihre Therapie zum Einsatz kommen, nicht mehr wirken. „Sie kommen im östlichen Mittelmeerraum, in Nordafrika und in Südostasien vor“, sagt die Expertin. „Touristen, die diese Länder bereist haben und dort ein Krankenhaus aufsuchen mussten, können diesen Keim ins sich tragen. Wenn diese Patienten in eine Klinik kommen, müssen deshalb alle Vorkehrungen getroffen werden, um eine mögliche Ausbreitung zu verhindern.“

Wichtig ist eine gute Anamnese. Sobald der Verdacht besteht, dass ein Patient den Erreger in sich trägt, muss ein Abstrich für das Labor gemacht werden. Das fordern auch die Leitlinien. „Zudem empfiehlt es sich, Betroffene auf Intensivstationen in einem Einzelzimmer unterzubringen sowie eine Eins-zu-Eins-Pflege zu ermöglichen“, sagt Professor Gastmeier. „Natürlich ist es ein enormer Arbeitsaufwand, wenn sich um jeden Intensivpatienten eine eigene Pflegekraft kümmert. Oft fehlt dafür das Personal. Manchmal ist nur eine Eins-zu-Drei- oder gar Eins-zu-Vier-Pflege möglich und das erhöht natürlich die Gefahr, dass der Erreger sich ausbreitet. Hier gibt es also Handlungsbedarf.“ Darüber hinaus sind konsequent eingehaltene Hygienemaßnahmen von entscheidender Bedeutung. Sowohl das medizinische Personal als auch Besucher müssen sich unbedingt die Hände desinfizieren. Auf 95 Prozent aller Intensivstationen ist das problemlos möglich, weil entsprechende Desinfektionsmittelspender patientennah vorhanden sind.

Mehr als 900 Intensivstationen beteiligen sich am Krankenhaus-Infektions-Surveillance-System (KISS). Die bislang gelieferten Daten zur Epidemiologie haben schon zu weiteren Präventionsmaßnahmen geführt, wie beispielsweise der täglichen Ganzkörperwaschung mit antiseptischen Substanzen der Intensivpatienten.

DIVI-Kongress 2015 „Qualität trifft Ökonomie“
Der DIVI-Kongresses 2015 findet seit gestern bis morgen noch im CCL Congress Center in Leipzig statt. Die Themen „Krankenhauskeime“, „Kinderintensivstation“ und „Zentrale Notaufnahme“ sind Schwerpunkte des heutigen Pressegespräches.

Kongresspräsident Prof. Andreas Seekamp erklärt das diesjährige Motto „Qualität trifft Ökonomie“: „Obwohl es Ärzten in erster Linie um das Patientenwohl geht, sind sie einem zunehmenden ökonomischen Druck ausgesetzt. Es ist ein stetiger Balanceakt, dabei nicht die Qualität bei der Patientenversorgung zu gefährden. Dieses Jahr setzen wir uns intensiv mit diesem Spannungsfeld auseinander. Ich hoffe, wir gelangen gemeinsam zu der Erkenntnis, dass der medizinische Fortschritt dennoch weiterhin durch Qualität getragen werden muss. Nur so lässt sich langfristig auch Wirtschaftlichkeit garantieren. Glaubt man dagegen allein an den Segen der Wirtschaftlichkeit, bleibt die Qualität auf der Strecke.“

In Anbetracht der 15. Veranstaltung kann man von einem kleinen Jubiläum sprechen. Ein Grund für das wachsende Interesse an der DIVI insgesamt ist, dass Medizin heute mehr als je zuvor interdisziplinär betrieben wird und die Notfall- und Intensivmedizin dafür ein Paradebeispiel darstellt.

Mehr als 500 Vorträge und 40 verschiedene praktische Workshops stehen in den drei Tagen auf dem Programm. Außerdem kann sich das Fachpublikum in Live- Demonstrationen z.B. über Intensiv-Telemedizin informieren oder an Führungen durch eine neonatologische Intensivstation teilnehmen.

DIVI weltweit einzigartig

Die 1977 gegründete DIVI ist ein weltweit einzigartiger Zusammenschluss von mehr als 2.000 Anästhesisten, Neurologen, Chirurgen, Internisten, Kinder- und Jugendmedizinern sowie Fachkrankenpflegern und entsprechenden Fachgesellschaften: Ihre fächer- und berufsübergreifende Zusammenarbeit und ihr Wissensaustausch machen im Alltag den Erfolg der Intensiv- und Notfallmedizin aus. Insgesamt bündelt die DIVI damit das Engagement von mehr als 30 Fachgesellschaften und persönlichen Mitgliedern.

Die Experten der DIVI:

  • Professor Petra Gastmeier ist Leiterin des Instituts für Hygiene- und Umweltmedizin an der Berliner Charité.
  • Professor Christof Dame ist Mitglied der DIVI und stellvertretender Direktor der Klinik für Neonatologie am der Berliner Charité.
  • Professor Andreas Seekamp ist diesjähriger Kongresspräsident sowie Sprecher der DIVI-Sektion „Interdisziplinäre Notaufnahme“ und Direktor der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel.

Weitere Informationen:

http://www.divi2015.de
Webseite des 15. Kongresses der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI)

http://www.divi.de
Webseite der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI)

Larissa Vogt, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin e.V.
Larissa Vogt, Tel.: 030 / 4000 5635, Fax: 030 / 4000 5637, eMail: pressestelle@divi-org.de
03.12.2015
22.06.2017, 11:21 | tsc
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