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Mitteldeutsche Sepsis Allianz

Qualitätsoffensive gegen Sepsis ausbauen

Prof. Dr. Konrad Reinhart, Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie am Universitätsklinikum Jena. © Foto: UKJ
Prof. Dr. Konrad Reinhart, Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie am Universitätsklinikum Jena. © Foto: UKJ

Bereits seit 2012 engagieren sich 44 Akut- und Rehakliniken aus Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Bayern in dem für Deutschland einzigartigen Netzwerk der „Mitteldeutschen Sepsis Allianz“ (MSA). Initiiert vom Center for Sepsis Control and Care (CSCC) des Universitätsklinikums Jena (UKJ) haben sich diese Kliniken mit dem Ziel zusammengeschlossen, alle Möglichkeiten zur Vorbeugung, Früherkennung, Akut- und Nachbehandlung von Krankenhausinfektionen und Sepsis zu nutzen.

Im Zeitraum von 2011 bis 2013 stieg in Deutschland die Zahl der Todesfälle bei Sepsis von 50.000 auf 75.000, das heißt die Sterblichkeit blieb unverändert bei etwa 30 Prozent. Auch in anderen Industrienationen steigt die Zahl der Fälle. Mit nationalen Qualitätsoffensiven ist es jedoch in einigen Ländern gelungen, die Sterblichkeit drastisch zu reduzieren.

Bisher sind in Deutschland weniger als ein Prozent der sepsisbedingten Todesfälle durch multi-resistente Infektionserreger verursacht. Die Zahl von Erregerausbrüchen mit solchen Keimen nehme jedoch zu: „Mit dem Schritt, eine Qualitätsverbesserungsinitiative zur Sepsis zu gründen, nimmt Mitteldeutschland national und international eine Vorreiterrolle ein“, betont Prof. Dr. Konrad Reinhart, Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie am Universitätsklinikum Jena und Sprecher der MSA. Er weist darauf hin, dass die MSA eine Eigeninitiative von Ärzten, verantwortungsbewussten Krankenhäusern und ihrer Verbände ist und unterstreicht angesichts dieser scheinbar unaufhaltsamen Entwicklung erneut die Forderung nach einem nationalen Aktionsplan gegen Sepsis. Mit der Umsetzung dieses Aktionsplans können laut Prof. Reinhart jährlich etwa 15.000 bis 20.000 Sepsistote verhindert werden.

Vorgestellt werden auf der Veranstaltung am 29. April auch die Studienergebnisse der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten MEDUSA Studie des CSCC, an der sich deutschlandweit 43 Kliniken beteiligt haben. Die Ergebnisse dieser Studie bestätigen, dass allein durch frühes Erkennen und schnelles Behandeln in Deutschland jährlich 8.000 bis 10.000 Sepsispatienten gerettet werden können.

Um diesem Ziel näher zu kommen und die Qualität der Versorgung von Sepsispatienten in der Akut- und Rehabilitationsphase zu verbessern, werden auf der Veranstaltung der MSA und der MEDUSA-Studiengruppe innovative Qualitätsverbesserungsprojekte vorgestellt. In einem dieser Projekte vergleichen Kliniken aus Mitteldeutschland die Ergebnisse ihrer Qualitätsinitiative zur Senkung der Sepsissterblichkeit mit der von Krankenhäusern in anderen Modellregionen.

Durch die Eröffnung einer Postsepsisambulanz am UKJ und dem Aufbau einer Mitteldeutschen Sepsiskohorte mit Patienten aus Bad Berka, Erfurt, Halle, Jena, Kreischa und Leipzig soll auch die Nachbehandlung von Patienten, die eine Sepsis überlebt haben auf eine neue Stufe gehoben werden. Durch Förderung des BMBF und einer großzügigen Zuwendung des privaten Kurt Goldstein Instituts aus Kreischa stehen für den Aufbau einer Mitteldeutschen Sepsiskohorte, im Rahmen derer Sepsisüberlebende über Jahre nachbetreut und nachuntersucht werden können, die hierzu nötigen Mittel zur Verfügung.

Veranstaltung 29. April 2015: Rosensäle Jena 11-17.00 Uhr

Kontakt:

Prof. Dr. Konrad Reinhart
Center for Sepsis Control and Care
Universitätsklinikum Jena
Tel.: 03641 – 9323101 oder 01717535823
eMail: konrad.reinhart@med.uni-jena.de
Website: http://www.world-sepsis-day.org/Memorandum.pdf


Hintergrund:

Sepsis ist ein lebensbedrohlicher Zustand, der auftritt, wenn die eigenen Gewebe und Organe durch die körpereigene Antwort auf eine Infektionserkrankung geschädigt werden. In der Folge kann ein multiples Organversagen und Kreislaufversagen/Schock zum Tod führen. Jede Verzögerung der Therapie verschlechtert die Überlebenschancen. Deshalb ist Früherkennung so wichtig. Allen Fortschritten bei Impfungen, Antiinfektiva und intensivmedizinischen Verfahren zum Trotz ist und bleibt Sepsis weltweit die Hauptursache für tödlich verlaufende Infektionserkrankungen. Jedes Jahr sterben daran weltweit etwa acht Millionen Menschen an einer Sepsis, in Deutschland sind es mehr als 200 Patienten pro Tag.

Die Mitteldeutsche Sepsis Allianz ist eine Initiative des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Center for Sepsis Control and Care (CSCC) am Universitätsklinikum Jena (UKJ).

Die Forschungsschwerpunkte des CSCC befassen sich mit allen Aspekten der Sepsis: von der Prävention und Diagnostik über die intensivmedizinische Versorgung bis hin zur Rehabilitation. Gleichzeitig werden neue Strukturen geschaffen, um die patientenorientierte, klinische Spitzenforschung zu stärken und deren Qualität zu erhöhen sowie wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern. Mediziner und Naturwissenschaftler aller Karrierestufen arbeiten mit vielen Kliniken und Instituten des UKJ interdisziplinär zusammen, dabei profitieren sie aber auch von der engen Vernetzung des CSCC mit anderen Jenaer Forschungseinrichtungen.

Fakten zur Sepsis auf einen Blick:

  • Prognose: Anstieg der Sepsisfälle von 175.000 auf 250.000
  • Wachsende Bedrohung durch multiresistente Erreger
  • Ausbau von Qualitätsinitiativen dringend erforderlich
  • Nachbehandlungskonzepte für Überlebende sind bislang nicht ausreichend
Pressemitteilung, Universitätsklinikum Jena
Prof. Dr. Konrad Reinhart, Center for Sepsis Control and Care, Universitätsklinikum Jena, Tel: 03641 – 9323101 oder 01717535823, eMail: konrad.reinhart@med.uni-jena.de
28.04.2015
22.06.2017, 11:21 | dre
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