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ASCO 2015

Neue Daten zur Behandlung des Weichteilsarkoms

Impressionen vom ASCO 2015. © Foto: krebs-nachrichten.de
Impressionen vom ASCO 2015. © Foto: krebs-nachrichten.de

Eine Phase-III-Zulassungsstudie (Studie 309) zu Eribulin[1] für Patienten mit Liposarkom und Leiomyosarkom (zwei der häufigsten Formen des Sarkoms) wurde beim ASCO-Kongress 2015 vorgestellt. Bei der Studie wurde das primäre Ziel - der Nutzen im Hinblick auf das Gesamtüberleben (OS) unter Eribulin im Vergleich zu Dacarbazin - erreicht.

Das mediane Gesamtüberleben für Eribulin lag bei 13,5 Monaten gegenüber 11,5 Monaten für Dacarbazin. Dies stellt einen signifikanten Nutzen dar (HR = 0,768; 95% Kl 0,618-0,954; p=0,017) und bedeutet, dass das Sterberisiko der mit Eribulin behandelten Patienten um 23 % reduziert werden konnte.[2]

Diese Daten wurden im Rahmen einer Vortragsreihe bei der 51. Jahreskonferenz der American Society of Clinical Oncology (Abstract Nr. LBA10502) vorgestellt.[2]

Studie 309 ist eine randomisierte, offene, multizentrische Phase-III-Studie, in der an 452 Patienten im Alter von mindestens 18 Jahren die Wirksamkeit und Sicherheit von Eribulin mit der von Dacarbazin verglichen wird. Die in die Studie aufgenommenen Patienten litten an Leiomyosarkomen oder Liposarkomen. Patienten mit lokal fortgeschrittenen oder rezidivierenden und metastasierenden Weichteilsarkomen mit Krankheitsprogression nach Standardtherapien mussten ausserdem mit einem Anthrazyklin und mindestens einem anderen zusätzlichen Therapieregime behandelt worden sein.[1]

Ein weiterer Studienendpunkt war das progressionsfreie Überleben (PFS) nach zwölf Wochen. Zwar gab es einen numerischen Unterschied zwischen den Behandlungsarmen zugunsten von Eribulin (33 % vs. 29 %), doch war dieser statistisch nicht signifikant. Das mediane PFS lag in beiden Behandlungsarmen bei 2,6 Monaten.

"Hierbei handelt es sich um die bisher einzige randomisierte, kontrollierte Studie, bei der eine systemische Monotherapie durchgeführt wird, um bei Patienten, die zuvor in diesem Stadium eines Weichteilsarkoms behandelt wurden, eine Verbesserung des Gesamtüberlebens nachzuweisen. Die Studienpopulation besteht aus einer Hochrisikogruppe von Patienten mit Komorbiditäten, einer Vorbehandlung mit mehreren Arzneimitteln und einer mässigen bis hohen Tumormalignität. Daher stehen diese Ergebnisse für einen wichtigen Durchbruch bei dieser Erkrankung", so Patrick Schöffski, Leiter des Department of General Medical Oncology, Universitätskliniken Leuven, Leuven, Belgien.

"Wir sind stolz darauf, dass diese wichtige Studie von Eisai initiiert wurde, insbesondere, da Weichteilsarkome selten und schwer zu behandeln sind. Eribulin wurde von Eisai entdeckt und entwickelt, und wir freuen uns, dass die Untersuchungen zu diesem Arzneimittel nun in eine neue Richtung gehen und möglicherweise für Menschen, die an Weichgewebesarkomen erkrankt sind, einen Nutzen ergeben", kommentiert Alton Kramer, Deputy President, Global Head Clinical Development, Oncology PCU.

Weichteilsarkome sind eine Krebsart, die sich aus Zellen des weichen Stützgewebes im Körper bilden, z. B. Fett, Muskeln, Nerven, Bindegewebe und Blutgefässen.[3] Das Leiomyosarkom ist einer der häufigeren Sarkomtypen bei Erwachsenen. Es entwickelt sich aus sogenannten "glatten Muskelzellen" und kann überall im Körper entstehenben.[3] Liposarkome (adipozytische Sarkome) bilden sich aus Fettzellen und können ebenfalls überall im Körper auftreten. Leiomyosarkome und Liposarkome machen etwa 30 % aller Weichgewebesarkome aus.[4]

Zwar sind Weichteilsarkome relativ selten, jedoch besteht ein medizinischer Bedarf, weil die Patienten häufig nicht auf die Behandlung ansprechen und daher eine schlechte Prognose haben.[9] In Europa wird jährlich bei etwa 29.000 Patienten ein Weichteilsarkom diagnostiziert.[5] In den Vereinigten Staaten werden dieses Jahr etwa 11.930 Fälle eines Weichteilsarkoms festgestellt werden.[6] Etwa 2 000 Fälle eines Weichteilsarkoms werden pro Jahr in Japan diagnostiziert.[7],[8]

"Studie 309 ist die zweite Phase-III-Studie, bei Eribulin als Monotherapie bei einem bestimmten Tumortyp zu einem Vorteil im Hinblick auf das Gesamtüberleben führte. Wir sind stolz auf unsere fortdauernden Forschungsarbeiten, die den Nutzen verfügbarer Therapien erweitern und Therapielücken schliessen, insbesondere bei Patienten mit seltenen Krebserkrankungen innerhalb des gesamten Spektrums der Onkologie", sagt Kenichi Nomoto, Präsident der Oncology Product Creation Unit bei Eisai Inc.

Eribulin zeigte ein Toxizitätsprofil, das mit bereits früher erhaltenen Ergebnissen übereinstimmte, ohne unerwartete oder neue Befunde zur Sicherheit. In dieser Studie waren die häufigsten im Eribulin-Arm beobachteten unerwünschten Ereignisse Neutropenie, Müdigkeit, Übelkeit, Alopezie und Verstopfung.[1]

Eisai plant, in der ersten Hälfte des Geschäftsjahrs 2015 Zulassungsanträge bei den Behörden zahlreicher Länder, einschliesslich der USA, Europa und Japan, einzureichen, um die Indikationen für Eribulin zu erweitern und Weichteilsarkome einzuschliessen.

Eisai widmet sich der Erforschung, Entwicklung und Bereitstellung innovativer onkologischer Therapien, die einen Unterschied im Leben der Patienten und ihrer Familien bewirken können. Dieses Engagement für die Menschen ist Teil von Eisais Unternehmensphilosophie human health care (hhc), die zum Ziel hat, ein besseres Verständnis der Bedürfnisse von Patienten und ihren Familien zu entwickeln und so den Nutzen der Gesundheitsversorgung zu steigern.

Weichteilsarkome

"Weichteilsarkom" ist ein Sammelbegriff für verschiedene Gruppen maligner Tumoren.

Das Leiomyosarkom ist einer der häufigeren Sarkomtypen bei Erwachsenen. Es hat seinen Ursprung in einer bestimmten Art von Muskelgewebe, der sogenannten glatten Muskulatur. Die glatte Muskulatur arbeitet unwillkürlich, das heisst, sie kann nicht bewusst gesteuert werden. Sie findet sich in den Wänden von muskulären Organen wie dem Herzen und dem Magen sowie in den Wänden von Blutgefässen im gesamten Körper. Das bedeutet, dass sich Leiomyosarkome überall im Körper bilden können. Häufige Entstehungsorte sind die Wände der Gebärmutter (Uterus), der Rumpf sowie Arme und Beine.[3]

Liposarkome (adipozytische Sarkome) entstehen aus Fettzellen und können ebenfalls überall im Körper auftreten. Die Inzidenz ist bei Männern doppelt so hoch wie bei Frauen.[6] Leiomyosarkome und Liposarkome machen etwa 30 % aller Fälle von Weichgewebesarkomen aus.[4]

Die jährliche Inzidenz von Weichteilsarkomen beträgt weltweit etwa 50 Fälle pro eine Million Personen. Im Gegensatz zu anderen Krebsformen, wie dem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC), werden Weichteilsarkome meist als lokal auftretende Tumoren diagnostiziert, die sich häufig durch eine Operation vollständig entfernen lassen. Es können jedoch Rückfallraten von bis zu 50 Prozent erreicht werden.[9] Für Patienten mit fortgeschrittener Krankheit sind die Aussichten schlecht: Das mediane Überleben beträgt etwa ein Jahr oder weniger. Aufgrund der Seltenheit dieser Tumoren liegen nur und wenig aussagekräftige und bisher nicht ausreichend verstandene Daten zu den prognostischen Faktoren vor.[10]

Eribulin

Eribulin ist der erste Vertreter aus der Klasse der Halichondrine, bei denen es sich um Inhibitoren der Mikrotubuli-Dynamik mit neuartigem Wirkmechanismus handelt. Eribulin ist eine vereinfachte und synthetisch hergestellte Version von Halichondrin B, einer natürlichen Verbindung, die aus dem Meeresschwamm Halichondria okadai isoliert wird. Es wird angenommen, dass Eribulin die Mikrotubuli-Dynamik in der Wachstumsphase hemmt und so die Zellteilung verhindert.

Eribulin ist indiziert für die Behandlung von Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs, bei denen nach mindestens einer Chemotherapie zur Behandlung einer fortgeschrittenen Brustkrebserkrankung eine weitere Progression eingetreten ist. Die Vortherapien sollen ein Anthrazyklin und ein Taxan entweder als adjuvante Therapie oder im Rahmen der Metastasenbehandlung enthalten haben, es sei denn, diese Behandlungen waren ungeeignet für den Patienten.[11]

Die weltweite klinische Phase-III-Studie 309[1]

Studie 309 ist eine multizentrische, randomisierte, offene Phase-III-Studie zum Vergleich der Wirksamkeit und Sicherheit von Eribulin und Dacarbazin bei Erwachsenen mit einem von zwei Unterformen des Weichteilsarkoms (adipozytisches Sarkom oder Leiomyosarkom), die zuvor mit einem Anthrazyklin und nach Versagen der Anthrazyklin-Therapie mit mindestens zwei weiteren Regimes behandelt worden waren.

Der primäre Endpunkt der Studie bestand im Vergleich des Gesamtüberlebens zwischen den beiden Behandlungsarmen. Weitere Endpunkte umfassten das progressionsfreie Überleben und die Lebensqualität.[1]

Die aufgenommenen Patienten waren greater than or equal to 18 Jahre alt und litten an einem fortgeschrittenen hoch- oder mittelgradigen Leiomyosarkom oder entdifferenzierten, myxoiden rundzelligen oder pleomorphen Varianten des adipozytischen Sarkoms, die durch Operationen und/oder Radiotherapie nicht heilbar waren. Der ECOG-Status der Teilnehmer betrug less than or equal to 2 und sie waren bereits mit greater than or equal to 2 systemischen Standard-Therapieregimes behandelt worden, unter anderem mit einem Anthrazyklin. Die Patienten wurden im Verhältnis 1:1 der Behandlung mit Eribulin (1,4 mg/m2 i.v. an Tag 1 und Tag 8) oder mit Dacarbazin (850-1200 mg/m2 i.v. an Tag 1) alle 21 Tage bis zur Krankheitsprogression randomisiert.

Insgesamt wurden 452 Patienten (67 % weiblich; 79 % < 65 Jahre) randomisiert (228 Eribulin; 224 Dacarbazin). Das mediane Gesamtüberleben betrug für Eribulin und Dacarbazin 13,5 bzw. 11,5 Monate (HR = 0,768, 95%-KI: 0,618-0,954; P = 0,017). Das progressionsfreie Überleben (PFS) betrug in beiden Behandlungsarmen 2,6 Monate (HR = 0,877, 95%-KI: 0,710-1,085; P = 0,229). Die PFS-Rate lag in Woche 12 für Eribulin bei 33 % und für Dacarbazin bei 29 %. Das Toxizitätsprofil von Eribulin stimmte mit bereits früher erhaltenen Ergebnissen überein, ohne unerwartete oder neue Befunde zur Sicherheit. In dieser Studie waren die im Eribulin-Arm am häufigsten beobachteten unerwünschten Ereignisse Neutropenie, Müdigkeit, Übelkeit, Alopezie und Verstopfung, die dem für Eribulin bekannten Nebenwirkungsprofil entsprechen.

Eisai in der Onkologie

Basierend auf unserer wissenschaftlichen Expertise setzen wir uns für sinnvolle Innovationen in der Krebsforschung ein. Dabei kommt uns die Möglichkeit zugute, Forschungsarbeiten und präklinische Forschung global durchführen zu können, sowie kleine Moleküle, therapeutische Impfstoffe, biologische Wirkstoffe und die Therapie unterstützende Pflegemittel für Krebserkrankungen mit unterschiedlichen Indikationen zu entwickeln.

Über Eisai Co., Ltd.

Eisai ist ein führendes weltweit operierendes, forschungs- und entwicklungsorientiertes (F&E) Pharmaunternehmen mit Hauptsitz in Japan. Eisai hat sein Unternehmensleitbild wie folgt definiert: Im Mittelpunkt stehen die Patienten und ihre Angehörigen sowie die Verbesserung der Gesundheitsfürsorge - wir nennen dies unsere "human health care (hhc)"-Philosophie. Mit mehr als 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in unserem weltweiten Netzwerk von Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen, Produktionsstätten und Vertriebsniederlassungen arbeiten wir an der Verwirklichung unserer hhc-Philosophie, indem wir innovative Produkte in verschiedenen therapeutischen Bereichen anbieten, in denen ein hoher ungedeckter medizinischer Bedarf besteht, wie etwa der Onkologie und der Neurologie.

Als global operierendes pharmazeutisches Unternehmen engagieren wir uns gemäss unseres Unternehmensleitbilds für Patienten überall auf der Welt - durch Investitionen und Beteiligungen an partnerschaftlichen Initiativen zur Verbesserung des Zugangs zu Arzneimitteln in Entwicklungs- und Schwellenländern. Weitere Informationen zu Eisai Co., Ltd. finden Sie unter http://www.eisai.com

Literatur

  1. Clinicaltrials.gov https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT01327885 ?term=halaven+soft+tissue+sarcoma&rank=2 Accessed: May 2015
  2. Schöffski P et al. Randomized, open-label, multicenter, phase 3 study of eribulin versus dacarbazine in patients (pts) with leiomyosarcoma (LMS) and adipocytic sarcoma (ADI). American Society of Clinical Oncology annual meeting 2015; Abstract #LBA10502
  3. Macmillan. What are soft tissue sarcomas? http://www.macmillan.org.uk/Cancerinformation/Cancertypes/Softtissuesarcomas/Aboutsofttissuesarcomas/Softtissuesarcomas.aspx . Accessed: May 2015
  4. Cancer Research UK, Soft Tissue Sarcoma Incidence Statistics: http ://www.cancerresearchuk.org/cancer-info/cancerstats/types/soft-tissue -sarcoma/incidence Accessed: May 2015
  5. ESMO Guidance: http://annonc.oxfordjournals.org/content/25/suppl_3 /iii102.full.pdf+html Accessed: May 2015
  6. National Cancer Institute http://www.cancer.gov/cancertopics/pdq/t reatment/adult-soft-tissue-sarcoma/HealthProfessional/page1 . Accessed May 2015
  7. Matsuda S., et al. Soft-Tissue Sarcoma Surveillance Counterpoint: Japan. Current Clinical Oncology. 2013; 233-34
  8. H. Tsujii, et al. Carbon-Ion Radiotherapy: Principles, Practices, and Treatment Planning. Springer. 2014; (XII)312:37
  9. R. Pollock. Soft Tissue Sarcomas: A Volume in the American Cancer Society Atlas of Clinical Oncology Series. 2012
  10. Fletcher et al. World Health Organization Classification of Tumours of Soft Tissue and Bone (4th Edition). Lyon: IARC Press, 2013.
  11. SPC Halaven (updated June 2014). Available at: http://www.medicines.org.uk/emc/medicine/24382/SPC/Halaven+0.44+mg+ml+solution+for+injection Accessed: May 2015

Transparenz: Unsere komplette Berichterstattung vom ASCO 2015 wurde erst aufgrund der Übernahme der Reisekosten durch SIRTeX möglich.

Pressemitteilung Eisai
Cressida Robson / Charlotte Andrews, Eisai Europe Ltd., Tel.: +44(0)7908-314-155 / +44(0)7947-231-513, eMail: Cressida_Robson@eisai.net, Charlotte_Andrews@eisai.net
30.05.2015
22.06.2017, 11:21 | tsc
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