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13. Kongress der DIVI e.V.

Optimale Patientenbetreuung bei weniger Kosten: Telemedizin aus Sicht der DIVI

Handy. © Foto: Robert Müller / pixelio.de
Handy. © Foto: Robert Müller / pixelio.de

Tablets in der Klinik, Visiten via Skype, Smartphones für Patienten – die Telemedizin erobert deutsche Krankenhäuser. Noch stehen viele Ärzte der modernen Technik skeptisch gegenüber. Doch schon jetzt steht fest: Sie kann vieles erleichtern. Vor allem auf Intensivstationen, wo es oft auf Sekunden ankommt und wo es wichtig ist, das Richtige zu tun, kann der schnelle Draht zum Doktor Leben retten.

Welche Vorteile die Telemedizin bietet, war Thema des heutigen Pressegesprächs anlässlich des 13. Kongresses der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) e.V., der vom 04.-06.12.2013 im Congress Center Leipzig stattfindet.

Schwerkranke Patienten optimal versorgen und gleichzeitig Kosten sparen – das scheint ein Widerspruch in sich. Denn Zeit und Personal sind die wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche intensivmedizinische Behandlung. „Intensivpatienten verursachen durchschnittlich sechsfach höhere Kosten als Patienten auf einer normalen Station“, erklärte Professor Gernot Marx, der diesjährige Kongresspräsident. „Gerade für kleine Krankenhäuser wird es immer schwieriger, das erforderliche medizinische Niveau zu erbringen und die ressourcenaufwendige Versorgung auf der Intensivstation sicherzustellen. Die Errungenschaften der modernen Telemedizin können hier einen wertvollen Beitrag leisten und haben enormes Potential.“ Mehrere internationale Studien und zahleiche Projekte in den USA konnten belegen, dass die Sterblichkeitsrate bei Intensivpatienten durch ergänzende telemedizinische Maßnahmen um bis zu 50 Prozent gesenkt werden können. Außerdem verbesserte sich die Langzeit-Lebensqualität.

„Bezüglich der Kosten wirkt sich positiv aus, dass Patienten die Intensivstation früher verlassen können und auch insgesamt ihre Verweildauer im Krankenhaus gesenkt werden kann“, so der Kongresspräsident, der auch Direktor der Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care der Uniklinik RWTH Aachen ist. „Keine andere pharmakologische oder technische Innovation der letzten 20 Jahre lieferte ein auch nur annähernd beeindruckendes medizinisches und wirtschaftliches Ergebnis.“

Möglich macht das die Einhaltung der Standards, mit denen Komplikationen wie Blutvergiftungen, Lungenentzündungen oder Herz-Kreislauf-Probleme vermieden werden können. Die Telemedizin erlaubt die permanente Beobachtung durch einen Intensivmediziner, auch wenn er nicht vor Ort ist. „Natürlich ist für die Übertragung der wesentlichen Vitaldaten des Patienten in Echtzeit eine gewisse technische Ausstattung nötig“, sagte Professor Marx. „Durch die starke Nachfrage und den allgemeinem Trend zu offenen Schnittstellen dürfte sich das zukünftig deutlich günstiger gestalten.“

Ein weiteres aktuelles Thema des Pressegesprächs war der Pflegenotstand auf Intensivstationen. „Nur mit einer entsprechenden personellen Ausstattung ist es möglich, die Versorgung kritisch kranker Patienten zu gewährleisten“, äußerte dazu Professor Elke Muhl, Präsidentin der DIVI. „Wir haben deshalb einen Katalog mit Empfehlungen für Intensivstationen erstellt, der konsequent umgesetzt werden sollte.“ Eine der wichtigsten Forderungen: Jede Intensivstation muss durch einen Arzt geleitet werden, der die Zusatzbezeichnung Intensivmedizin besitzt und auch hauptamtlich auf der Intensivstation tätig ist. „Der Anteil an qualifizierten Intensivpflegekräften sollte mindestens 30 Prozent des Pflegeteams der Intensivtherapieeinheit betragen“, ergänzte die Expertin, die auch Intensivmedizinerin und Oberärztin der Chirurgie am Uniklinikum Schleswig-Holstein in Kiel ist. „Dazu ist es natürlich wichtig, die Arbeitsplätze in der Intensivmedizin attraktiv zu machen und das Personal nicht zu überlasten, um langfristig Fachkräfte in der Intensivmedizin zu halten und neue zu gewinnen.

Dritter Teilnehmer des Pressegesprächs war Hartwig Gauder. Der Weltmeister und Olympiasieger im 50-km-Gehen ist Schirmherr des diesjährigen DIVI Charity Laufes, der zum Rahmenprogramm des DIVI13 gehört. Der Erlös dieser Veranstaltung kommt der Organisation Kinderhilfe Organtransplantation – Sportler für Organspende e.V., kurz KiO, zugute. „Mehr als 100 Olympiasieger, Welt- und Europameister leisten seit 2004 diese so wichtige Aufklärungsarbeit für die lebensrettende Idee der Organspende“, sagte der frühere Spitzensportler, der selbst Träger eines Spenderherzens ist. Die Probleme von Familien mit Kindern vor und nach einer Organtransplantation sind kompliziert und bedrohen oft Existenzen. „KiO ist das einzige übergreifende deutsche Hilfswerk und schließt eine Versorgungslücke“, so der Olympiasieger. „Dieser gemeinnützige und mildtätige Verein unterstützt Familien mit Kindern, die eine Organspende erhalten haben.“

DIVI Kongress 2013 vom 04.-06.12.2013 im Congress Center Leipzig
Das Motto lautet in diesem Jahr „Innovation trifft Kompetenz“. Dazu Professor Gernot Marx: „Die Innovation in der Intensiv- und Notfallmedizin ist geprägt von einer sprudelnden Vielfalt und spannt den Bogen von der Telemedizin bis zur psychologischen Langzeitbetreuung von Patienten und Angehörigen. Wir freuen uns darauf, diese und andere Themen in Theorie und Praxis ausgiebig zu erörtern.“

DIVI weltweit einzigartig
Die 1977 gegründete DIVI ist ein weltweit einzigartiger Zusammenschluss von mehr als 2000 Anästhesisten, Neurologen, Chirurgen, Internisten, Kinder- und Jugendmedizinern sowie Fachkrankenpflegern und entsprechenden Fachgesellschaften: Ihre fächer- und berufsübergreifende Zusammenarbeit und ihr Wissensaustausch machen im Alltag den Erfolg der Intensiv- und Notfallmedizin aus. Insgesamt bündelt die DIVI damit das Engagement von mehr als 30 Fachgesellschaften und persönlichen Mitgliedern.

Die Experten der DIVI:
Professor Gernot Marx ist Gründungsmitglied der Sektion Systemische Inflammation und Sepsis bei der DIVI. Er arbeitet als Direktor der Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care am Universitätsklinikum der RWTH Aachen.
Professor Elke Muhl ist Präsidentin der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) sowie Intensivmedizinerin und Oberärztin in der Chirurgie am Universitätsklinikum Schleswig Holstein/Campus Lübeck.

Larissa Vogt, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin e. V.
Larissa Vogt
, Pressesprecherin,
 Luisenstraße 45,
 10117 Berlin,
 Tel.: 0173 / 6194422
, eMail: pressestelle@divi-org.de
05.12.2013
22.06.2017, 11:21 | tsc
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