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Palliativtag der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin

Wenn der Arzt auf den Patienten hören muss

In Gedanken. © Foto: Petra Bork / pixelio.de
In Gedanken. © Foto: Petra Bork / pixelio.de

In der Palliativmedizin ist vieles anders: Wenn die Medizin nicht mehr heilen, sondern nur noch Schmerzen nehmen und die letzte Lebensphase begleiten kann, wird der Patient zum Lotsen durch diese schwierige Zeit. Unter dem Motto „Lotse werden“ findet am 20. und 21. September 2013 in der Rostocker Stadthalle der diesjährige Palliativtag statt.

Über 800 Teilnehmerinnen und Teilnehmer – Ärzte, Pflegekräfte, Angehörige weiterer Berufsgruppen aus der palliativmedizinischen Versorgung, Ehrenamtliche sowie Interessierte aus dem gesamten Bundesgebiet – werden erwartet. Das Programm umfasst zwei Veranstaltungen für Bürger, 22 Workshops, Plenarsitzungen und Vorträgen. Höhepunkte sind die Podiumsdiskussion zu „Ethischen Konfliktsituationen am Lebensende“ sowie die Sitzung zum Thema: „Sterbenskranke hinter Gittern“.

Professor Christian Junghanß, Universitätsmedizin Rostock, ist neben der Case Managerin in der palliativen und hospizlichen Arbeit (DGCC) Lucienne Zellmer vom Klinikum Südstadt Rostock sowie der leitenden Ärztin Barbara Annweiler, Palliativzentrum der Helios Kliniken Schwerin, einer der drei Tagungspräsidenten. Sein Anliegen: „Wir wollen nicht nur Begleiter für Patienten auf ihrem letzten Lebensweg sein, sondern auch Angehörige und beteiligte Berufsgruppen sowie Ehrenamtler im Sinne der Weiterbildung mit ins Boot holen“. Barbara Annweiler betont: „Wir wollen außerdem die Wahrnehmung schärfen, dass der Patient Lotse sein kann und sollte. Er bestimmt, was für ihn das Wichtigste in dieser Lebensphase ist. Dieses Anliegen auf dem Palliativtag zu thematisieren, ist uns ein äußerst wichtiges Thema.“

Bei der Tagung geht es um den fachübergreifenden Austausch zwischen Haupt- und Ehrenamt, zwischen Medizin und Pflege, zwischen Sozialarbeit und Seelsorge und vielen weiteren Akteuren der Palliativmedizin und Hospizarbeit. Und genau diese Verbindung gefällt der Sozialministerin Mecklenburg-Vorpommerns, Manuela Schwesig. „Die Auseinandersetzung mit Sterben, Tod und Trauer gehört zum Leben. Sterbenden ein menschenwürdiges Leben bis zur letzten Stunde zu ermöglichen, ist wesentliches Element einer humanen Gesellschaft. Daher müssen wir gemeinsam dafür sorgen, dass die Selbstbestimmung und die Würde des Menschen in seiner letzten Lebensphase in den Mittelpunkt gestellt werden“, so die Ministerin.

Insofern macht es Hoffnung, dass es im Land sowohl Hospize und Palliativstationen als auch ambulante Angebote zur Palliativversorgung gibt, in deren Rahmen Sterbende und ihre Angehörigen menschlich, liebevoll und fachlich kompetent begleitet und eben nicht der Anonymität überlassen werden. Palliativmedizin ist eine vergleichsweise junge Disziplin. Sie umfasst die multiprofessionelle Behandlung von Patienten mit einer nicht heilbaren Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung. Gemeinsames Ziel ist es, für weitgehende Linderung der Symptome und Verbesserung der Lebensqualität zu sorgen – in welchem Umfeld auch immer Betroffene dies wünschen.

„Wir sind stolz, dass die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin die Veranstaltung nach Mecklenburg-Vorpommern vergeben hat und den palliativmedizinisch Tätigen im Land M-V die Organisation und Gestaltung übertragen hat.“, sagt Tagungspräsidentin Lucienne Zellmer. „Gerade im Flächenland MV, wo es besonders viele ältere Menschen gibt und die Generationen nicht mehr an einem Ort leben, muss sich die Gesellschaft um eine Lösung bemühen“, meint Barbara Annweiler. Sie ist überzeugt, dass der Palliativtag in Mecklenburg-Vorpommern einen guten Rahmen setzen wird. Das durchweg informativ und interaktiv gestaltete Programm bietet allen Teilnehmern des Palliativtages die Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen, Probleme zu adressieren und Lösungen zu diskutieren.

Der Palliativtag in Rostock will auch ein Zeichen dafür setzen, dass das Gesundheitswesen nicht den würdevollen Tod aus den Augen verliert. „Wir müssen lernen, das natürliche Sterben zuzulassen.“, betont Lucienne Zellmer. Die bekannte Künstlerin Susanne Rast aus M-V flankiert den Kongress mit zum Nachdenken anregenden Holzskulpturen.

Hintergrund
Palliativmedizin ist die ganzheitliche Behandlung von Patienten, die an einer nicht heilbaren Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung leiden. Sie strebt die Besserung der Krankheitsbeschwerden an. Schmerztherapie, Symptomkontrolle sowie psychosoziale und spirituelle Begleitung sollen dem Patienten größtmögliche Lebensqualität geben, ihn wie ein Mantel umhüllen. Der entsprechende lateinische Begriff „Pallium“ (Mantel) ist daher auch Namensgeber dieser medizinisch noch relativ jungen Fachrichtung. Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin e.V. (DGP) steht seit ihrer Gründung 1994 als wissenschaftliche Fachgesellschaft für die interdisziplinäre und multiprofessionelle Vernetzung. Ihre 4.600 Mitglieder aus Medizin, Pflege und weiteren Berufsgruppen engagieren sich für eine umfassende Palliativ- und Hospizversorgung in enger Zusammenarbeit mit allen Beteiligten. Die Palliativmedizin konzentriert sich auf die bestmögliche medizinische, pflegerische, psychosoziale und spirituelle Behandlung und Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen sowie ihrer Angehörigen.

Ingrid Rieck, Presse und Kommunikation, Universität Rostock
Uni Rostock, Universitätsmedizin, Interdisziplinärer Bereich für Palliativmedizin, Zentrum für Innere Medizin, Tel.: 0381 / 494-7479, Fax: 0381 / 494-7422, eMail: palliativ@med.uni-rostock.de
09.09.2013
22.06.2017, 11:21 | tsc
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