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  • Thomas Schönemann

DHPV

Ehrenpreise des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbandes verliehen

Zusammen. © Foto: Helene Souza / pixelio.de
Zusammen. © Foto: Helene Souza / pixelio.de

Im Rahmen des Neujahrsempfangs wurde an Menschen, welche die Hospizidee durch ihr Engagement und ihre Arbeit vorangebracht und verbreitet haben, der DHPV-Ehrenpreis verliehen. Kurzporträts der Preisträgerinnen und Preisträger in den Kategorien Ehrenamt, Strukturen und Rahmenbedingungen, Medien und Öffentlichkeitsarbeit sowie Wissenschaft.

Zu den mit dem DHPV-Ehrenpreis ausgezeichneten Persönlichkeiten zählen in diesem Jahr Christa Götz, Robert Wagner, Dr. Petra Anwar und Rebecca Köster.

Laudatio zu Ehren von Christa Götz
von Prof. Dr. Ulrich Bonk, Vorstandsmitglied des DHPV

Die Hospizbewegung entstand durch das Engagement und den Einsatz zahlreicher Bürgerinnen und Bürger in der Gesellschaft. Auch heute noch ist das ehrenamtliche Engagement in der Hospiz- und Palliativarbeit unersetzbar. Es ist mir daher eine besondere Ehre, Ihnen, sehr geehrte Frau Götz, den diesjährigen Ehrenpreis des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbandes überreichen zu dürfen. Mit Ihnen zeichnen wir eine Frau aus, die das Ehrenamt in der Hospizarbeit in besonderer Weise verkörpert und die sich seit weit über 20 Jahren für schwerstkranke und sterbende Menschen einsetzt.
Christa Götz hat sich sehr früh von den damaligen AkteurInnen der Hospizbewegung in Bund und Land inspirieren lassen. Bereits 1991 hat sie mit dem Ambulanten Hospizdienst Baden-Baden einen sehr aktiven und lebendigen Erwachsenenhospizdienst auf den Weg gebracht, zu dem über die Jahre die Begleitung der Gäste im stationären Hospiz, ein Kinder- und Jugendhospizdienst und Trauerbegleitungsangebote für Kinder und Jugendliche und für Erwachsene hinzu kamen.

Seit Beginn ihres Engagements bis heute war Christa Götz bestens vernetzt mit den Hospiz- und Palliativnetzwerken vor Ort, aber auch auf Landes- und Bundesebene. Von Beginn an hat sie sich auf landes- und bundesweiten Treffen aktiv eingebracht, weil sie fest davon überzeugt war und ist, dass Hospizarbeit vor Ort nur in einer guten Einbindung in die Hospizbewegung insgesamt gelingen kann. So hat sie 1996 auch die damalige Landesarbeitsgemeinschaft Hospiz Baden-Württemberg, heute Hospiz- und Palliativverband Baden-Württemberg mit gegründet und war bis 2002 als Schriftführerin im Vorstand tätig.

Christa Götz hat schon früh gewusst, was in der Hospizbewegung langsam zur Selbstverständlichkeit wird, dass man nämlich nicht nur „Gutes tun“ soll, sondern auch darüber reden muss. Regelmäßig veranstaltet sie mit ihrem Dienst Vorträge, Lesungen, Konzerte und Ausstellungen für die Öffentlichkeit in der Stadt.

Christa Götz hat diesen Dienst über all die Jahre hinweg ehrenamtlich geleitet und war auch ehrenamtlich als verantwortliche Fachkraft im Dienst tätig. Hospizarbeit, die vom ehrenamtlichen Engagement getragen ist, ist bis heute ihre Herzensangelegenheit. Jetzt, nach über zwanzig Jahren, legt sie den Dienst, in dem mittlerweile nahezu 70 Ehrenamtliche arbeiten, in die Hände einer hauptamtlichen Koordinatorin. Der Ehrenpreis, den wir Ihnen heute überreichen, steht für unseren Dank und unsere Anerkennung einer engagierten, einfühlsamen, wachen und inspirierten Frau für mehr als 20 Jahre vorbildlichen, ehrenamtlichen Hospizengagements sowie Ansporn und Aufforderung an die, die Ihre Aufgaben jetzt übernehmen.

Laudatio zu Ehren von Robert Wagner
von Prof. Dr. Ulrich Bonk, Vorstandsmitglied des DHPV

Das stete Anliegen in der Hospiz- und Palliativarbeit muss es sein, die Strukturen eines würdevollen Sterbens und die damit zusammenhängenden Rahmendbedingungen zu verbessern. Deshalb ehren wir mit dieser Kategorie Menschen, die sich regional und/oder bundesweit nachdrücklich für diese Strukturen und Rahmenbedingungen einsetzen. Robert Wagner, an den ich heute die Ehre habe, den Ehrenpreis in dieser Kategorie zu übergeben, hat sich im saarländischen Landkreis St. Wendel in den letzten 25 Jahren sehr intensiv, engagiert und unermüdlich für die Hospizbewegung in all ihren Facetten eingesetzt. Nach seiner langjährigen Tätigkeit als Abgeordneter des Saarländischen Landtags und als Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion setzte er sich nicht – wie andere seines Jahrgangs (1928) – etwa wohlverdient zur Ruhe, sondern er überzeugte verschiedene Sozialeinrichtungen im Landkreis St. Wendel von der Wichtigkeit der ambulanten Hospizarbeit und der Notwendigkeit, diese Aufgabe gemeinsam anzugehen.

Dieses Engagement führte am 26. Juli 1997 zur Gründung der „Christlichen Hospizhilfe im Landkreis St. Wendel e.V.“. Robert Wagner war zwölf Jahre lang Vorsitzender des Vereins und gehört noch heute dem Vorstand an. Unermüdlich hat er den Aufbau der Hospizarbeit vorangetrieben und sich kontinuierlich dafür eingesetzt, die Grundlagen für die Verbesserung der Betreuung von schwerstkranken Menschen zu schaffen. Als Ende der 1990er Jahre der Bedarf an einer stationären hospizlichen Versorgung im Landkreis St. Wendel immer deutlicher wurde, hat sich Robert Wagner an die Realisierung eines stationären Hospizes gemacht, das als Hospiz Emmaus trotz enormer Widerstände im November 2000 eröffnet werden konnte.

Ebenso engagiert hat Robert Wagner für einen SAPV-Stützpunkt im Landkreis St. Wendel gekämpft, durch den schwerstkranken Menschen eine hervorragende medizinische Versorgung zugute kommt, die durch ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer des Vereins Christliche Hospizhilfe im Landkreis St. Wendel vervollständigt wird. Nicht zuletzt sind die Verdienste zu erwähnen, die Robert Wagner sich beim Aufbau der LAG Hospiz Saarland erworben hat.
Die Hospizarbeit im Landkreis St. Wendel ist heute ein Begriff, der in der Bevölkerung angekommen ist und verstanden wird. Die Hospizbewegung im Landkreis St. Wendel und darüber hinaus wäre ohne Robert Wagner nicht vorstellbar. Für ihn sind die Hospizarbeit und die zu ihrer Umsetzung notwendigen Einrichtungen eine Herzensangelegenheit und Lebensaufgabe. Er hat mit der ihm eigenen Überzeugungskraft hervorragende Strukturen und Rahmenbedingen für die hospizliche Versorgung im Landkreis St. Wendel geschaffen, die aller Anerkennung wert sind.

Laudatio zu Ehren von Dr. Petra Anwar
von Prof. Dr. Winfried Hardinghaus, Vorstandsmitglied des DHPV

Es ist von besonderer Bedeutung, dass die Hospiz- und Palliativarbeit in der vielfältigen Medienlandschaft und in der Öffentlichkeit auf sich aufmerksam macht. Geehrt werden in dieser Kategorie deshalb Persönlichkeiten, die durch ihren Einsatz für die Hospiz- und Palliativarbeit zu einem Bewusstseinswandel in der Gesellschaft im Umgang mit Sterben und Tod beitragen. Ich freue mich deshalb sehr, diesen Preis an Frau Dr. Petra Anwar überreichen zu dürfen. Petra Anwar ist Palliativmedizinerin und betreut als Home-Care-Ärztin in den Berliner Bezirken Neukölln und Tempelhof schwerstkranke und sterbende Patienten in ihrer letzten Lebensphase zu Hause und im Ricam-Hospiz.

In dem sehr bekannt gewordenen Film „Halt auf freier Strecke“ des Regisseurs Andreas Dresen spielt sie eine Home-Care-Ärztin – und somit sich selber. Das Drama um einen Berliner Familienvater, der langsam an einem Hirntumor verstirbt, wurde mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Preis der deutschen Filmkritik und dem Deutschen Filmpreis. Dresens Filme sind dem Leben sehr nah, von der Kritik werden sie gerne auch semi-dokumentarisch genannt. Dies ist auch bei diesem berührenden, aber nie kitschigen Film über ein eigentlich ganz alltägliches Thema so. Denn Sterben und Tod gehören zum Leben, sind also ganz alltägliche Themen, die in unserer Gesellschaft aber nach wie vor verdrängt werden. Es ist der Verdienst solcher Menschen wie Petra Anwar, die es zusätzlich zur Beanspruchung durch ihren Beruf nicht scheut, die Öffentlichkeit für diese Themen zu sensibilisieren und zu gewinnen.

Petra Anwar hat ihre Erfahrungen auch im Buch „Geschichten vom Sterben“ aufgeschrieben. Zusammen mit dem Schriftsteller John von Düffel erzählt sie hier von Schicksalen und Möglichkeiten in der letzten Phase des Lebens. Über die Lesungen aus diesem Buch hat sie wieder viele Menschen erreicht, ebenso durch die Interviews, in denen sie über ihre Arbeit spricht.

Mit ihrer alltäglichen Arbeit ermöglicht es Petra Anwar, dass die Menschen zu Hause sterben können, im eigenen Bett, in vertrauter Umgebung, bei den Menschen, mit denen sie sich verbunden fühlen. Mit ihrer Medienpräsenz sorgt sie dafür, dass die Möglichkeiten der hospizlichen und palliativen Versorgung einer immer größeren Öffentlichkeit bekannt werden.
Für diesen Beitrag zum Bewusstseinswandel in unserer Gesellschaft zeichnen wir Sie, liebe Frau Anwar, heute mit dem Ehrenpreis aus, und wünschen weiter viel Kraft für Ihre Arbeit – mit Ihren Patientinnen und Patienten, und für die Öffentlichkeit.

Laudatio zu Ehren von Rebecca Köster
von Prof. Dr. Winfried Hardinghaus, Vorstandsmitglied des DHPV

Seit 2010 wird auch in der Kategorie 'Wissenschaft' ein Ehrenpreis verliehen. Gewürdigt werden wissenschaftliche Arbeiten, die in eigenständiger Weise die Versorgung in der Hospiz- und Palliativarbeit betrachten und herausragende Erkenntnisse auf diesem Feld gewonnen haben. Ich freue mich daher sehr, diesen Preis an Frau Rebecca Köster für ihre Bachelor-Arbeit „Sozialpädagogische Unterstützungsmöglichkeiten bei der Trauerbewältigung von Ehrenamtlichen in der ambulanten Kinderhospizarbeit“ zu übergeben.

Die sehr gründliche und auch sprachlich überzeugende Arbeit nimmt die Entwicklungen der ambulanten Kinderhospizarbeit in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren und hierbei besonders die Rolle der Ehrenamtlichen sowie ihre Qualifizierung und Unterstützung durch die hauptamtlichen Dienste in den Blick. Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen sozialpädagogische Unterstützungsmöglichkeiten in Fragen der Trauerbewältigung. Die vorliegende Studie ist dabei nicht nur in fachlicher und methodischer Hinsicht als hervorragende Leistung zu würdigen, sie stellt zudem einen innovativen Beitrag zur Konzeption und inhaltlichen Weiterentwicklung der Kinderhospizarbeit in Deutschland dar. Die aus der Befragung der Ehrenamtlichen erhobenen Erkenntnisse über Angebote und Defizite bzgl. der sozial-pädagogischen Unterstützung in der Trauerbewältigung tragen dem Anliegen Rechnung, die fachlichen und personalen Kompetenzen von Ehrenamtlichen noch stärker zu fördern. Ebenso wird der Auftrag der sozialpädagogischen Koordinatoren in der ambulanten Kinderhospizarbeit in Fragen der Trauerbewältigung praxisnah aufgezeigt und somit zur Weiterentwicklung der Professionalität Hauptamtlicher hinsichtlich Strukturierung, Durchführung und Evaluation der Begleitung von Ehrenamtlichen beigetragen.

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Die vorliegende Studie wird in vortrefflicher Weise dem Anspruch gerecht, aus einer detaillierten Kenntnis und Erforschung des Arbeitsfeldes heraus handlungsleitende Impulse für die sozialpädagogische Koordinationstätigkeit in ambulanter Kinderhospizdienste zu leisten. Sehr geehrte Frau Köster, Ihnen hierzu herzlichen Glückwunsch und für die Zukunft weiterhin viel Erfolg, persönlich und im Rahmen der Hospiz- und Palliativarbeit!

Der Deutsche Hospiz- und PalliativVerband e.V. (DHPV) setzt sich seit mehr als 20 Jahren für den Auf- und Ausbau der Hospiz- und Palliativversorgung ein und vertritt die Belange schwerstkranker und sterbender Menschen. Der DHPV ist die bundesweite Interessensvertretung der Hospizbewegung sowie zahlreicher Hospiz- und Palliativeinrichtungen in Deutschland. Als Dachverband der überregionalen Verbände und Organisationen der Hospiz- und Palliativarbeit sowie als Partner im Gesundheitswesen und in der Politik steht er für über 1.000 Hospiz- und Palliativdienste und -einrichtungen, in denen sich über 100.000 Menschen ehrenamtlich, bürgerschaftlich und hauptamtlich engagieren.

Pressemeldung Deutscher Hospiz- und PalliativVerband e.V.
Angela Hörschelmann, Tel.: 030 82 00 578 17, eMail: a.hoerschelmann@dhpv.de
15.01.2014
22.06.2017, 11:21 | tsc
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