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  • Thomas Schönemann

Jubiläum

Harald zur Hausen zum 80. Geburtstag

Harald zur Hausen. © Foto: Tobias Schwerdt/DKFZ
Harald zur Hausen. © Foto: Tobias Schwerdt/DKFZ

Harald zur Hausen, Nobelpreisträger, „geistiger Vater“ der Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs und langjähriger Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums, feierte seinen 80. Geburtstag. „Im Namen aller Beschäftigten des Deutschen Krebsforschungszentrums gratulieren wir Harald zur Hausen sehr herzlich und wünschen ihm viele gesunde Jahre“, sagen Michael Boutros und Josef Puchta als Vorstand des DKFZ.

„Wir sind stolz darauf, mit ihm eine Persönlichkeit in unserer Mitte zu haben, die ein Stück Medizingeschichte geschrieben hat und dafür überwältigende weltweite Anerkennung findet.“

Zur Hausen war von 1983 bis 2003 wissenschaftlicher Vorstand und Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums. Auch heute noch leitet er eine Forschungsabteilung am DKFZ. Seine Mitarbeiter suchen nach neuen Viren, die unter anderem mit Darmkrebs in Verbindung stehen.

„Wenn über Harald zur Hausen berichtet wird, ist sehr häufig von Beharrlichkeit die Rede“, so Josef Puchta, der viele Jahre mit zur Hausen eng zusammengearbeitet hat. „Wir alle bewundern die Beharrlichkeit, mit der er auch nach dem Nobelpreis weiter nach unbekannten krebserregenden Viren fahndet. Viele von uns warten gespannt auf seine neuen Erkenntnisse und wundern würde es uns nicht, wenn er auch diesmal Recht behielte!“

Harald zur Hausen begann bereits sein Medizinstudium mit dem Ziel einer wissenschaftlichen Laufbahn. Ein glücklicher Zufall führte ihn nach seiner Approbation 1966 in das Labor von Gertrude und Werner Henle ans Children’s Hospital in Philadelphia. Bei diesen Pionieren der Tumorvirologie fand zur Hausen zu seinem wissenschaftlichen Lebensthema, dem Zusammenhang von Virusinfektionen und Krebs.

Nach drei wissenschaftlichen erfolgreichen Jahren an der Universität Würzburg erhielt zur Hausen bereits 1972 einen Ruf auf den Lehrstuhl für Virologie in Nürnberg/Erlangen. Dort machte er sich erstmals Gedanken über das Thema, das ihm später zu seinem bisher größten wissenschaftlichen Durchbruch verhalf: Aus alten Fallbeschreibungen schloss er auf einen möglichen ursächlichen Zusammenhang zwischen einer Infektion mit humanen Papillomviren, den Warzen-Erregern, und Krebs des Gebärmutterhalses. Dies sollte für die nächsten Jahrzehnte zu seinem wissenschaftlichen Leitmotiv werden.

Mit aufwändigen Methoden der damaligen Zeit wiesen zur Hausen und seine Mitarbeiter nach, dass es sich bei den Papillomviren um eine äußerst vielköpfige Familie handelt. Schließlich gelang ihnen, Virus-Erbguts im Krebsgewebe nachzuweisen. Damit hatten sie ein starkes Indiz für eine ursächliche Rolle von HPV bei der Krebsentstehung gefunden.

1977 folgte zur Hausen einem Ruf auf den Lehrstuhl für Virologie in Freiburg. Hier gelangen ihm und seinen Mitarbeitern schließlich die entscheidenden Durchbrüche: In Gebärmutterhalskrebs-Gewebeproben entdeckten sie die beiden wichtigsten krebserregenden HPV-Typen. Zusätzlich konnten sie auf molekularer Ebene aufklären, wie HPV-infizierte Zellen zu Krebs entarten. Spätestens von da an waren auch die zahlreichen Skeptiker davon überzeugt, dass eine Infektion mit Hochrisiko-HPV ursächlich für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs ist.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Harald zur Hausen bereits längst sein neues Amt als Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums übernommen, das er die folgenden 20 Jahre bekleiden sollte. Gleich zu Beginn seiner Heidelberger Jahre strukturierte er das DKFZ gründlich um und führte moderne Methoden des Wissenschaftsmanagements ein. In zur Hausens Amtszeit stieg das Forschungszentrum zu einer der weltweit führenden Krebsforschungsinstitutionen auf. Vor allem seine Beharrlichkeit beim Aufbau von Kooperationen mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat Früchte getragen: Klinikum und Krebsforschungszentrum haben schließlich gemeinsam das heute ungemein erfolgreiche Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg auf den Weg gebracht.

Nachdem die wichtigsten krebserregenden Hochrisiko-Papillomviren identifiziert waren, stand auf einmal eine zuvor undenkbare Möglichkeit im Raum: Mit einem Impfstoff gegen die krebserregenden Viren müsste sich Gebärmutterhalskrebs verhindern lassen. Nichts ist stärker als eine Idee, deren Zeit gekommen ist: Zur Hausens ehemalige Schüler waren maßgeblich daran beteiligt, die technischen Schwierigkeiten bei der Entwicklung dieser Vakzine lösen. Seit 2006 schließlich sind Impfstoffe gegen die wichtigsten HPV-Hochrisiko-Typen verfügbar. Wissenschaftler erwarten, dass die HPV-Impfung jedes Jahr Tausende von Frauen vor Gebärmutterhalskrebs schützen wird, der in vielen Teilen der Welt oftmals einen tödlichen Verlauf nimmt.

Ohne Zweifel ist Harald zur Hausen der „geistige Vater“ dieses ersten gezielt gegen Krebs entwickelten Impfstoffs. Miterleben zu dürfen, wie die eigene Forschungshypothese schließlich die Prävention einer lebensbedrohlichen Erkrankung ermöglicht, ist die großartigste Bestätigung seiner wissenschaftlichen Lebensleistung.

Für seine wissenschaftlichen Erfolge ist zur Hausen mit Ehrungen und Auszeichnungen reich bedacht worden. Die gewaltige Anzahl seiner Ehrendoktortitel lässt sich kaum noch nachhalten. All diese Preise wurden schließlich in den Schatten gestellt vom Nobelpreis für Medizin, den ihm die schwedische Akademie der Wissenschaften 2008 zuerkannte.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

 

Pressemitteilung dkfz
Dr. Stefanie Seltmann, Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Deutsches Krebsforschungszentrum, Im Neuenheimer Feld 280, 69120 Heidelberg, Tel.: 0 6221 42-2854, Fax: 0 6221 42-2968, eMail: S.Seltmann@dkfz.de
10.03.2016
22.06.2017, 11:21 | tsc
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