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  • Thomas Schönemann

Dr. Fritz Pleitgen auf dem DKK 2014

Im Mittelpunkt steht der Patient

Fritz Pleitgen (2007). © Foto: Elke Wetzig (Elya) (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons
Fritz Pleitgen (2007). © Foto: Elke Wetzig (Elya) (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons

Mit diesem Kongress gehen wir neue Wege: Zum ersten Mal wird die Veranstaltung gemeinsam von der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Krebshilfe ausgerichtet. Das Fundament hierzu haben wir bereits im Juni 2012 gelegt, als die enge Kooperation zwischen den beiden Organisationen offiziell vereinbart wurde. Ein logischer und lange überfälliger Schritt.

Denn seit vielen Jahrzehnten engagieren sich beide Organisationen für Krebspatienten: die Deutsche Krebsgesellschaft als Medizinische Fachgesellschaft und die Deutsche Krebshilfe als Förderorganisation und Bürgerbewegung im Kampf gegen den Krebs.

In den vergangenen Jahren ist immer deutlicher geworden, wie komplex die Krebsbekämpfung, die Krebsmedizin und -forschung sind. Und auch auf dem Hintergrund der steigenden Neuerkrankungszahlen erschien uns eine verstärkte Zusammenarbeit notwendig und zwingend. Bereits vor dem offiziellen Bündnis gab es wichtige gemeinsame Initiativen, wie das „Leitlinienprogramm Onkologie“ oder die Mit-Initiierung des Nationalen Krebsplans.

Die besiegelte Partnerschaft wird seit fast 2 Jahren nun verstärkt und eindrucksvoll unter dem Motto „Gemeinsam wirken, Synergismen nutzen, Expertise bündeln“ gelebt – beispielsweise auf dem wichtigen Gebiet der Krebsinformation. Denn die vorhandenen Angebote reichen in Deutschland nicht aus, um allen Ratsuchenden qualitätsgesicherte Informationen zum Thema Krebs an die Hand zu geben. So sind wir derzeit dabei, eine zentrale und qualitätsgesicherte Informationsplattform für Ratsuchende zu schaffen. Dieses neue und wichtige Projekt werden wir im Herbst der Öffentlichkeit vorstellen.

Der heute beginnende Deutsche Krebskongress 2014 ist ebenfalls ein Ergebnis dieser aktiv gelebten Partnerschaft. Die schon angesprochene gemeinsame Kongressdurchführung ist eine großartige Entwicklung. Denn dies hat auch eine weitere historische Neuerung mit sich gebracht. Zum ersten Mal erreichen Sie die Vortragssäle, ohne in die Industrieausstellung zu geraten. Ich denke, die klare Trennung zwischen wissenschaftlichem Teil und Industrieausstellung ist ein zeitgemäßer Schritt, der im Sinne der Deutschen Krebshilfe ist.

Krebs ist derzeit Thema in allen Medien. Der Grund dafür sind die erschreckenden Zahlen, die die WHO zum Weltkrebstag veröffentlich hat. Weltweit erkranken jährlich 14 Millionen Menschen neu an Krebs. Laut WHO wird es im Jahr 2030 etwa 21 Millionen Neuerkrankungen geben. Dagegen müssen wir ankämpfen! Dafür brauchen wir weitere Fortschritte in der Krebsforschung und –medizin, wenngleich, insbesondere in den letzten Jahren, auch schon erhebliche Fortschritte erzielt wurden. Vor 40 Jahren als Dr. Mildred Scheel die Deutsche Krebshilfe gründete, kam die Diagnose Krebs in den meisten Fällen noch einem Todesurteil gleich. Heute sieht es glücklicherweise anders aus: Die Heilungsraten sind gestiegen und Krebs verläuft mittlerweile oft als chronische Erkrankung mit guter Lebensqualität für die Betroffenen.

Dennoch gibt es einige Krebserkrankungen, bei denen die Heilungschancen immer noch schlecht sind, beispielsweise beim Bauchspeicheldrüsenkrebs oder bei Hirntumoren. Hier besteht nach wie vor großer Forschungsbedarf. Aber auch in der Organisation der Krebsmedizin sind noch Verbesserungen erforderlich. Dies gilt unter anderem für die interdisziplinäre Zusammenarbeit, die Versorgungsabläufe sowie für die Einbindung der psychoonkologischen Behandlung und Palliativmedizin als Selbstverständlichkeiten.

Zudem wissen wir heute, dass es über 200 Krebserkrankungen gibt und die individuellen Verläufe jeder einzelnen ganz unterschiedlich sein können. Jedem Patienten wiederum eine auf ihn zugeschnittene Behandlungsweise zukommen lassen zu können, ist heute noch eine Vision, die aber durch verstärkte Forschung – Ursachenforschung und gezielte Medikamentenentwicklung – Schritt für Schritt Wirklichkeit werden könnte. Zu einer individualisierten Krebstherapie gehört aber auch der menschliche Aspekt. Eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Arzt und Patient ist die Basis für eine erfolgreiche Therapie. Der Patient darf dabei nicht nur medizinisch im Mittelpunkt stehen, auch seine individuellen seelischen Bedürfnisse spielen eine wichtige Rolle für den Behandlungserfolg.

Viele Wissenslücken sind gefüllt, aber noch längst nicht alle geschlossen. Einige der vor uns stehenden Herausforderungen habe ich skizziert. Es wird wichtig sein, auch in Zukunft weiter in die Krebsforschung und andere Maßnahmen der Krebsbekämpfung zu investieren. Eine Aufgabe, der sich die Deutsche Krebshilfe auch künftig gemeinsam mit der Deutschen Krebsgesellschaft stellen wird, vor allem im Sinne der wichtigsten Personen: den Patienten.

Statement Dr. h.c. Fritz Pleitgen, Präsident der Deutschen Krebshilfe e.V., Bonn, zur Auftakt-Pressekonferenz des DKK 2014
Dr. h.c. Fritz Pleitgen, Deutsche Krebshilfe e.V., Buschstraße 32, 53113 Bonn, Tel.: 0228 / 72 990 270, eMail: deutsche@krebshilfe.de
19.02.2014
22.06.2017, 11:21 | tsc
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