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  • Thomas Schönemann

Prof. Dr. med. Lars Zender

Leibniz-Preis für Tübinger Wissenschaftler

Prof. Lars Zender. © Foto: Uniklinikum Tübingen
Prof. Lars Zender. © Foto: Uniklinikum Tübingen

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat heute die Leibniz-Preisträger 2014 bekannt gegeben. Der mit 2,5 Millionen Euro dotierte Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis geht in diesem Jahr an elf herausragende deutsche Forscher – darunter auch Prof. Dr. med. Lars Zender. Er leitet am Universitätsklinikum und der Universität Tübingen den Bereich für Translationale* Gastrointestinale (den Magen-Darm-Trakt betreffende) Onkologie und arbeitet dort wissenschaftlich und klinisch an der Entwicklung neuer Methoden zur Behandlung von Tumorerkrankungen des Magen-Darmtraktes und des Leberversagens.

Der mit 38 Jahren jüngste der diesjährigen Leibniz-Preisträger hat neue Mechanismen entschlüsselt, die zur Erhaltung oder zur Wiederherstellung der Funktion der Leber beitragen. Ein besonderer Schwerpunkt der wissenschaftlichen Arbeit des Experten für Lebererkrankungen besteht auch in der Identifizierung neuer Krebsgene, welche an der Entstehung und Aufrechterhaltung von Tumoren des Magen-Darm-Trakts beteiligt sind und zur Entwicklung effektiver neuer Tumortherapien genutzt werden können.
Die Leibniz-Preise 2014 werden am 12. März 2014 verliehen.

Zur Person

Prof. Dr. med. Lars Zender leitet seit April 2012 in der Medizinischen Universitätsklinik Tübingen, Abteilung Gastroenterologie, Hepatologie, Infektionskrankheiten, die Sektion für Translationale* Gastrointestinale (den Magen-Darm-Trakt betreffende) Onkologie und forscht dort an der Entwicklung neuer Methoden zur Behandlung von Tumorerkrankungen des Magen-Darmtraktes und des Leberversagens.
1975 geboren, arbeitete Lars Zender bereits während seines Studiums an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) an wissenschaftlichen Projekten zur Regulation von Zelltod in der Leber. Nach Promotion, Approbation und Assistenzarzt-Tätigkeit an der MHH ging er 2004 im Rahmen des Emmy Noether-Programms der DFG als Postdoktorand an das renommierte Cold Spring Harbor Laboratory. 2008 nach Deutschland zurückgekehrt, setzte er neben seiner klinischen Tätigkeit in der Gastroenterologie seine Forschungen als Emmy Noether- und als Helmholtz-Nachwuchsgruppenleiter fort und lehnte mehrere Rufe aus dem In- und Ausland ab, bevor er sich 2012 für die Universität Tübingen entschied, an deren Universitätsklinikum er nun in der Medizinischen Klinik (Ärztlicher Direktor Prof. Dr. Nisar P. Malek) die Sektion für Translationale Gastrointestinale Onkologie leitet.

Zender, der auch Vorstandsmitglied des Südwestdeutschen Tumorzentrums (CCC) Tübingen ist, wurde im März 2013 mit dem Deutschen Krebspreis der Deutschen Krebsgesellschaft ausgezeichnet. Seine wissenschaftlichen Arbeiten haben die Tür für ein vertieftes Verständnis zellulärer und molekularer Mechanismen der Tumorentstehung und der damit verbundenen immunologischen Wirtsreaktion weit geöffnet.

Ein besonderer Schwerpunkt seiner Forschung besteht in der Identifizierung neuer Krebsgene, welche an der Entstehung von Tumoren des Magen-Darm-Trakts beteiligt sind und zur Entwicklung effektiver neuer Tumortherapien genutzt werden können. Krebsspezialist Professor Dr. med. Lars Zender: „Klinisch häufige Tumore wie z.B. Dickdarmkrebs oder Leberkrebs stellen immer noch eine große Herausforderung für uns Ärzte dar. Wir forschen daran, neue Therapiekonzepte zu entwickeln, die eine nachhaltigere Tumorkontrolle auch bei aggressiven Karzinomen ermöglichen. Darüber hinaus erhoffen wir uns, durch unsere Forschung zur Leberregeneration neue Therapiemöglichkeiten zur Behandlung des akuten und chronischen Leberversagens zu entwickeln. Ziel ist es, dass Patienten mit Leberversagen bis zur Transplantation stabilisiert werden können oder gegebenenfalls auf die Transplantation verzichtet werden kann."

Spätestens seit heute zählt Tübinger Gastroenterologe zur deutschen Forschungs-Elite, gilt der Leibniz-Preis unter Wissenschaftlern doch als der hochkarätigste Forschungspreis. Zender: „Als ich erfahren habe, dass ich den Leibniz-Preis bekomme, ging mir sofort durch den Kopf, welche außergewöhnlichen Möglichkeiten sich dadurch für den Ausbau unserer laufenden und zukünftigen Tumorforschung ergeben.“

Prof. Lars Zender. © Foto: Uniklinikum Tübingen
Prof. Lars Zender. © Foto: Uniklinikum Tübingen

Aktuelle Forschungsarbeiten und Forschungsfelder

Regeneration der kranken Leber steigern

In einer 2013 in CELL publizierten Forschungsarbeit konnte Prof. Zender zeigen, dass sich bei chronischem oder akutem Leberversagen die Regeneration der kranken Leber steigern lässt. Durch die Hemmung eines neu identifizierten Gens ist es bei Mäusen gelungen, die Regenerationsfähigkeit der Leber dramatisch zu verbessern. Die gemeinsam mit der Medizinischen Hochschule Hannover und dem Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig publizierten Ergebnisse sollen zur Medikamentenentwicklung genutzt werden, um in Zukunft die Behandlung von Patienten mit akuten oder chronischen Lebererkrankungen zu verbessern.

Immunüberwachung von seneszenten Zellen unterdrückt Krebswachstum

Die wissenschaftlichen Arbeiten von Lars Zender zur zellulären Seneszenz sind ein weiterer wichtiger Schwerpunkt seiner Forschung: Wie der programmierte Zelltod stellt auch die zelluläre Seneszenz ein sehr wichtiges Schutzprogramm zur Verhinderung der Tumorentstehung dar.

Hintergrund: Zellen, deren Erbgut geschädigt ist, können entweder durch den kontrollierten Zelltod absterben oder in den Zustand der zellulären Seneszenz eintreten. Der Begriff Seneszenz bedeutet hier, dass die erbgutgeschädigten Zellen, die entarten können, in einen stabilen Dauerschlaf eintreten, dieser Dauerschlaf wird wissenschaftlich Seneszenz genannt. Sind diese Schutzmechanismen defekt, kann es zur Krebsentstehung kommen.

Zender und seine Mitarbeiter zeigten kürzlich, dass Zellen, die Vorstufen des Leberzellkarzinoms darstellen und sich im Zustand der Seneszenz befinden, kontinuierlich vom Immunsystem - in diesem Fall vom erworbenen, adaptiven Immunsystem - entfernt werden. Dieses Entfernen ist essentiell für die Unterdrückung des Tumorwachstums in der Leber. Bleibt die Entfernung der geschädigten, seneszenten Leberzellen durch das Immunsystem aus, kann es zur Entstehung von Lebertumoren kommen.

Die Arbeiten zeigen, dass es durch die Auslösung des Seneszenzprogrammes und der damit verbundenen Ausschüttung diverser Botenstoffe aus den seneszenten Zellen zu spezifischen Immunantworten gegen Proteine in den seneszenten Zellen kommt. Der entdeckte Mechanismus der Immunüberwachung von seneszenten Zellen hat großes Potential zur Entwicklung neuer Methoden zur Krebsprävention und Behandlung.

Mausmodelle des Leberzellkarzinoms

Für wissenschaftliche Studien in der Krebsforschung werden Tumor-Mausmodelle benötigt, welche das Verhalten menschlicher Tumore realistisch widerspiegeln. Mit der Entwicklung einer neuen Generation von Mausmodellen des Leberzellkarzinoms, den sogenannten mosaiken (chimaeren) Tumormodellen leistete Prof. Zender einen sehr wichtigen Beitrag zur Erforschung des Leberzellkarzinoms und anderer gastrointestinaler Tumore. Solche Modelle standen anfänglich nur für die Erforschung von Leukämien und Lymphdrüsenkrebs zur Verfügung. Im Gegensatz zu klassischen Transgenen- oder Knockout Mäusen erlauben diese speziellen Modelle eine deutlich schnellere und effizientere Entschlüsselung der komplexen Interaktion von Krebsgenen und deren Beitrag zur Tumorentstehung und -progression.

Krebsgene im lebenden Organismus gezielt untersuchen

Entscheidende Beiträge leistete Zender bei der Entwicklung der stabilen RNA-Interferenz. Die RNA-Interferenz ist eine Methode, die es erlaubt, Gene gezielt stillzulegen ohne sie zu manipulieren. Er entwickelte die technischen Voraussetzungen, um diese Technologie direkt in Mäusen einsetzen zu können. Ein solches Vorgehen ist besonders in der Tumorforschung entscheidend, da Tumore komplexe dreidimensionale Strukturen mit besonderer Gefäßversorgung sind, die auch mit dem Immunsystem des Wirts interagieren. Während Untersuchungen in Zellkulturen häufig mit Fehlern behaftet sind, ist es ein großer Vorteil, RNA-Interferenz Untersuchungen direkt im lebenden Organismus durchführen zu können. Zusammen mit nur wenigen anderen Laboren weltweit ist das Labor von Prof. Zender in der Lage, sogenannte RNA Interferenzscreens zur direkten Identifizierung neuer Krebsgene in vivo in der Maus durchzuführen.

Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis

Der Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis ist der wichtigste Forschungsförderpreis in Deutschland und wird seit 1986 jährlich von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) verliehen. Ziel des Leibniz-Programms ist es, die Arbeitsbedingungen herausragender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu verbessern, ihre Forschungsmöglichkeiten zu erweitern, sie von administrativem Arbeitsaufwand zu entlasten und ihnen die Beschäftigung besonders qualifizierter jüngerer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu erleichtern. Der Preis ist mit bis zu 2,5 Millionen Euro dotiert. Die Förderung wird nur auf Vorschlag Dritter gewährt. Die Entscheidung über die Preisträger trifft der Hauptschuss aufgrund einer Empfehlung des Nominierungsausschusses für das Leibniz-Programm.

Über das weit über Deutschland hinausreichende Renommee und die hohe Dotierung hinaus ist der Leibniz-Preis vor allem mit einer außergewöhnlichen Flexibilisierung verbunden: Seine Trägerinnen und Träger können das Preisgeld von inzwischen bis zu 2,5 Millionen Euro bis zu sieben Jahre lang nach ihren eigenen Vorstellungen und ohne bürokratischen Aufwand für ihre wissenschaftliche Arbeit verwenden. (www.dfg.de)

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Tübingen

Das 1805 gegründete Tübinger Universitätsklinikum (www.uni-tuebingen.de) trägt als eines der 33 Universitätsklinika in Deutschland zu dem erfolgreichen Verbund von Medizin, Forschung und Lehre bei und hat sich mit seinen 17 Kliniken als eines der führenden Zentren der deutschen Hochschulmedizin etabliert. Ärzte und Wissenschaftler arbeiten Hand in Hand mit dem Ziel, die Ergebnisse der exzellenten Forschung rasch in die klinische Praxis und in die Behandlung der Patienten zu überführen. Das Universitätsklinikum Tübingen ist eines der von der Deutschen Krebshilfe zertifizierten onkologischen Spitzenzentren (CCC) und Mitglied des Deutschen Konsortiums für Translationale Krebsforschung (DKTK).

Die Medizinische Fakultät der Universität Tübingen ist enger Partner des Universitätsklinikums Tübingen und mit über 1000 wissenschaftlichen Mitarbeitern die größte Fakultät der Universität und Ausbildungs- und Forschungsstätte auf höchstem Niveau.

Prof. Ingo Autenrieth, Dekan der Medizinischen Fakultät und Prof. Michael Bamberg, Vorstandsvorsitzender des Klinikums freuen sich über die Auszeichnung des hervorragenden Wissenschaftlers aus Tübingen: „Es bestätigt sich hier die Strategie der Fakultät und des Klinikums, nur die besten Köpfe nach Tübingen zu holen.“

* Die translationale Medizin beschäftigt sich mit der Übersetzung von Forschungsergebnissen in die klinische Praxis, sie ist Schnittstelle zwischen präklinischer Forschung und klinischer Entwicklung. Durch sie soll Forschungswissen in die Behandlung von Patienten eingehen.

Dr. Ellen Katz, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Universitätsklinikum Tübingen
Prof. Dr. med. Lars Zender, Universitätsklinikum Tübingen, Medizinische Klinik, Ottfried-Müller-Str.10, 72076 Tübingen, Tel.: 07071 / 29-8 41 13, eMail: Lars.Zender@med.uni-tuebingen.de
05.12.2013
22.06.2017, 11:21 | tsc
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