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  • Thomas Schönemann

Sir John Edward Sulston

Nobelpreisträger spricht an der Saar-Uni über Wissenschaft und Gesellschaft

Kunstwerk "Automedon", 1992, auf dem Saarbrücker Campus von Oswald Hiery. © Foto: das bilderwerk - www.dasbilderwerk.de / Universität des Saarlandes
Kunstwerk "Automedon", 1992, auf dem Saarbrücker Campus von Oswald Hiery. © Foto: das bilderwerk - www.dasbilderwerk.de / Universität des Saarlandes

Am Montag, den 12. Mai, spricht Sir John Edward Sulston um 17 Uhr auf dem Saarbrücker Campus (Gebäude C4 3, Großer Hörsaal Chemie) über Wissenschaft und Gesellschaft („Science and Society“). Er wird unter anderem darauf eingehen, wie die Gesellschaft ethisch vertretbar mit den Erkenntnissen aus Wissenschaft und Technologie umgehen sollte.

Zusammen mit den Forschern Sydney Brenner und Howard Robert Horvitz erhielt Sulston 2002 den Medizin-Nobelpreis. Die Wissenschaftler haben untersucht, wie Gene die Entwicklung von Organen und den programmierten Zelltod regulieren. Der Vortrag in englischer Sprache steht allen Interessierten offen.

Von den Fortschritten in der modernen Medizin über soziale Netzwerke bis zu neuen Methoden der Energiegewinnung. – Die Entwicklungen in Wissenschaft und Technologie haben unsere Gesellschaft in den vergangenen Jahren besonders stark beeinflusst und werden dies weiterhin tun – auch oder gerade in wirtschaftlicher Hinsicht. So profitieren wir in unserem Alltag einerseits von diesen neuen Errungenschaften, andererseits werfen sie neue ethische und regulatorische Fragen auf. So braucht es laut Sulston ein Gleichgewicht zwischen sozialer Gerechtigkeit und Wirtschaftlichkeit, um dem Fortschritt Rechnung zu tragen. Hierauf wird Sulston in seinem Vortrag „Science and Society“ eingehen.

John Sulston hat sich kritisch zur Praxis der Entwicklung, Patentierung und Vermarktung von Arzneimitteln geäußert und hier fundamentale Änderungen eingefordert. Patente würden allzu oft den wissenschaftlichen Fortschritt behindern und den Zugang zu Arzneimitteln erschweren, besonders in ärmeren Ländern. Dies gelte besonders für die Folgen der Genpatentierung. Die Kommerzialisierung der Wissenschaft habe zunehmend auch die Grundlagenforschung erreicht, deren Ergebnisse jedoch der Allgemeinheit auf eine effektive und kostengünstige Weise verfügbar sein sollten.

Der Nobelpreisträger spricht zudem darüber, wie das starke Bevölkerungswachstum und die ungleiche Ressourcenverteilung die Erde an den Rand ihrer Belastung führen wird. Entscheidungen etwa in Politik oder Forschung, die jetzt oder in naher Zukunft getroffen werden, so Sulston, bestimmen die Zukunft der Menschheit maßgeblich.

2002 erhielt Sulston zusammen mit Sydney Brenner und Howard Robert Horvitz den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Die Forscher haben untersucht, wie Gene die Entwicklung von Organen und das programmierte Zellsterben regulieren. Sulston konnte am Fadenwurm Caenorhabditis elegans zeigen, dass Entwicklungsprozesse unveränderlich sind und bei jedem Organismus gleich ablaufen. Zudem hat er nachgewiesen, dass bestimmte Zellen den programmierten Zelltod als normalen Bestandteil der Entwicklung durchlaufen. Seine Forschungsergebnisse können auch auf die Entwicklung des Menschen übertragen werden.

Sir John Edward Sulston wurde 1942 im englischen Fulmer (Grafschaft Buckinghamshire) geboren. Er studierte Chemie an der Universität Cambridge, wo er 1966 auch promoviert wurde. Von 1966 bis 69 forschte er in den USA, bevor er wieder nach Cambridge zurückkehrte, um am Medical Research Council Laboratory of Molecular Biology zu forschen. Bis 2000 war John Sulston Direktor des Sanger Center in Cambridge und mitverantwortlich für das Human Genome Project. Danach wurde er Mitbegründer und Leiter des Institute for Science, Ethics & Innovation an der Universität von Manchester. Für die britische Royal Society leitete er von 2013 bis 14 die Arbeitsgruppe für den „People and the planet report“ (http://royalsociety.org/policy/projects/people-planet/report). Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen wie die Darwin-Medaille der Royal Society (1996) oder den Prinz-von-Asturien-Preis (2001). Er ist seit 1986 Mitglied der Royal Society und wurde 2001 in den Adelsstand erhoben (Knight Bachelor).

Der Vortrag findet im Rahmen des Vortragsprogramms der Gesellschaft Deutscher Chemiker Saar statt.

Melanie Löw, Pressestelle der Universität des Saarlandes, Universität des Saarlandes
Prof. Dr. Gerhard Wenz, Organische Makromolekulare Chemie, Tel.: 0681 / 302-3449, eMail: g.wenz@mx.uni-saarland.de
05.05.2014
22.06.2017, 11:21 | tsc
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