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  • Thomas Schönemann

Roland Ernst-Stiftung

Ohne Umwege vom MRT zur Bestrahlung

von links: Heinz-Peter Schlemmer, Florian Sterzing, der Stifter Roland Ernst, Asja Pfaffenberger und Tilmann Bostel. © Foto: Tobias Schwerdt/DKFZ
von links: Heinz-Peter Schlemmer, Florian Sterzing, der Stifter Roland Ernst, Asja Pfaffenberger und Tilmann Bostel. © Foto: Tobias Schwerdt/DKFZ

Die Roland Ernst-Stiftung für medizinische Forschung vergibt in diesem Jahr zum ersten Mal den mit 5.000 Euro dotierten Preis für interdisziplinäre radiologische Forschung. Die diesjährigen Preisträger sind Dr. Tilmann Bostel und PD Dr. Florian Sterzing aus der Klinischen Kooperationseinheit Strahlentherapie sowie Dr. Asja Pfaffenberger aus dem Abteilung Medizinische Physik in der Strahlentherapie.

Mit der Auszeichnung sollen Wissenschaftler des Forschungsschwerpunkts „Bildgebung und Radioonkologie“ im Deutschen Krebsforschungszentrum für eine herausragende abteilungsübergreifende Arbeit geehrt werden.

Die diesjährigen Preisträger sind Dr. Tilmann Bostel und PD Dr. Florian Sterzing aus der Klinischen Kooperationseinheit Strahlentherapie sowie Dr. Asja Pfaffenberger aus dem Abteilung Medizinische Physik in der Strahlentherapie. Ausgezeichnet werden sie für das interdisziplinäre Projekt „MRT-gesteuerte Bestrahlungsplanung“.

Die beiden Ärzte Bostel und Sterzing haben gemeinsam mit der Physikerin Asja Pfaffenberger ein Lagerungssystem entwickelt, in dem Patienten vom Magnetresonanz-Tomographen direkt zur Bestrahlung mit einem Linearbeschleuniger (LINAC) transferiert werden können.

Die MRT (Magnetresonanz-Tomographie) als bildgebendes Verfahren gilt als ideal, um eine Strahlentherapie zu planen, um die Position des Patienten direkt vor der Bestrahlung zu kontrollieren oder um den Therapieverlauf zu dokumentieren: Die MRT erzielt eine deutlich bessere Darstellung der Gewebe als die üblicherweise eingesetzte Computertomographie, außerdem kommt das Verfahren ohne Strahlenbelastung aus.

Experimentelle Kombigeräte, die LINAC und MRT vereinen, gibt es bislang weltweit erst an zwei Orten. Patienten können damit noch nicht behandelt werden. Mit dem Lagerungssystem der drei ausgezeichneten Wissenschaftler können Patienten nun ohne Umbettung von einem MRT direkt in ein benachbartes Bestrahlungsgerät transferiert werden. Die Vorrichtung garantiert, dass der Patient bei der Bildgebung und bei der Bestrahlung exakt identisch gelagert ist. Dadurch können Tumoren und gesunde Gewebe über den Behandlungszeitraum hinweg sehr genau lokalisiert werden, um die Strahlentherapie individuell anzupassen, falls sich der Tumor im Vergleich zur letzten Behandlung verschoben oder in seiner Größe verändert hat.

„Die enge Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen hat unseren Forschungsschwerpunkt immer schon ausgezeichnet“, sagt Prof. Heinz-Peter Schlemmer, der Schwerpunkt-Sprecher. „An den medizinisch relevanten Fragestellungen arbeiten bei uns Radiologen, Nuklearmediziner, Strahlentherapeuten, Medizinphysiker, Chemiker und Informatiker eng zusammen. Und Dank unserer exzellenten Feinmechaniker können wir, wo benötigt, auch Geräte-Prototypen direkt im Haus herstellen.“

Diese fachübergreifende Zusammenarbeit ist auch die Grundvoraussetzung für den Roland Ernst-Preis: Dessen Statuten fordern eine abteilungsübergreifende Arbeit, die auch das Potential haben soll, in klinische Anwendungen übertragen zu werden.

Die 1980 vom Heidelberger Bauunternehmer Roland Ernst ins Leben gerufene Roland Ernst-Stiftung fördert die medizinischen Forschung, insbesondere den Forschungsschwerpunkt Radiologische Diagnostik und Therapie (heute: Bildgebung und Strahlentherapie) des Deutschen Krebsforschungszentrums. Daneben unterstützt die Stiftung auch Projekte im Bereich Kunst und Kultur.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

Pressemitteilung dkfz
Dr. Stefanie Seltmann, Im Neuenheimer Feld 280, 69120 Heidelberg, Tel.: 06221 / 422854, Fax: 06221 / 422968, eMail: s.seltmann@dkfz.de
18.12.2014
22.06.2017, 11:21 | tsc
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