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Prof. Dr. Volker Heinemann

Personalisierung in der Therapie des metastasierten Darmkrebses: Die FIRE-3-Studie

Prof. Dr. Volker Heinemann. © Foto: Klinikum der Universität München
Prof. Dr. Volker Heinemann. © Foto: Klinikum der Universität München

Die Standardbehandlung beim metastasierten Darmkrebs besteht aus einer Chemotherapie, kombiniert mit einem Angiogenese-Hemmer oder einer Anti-EGRF-Therapie. Doch welche Behandlung empfiehlt sich bei welchen Patienten? Zur Klärung initiierte die Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie der Deutschen Krebsgesellschaft die FIRE-3-Studie. Im nachfolgenden Interview im Rahmen des DKK 2014 fasst Studienleiter Prof. Volker Heinemann, Leiter des Comprehensive Cancer Centers des Klinikums der Ludwig-Maximilians-Universität in München, die aktuellen Studienergebnisse zusammen.

Professor Heinemann, die Ergebnisse der FIRE-3-Studie haben im letzten Jahr für einiges Aufsehen gesorgt. Können Sie das Resultat kurz zusammenfassen?

Prof. Heinemann: Die FIRE-3-Studie ist eine randomisierte Studie, bei der eine FOLFIRIChemotherapie entweder in Kombination mit einer antiangiogenetischen Therapie mit Bevacizumab oder einer Anti-EGFR-Therapie mit Cetuximab gegeben wurde. Als primären Endpunkt haben wir die Remissionsrate evaluiert und dabei keinen Vorteil für eine der beiden Therapien gefunden. Auch das progressionsfreie Überleben war in beiden Studienarmen gleich. Einen deutlichen Vorteil zugunsten des Cetuximabarms fanden wir allerdings bei der Evaluation des sekundären Studienendpunkts, des Gesamtüberlebens. Cetuximab ist ein Antikörper, der sich gegen den EGFRezeptor richtet. In der ersten Analyse betrug der Überlebensvorteil zugunsten des Cetuximab 3,7 Monate. Das gilt wohlgemerkt nur für Patienten, die ein KRAS-Wildtyp-Gen aufweisen, ohne genetische Veränderungen.

Gibt es inzwischen weitere Analysen der FIRE-3-Studie?

Prof. Heinemann: Wir hatten zwar initial nicht mit diesem Ergebnis gerechnet, aber schon im letzten Jahr war klar, dass die Daten von hoher klinischer Bedeutung sind. Wir haben dann weitere Analysen durchgeführt und die Patienten noch stärker selektioniert, das heißt, wir schlossen seltenere KRASMutationen und N-RAS-Mutationen aus. Auch bei dieser Selektion waren die Remissionsraten und die progressionsfreie Zeit in beiden Armen gleich, die Werte fürs Gesamtüberleben gingen aber noch weiter auseinander. Der Unterschied im Gesamtüberleben betrug 7,5 Monaten zugunsten der Anti-EGFR-Therapie. Das Ergebnis fiel durch die Selektion also noch deutlicher aus. Zudem wurde klar, dass Patienten mit RAS-Mutationen keinen Vorteil durch die anti-EGFR-Therapie haben. Die vorliegenden Daten untermauern daher noch einmal unsere Empfehlung der primären RASMutationsmessung.

Was bedeuten Ihre Befunde für die Personalisierung der Therapie beim metastasierten Darmkrebs?

Prof. Heinemann: Als Grundlage für die Therapie des metastasierten kolorektalen Karzinoms muss man sicher die molekularpathologische KRAS-Mutationstestung als die wichtigste Neuerung sehen. Die KRAS-Mutationsanalytik hat sich etabliert; jetzt entwickelt sie sich zur erweiterten RASMutationsanalytik. Jeder Patient und jeder Arzt sollte vor Beginn der Erstlinientherapie das Ergebnis dieses Tests vorliegen haben. Gerade in dieser Phase der Erkrankung beeinflusst die Wahl der Therapie den Krankheitsverlauf am stärksten. Das heißt, die Therapieentscheidung sollte unbedingt auf der Basis dieser RAS-Testung erfolgen. Die Ergebnisse der FIRE-3-Studie sind sicher ermutigend für Patienten mit RAS-Wildtyp-Status.

Aber wie sieht denn die Situation für die Patienten mit RAS-Mutationen aus?

Prof. Heinemann: Bei den Patienten mit einer RAS-Mutation ‒ das sind immerhin 50% aller Patienten mit einem metastasierten Darmkrebs ‒ ist die Situation deutlich offener, Wir setzen momentan fast reflexartig Chemotherapien und antiangiogenetische Strategien ein. Ob das so korrekt ist, wissen wir aber nicht genau; an dieser Stelle sind neue Studien notwendig.

Sind denn weitere Analysen der FIRE-3-Studie in Arbeit?

Prof. Heinemann: Möglicherweise ist die Tiefe der Remission unter einer Cetuximab-Therapie ausgeprägter als unter einer rein antiangiogenetischen Behandlung. Diese Frage wollen wir klären und in einer zentralen Analyse nachtesten. Ein wichtiges Thema für die Zukunft ist sicher auch die Frage, ob Männer und Frauen unterschiedlichen Nutzen von der Therapie haben. Momentan gibt es auch Hinweise darauf, dass Patienten mit einem linksseitigen Tumor deutlich stärker von einer Anti-EGFR-Therapie profitieren. Diese Analysen werden voraussichtlich beim nächsten ASCO-Kongress vorgestellt.

Vielen Dank!

Pressematerialien zu den Haupt-Pressekonferenzen des DKK 2014
Das Kurz-Interview mit Prof. Volker Heinemann wurde von Springer Medizin im Vorfeld des DKK 2014 geführt.
Renate Babnik, Tel: 030 / 322 9329-25, eMail: presse@dkk2014.de
21.02.2014
22.06.2017, 11:21 | tsc
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