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  • Thomas Schönemann

Prof. Walter Neupert

Stets geforscht und stets gegründet

Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Walter Neupert. © Foto: Ernst-Jung-Stiftung
Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Walter Neupert. © Foto: Ernst-Jung-Stiftung

Mit der Ernst Jung-Medaille für Medizin in Gold zeichnet die Stiftung das wissenschaftliche Lebenswerk von Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Walter Neupert (75) aus. Der renommierte Zellbiologe ist emeritierter Professor für Physiologische Chemie an der Ludwig-Maximilians-Universität München und seit 2008 am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried tätig. Im Zentrum seiner Arbeiten standen und stehen die Mitochondrien menschlicher Zellen und deren Fehlfunktionen.

Für seine wegweisenden Beiträge zur Aufklärung der Biogenese von Mitochondrien zeichnet die Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Walter Neupert mit der Ernst Jung-Medaille für Medizin in Gold aus.

Was für uns die Lunge ist, sind für unsere Zellen die Mitochondrien. Mit ihnen findet die Zellatmung statt, ein Prozess, bei dem die von uns aufgenommenen Nahrungsstoffe in nutzbare Energie umgewandelt werden. Diese Energie ist für unseren Körper lebenswichtig, so wird sie beispielsweise für alle Stoffwechselprozesse, die Funktion der Muskeln und die Aufrechterhaltung der Körpertemperatur benötigt. Funktionsgestörte Mitochondrien können neurologische oder muskuläre Erkrankungen hervorrufen sowie Diabetes, Fettleibigkeit und unterschiedliche Tumorformen bedingen. Umso entscheidender ist es zu verstehen, wie Mitochondrien „ticken“: Wie entstehen sie, wie vermehren sie sich, wie setzen sie sich zusammen, was könnte ihre Funktion beeinträchtigen? Der renommierte Zellbiologe Prof. Neupert hat diese Fragestellungen in den Mittelpunkt seiner nun 45-jährigen Forschungskarriere gestellt – und tut dies auch heute noch am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried in München.

Mitochondrien können nicht von neu auf gebildet werden, sondern vermehren sich durch Teilung. In den 1970er Jahren leistete Prof. Neupert Pionierarbeit, indem er den Mechanismus aufdeckte, der für die Teilung und somit für die für unseren Körper lebenswichtige Vermehrung von Mitochondrien verantwortlich ist. Darauf aufbauend machte Prof. Neupert in den letzten 35 Jahren eine Serie weiterer Entdeckungen, die maßgeblich zum heutigen Verständnis des in den Mitochondrien stattfindenden Membrantransports von Proteinen beigetragen haben. Die dabei gewonnenen Einsichten liefern wichtige Anstöße für die Entwicklung von Therapien beispielsweise für Erbkrankheiten in denen das Genom der Mitochondrien Defekte aufweist.

Die Ernst Jung-Medaille für Medizin in Gold ist eine symbolische Würdigung dieses beeindruckenden Lebenswerkes. Mit der Auszeichnung erhält Prof. Neupert zudem einen Betrag in Höhe von 30.000 Euro, den er an einen Nachwuchswissenschaftler seiner Wahl vergeben kann.

Auch von anderer Seite wurde Prof. Neupert bereits mit zahlreichen Preisen geehrt und sein Sachverstand hat ihn zur Mitgliedschaft in wichtigen nationalen und internationalen Wissenschaftsgremien geführt. Von 1995 bis 1997 war er Präsident der Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie, von 1997 bis 2000 Chairman des European Molecular Biology Councils. Als Lehrmeister für die kommenden Forschergenerationen gab er sein Wissen als Universitätsprofessor in Göttingen und München weiter, zuletzt – bis 2010 – als Professor für Physiologische Chemie an der Ludwigs-Maximilian-Universität München. Seit 2008 leitet er am Max-Planck-Institut für Biochemie die Forschungsgruppe „Struktur und Funktionen von Mitochondrien“ und erforscht hier die molekularen Grundlagen der komplexen mitochondrialen Architektur und ihrer Dynamik. 

Weitere Informationen

Große Forscher haben große Vorbilder. Für Prof. Neupert ist es George Emil Palade, der Begründer der modernen molekularen Zellbiologie und Nobelpreisträger von 1974. Den inneren Antrieb für seine Forschungsarbeit zieht Prof. Neupert schlicht aus seiner „wissenschaftlichen Neugier“ und dem Anspruch „einen Beitrag zur medizinischen Grundlagenforschung zu leisten“.

Mit viel Bewegung in der Natur sowie Musik von Haydn oder Mozart verschafft er sich den nötigen Ausgleich zur Forschung. Sein persönliches Lebensmotto beschreibt Prof. Neupert mit einem Spruch von Johann Wolfgang von Goethe – einem Spruch, der wie für das Leben eines Forschers gedichtet ist:

Weite Welt und breites Leben,
Langer Jahre redlich Streben,
Stets geforscht und stets gegründet,
Nie geschlossen, oft geründet,
Ältestes bewahrt mit Treue,
Freundlich aufgefasstes Neue,
Heitern Sinn und reine Zwecke:
Nun! man kommt wohl eine Strecke.

Ernst Jung-Preisträger 2015.
Ernst Jung-Preisträger 2015. © Foto: Ernst-Jung-Stiftung

Hintergrundinformationen zur Preisverleihung

Die Hamburger Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung gibt heute die Empfänger ihrer diesjährigen Auszeichnungen für Spitzenmedizin bekannt. Die drei Preise in Höhe von insgesamt 540.000 Euro zeichnen richtungweisende medizinische Entdeckungen aus und honorieren Projekte, die dem medizinischen Fortschritt und der Entwicklung neuer Therapiemöglichkeiten dienen. 

Der mit 300.000 Euro dotierte Ernst Jung-Preis für Medizin geht an Prof. Dr. Emmanuelle Charpentier (46), Mikrobiologin am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig und Humboldt-Professorin an der Medizinischen Hochschule Hannover. Die Französin ist Mit-Entdeckerin der Gen-Editierungs-Technologie “CRISPR-Cas9”, welche es ermöglicht Gene menschlicher Zellen gezielt zu modifizieren. Ein Ansatz, der langfristig die Möglichkeit zur individualisierten Therapie von Erbkrankheiten oder Infektionskrankheiten wie Aids in Aussicht stellt.

Mit der Ernst Jung-Medaille für Medizin in Gold zeichnet die Stiftung das wissenschaftliche Lebenswerk von Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Walter Neupert (75) aus. Der renommierte Zellbiologe ist emeritierter Professor für Physiologische Chemie an der Ludwig-Maximilians-Universität München und seit 2008 am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried tätig. Im Zentrum seiner Arbeiten standen und stehen die Mitochondrien menschlicher Zellen, deren Fehlfunktionen sich in Stoffwechselstörungen wie Diabetes oder Nervenerkrankungen äußern können.

Den Ernst Jung-Karriere-Förderpreis für medizinische Forschung in Höhe von insgesamt 210.000 Euro erhält Dr. Behzad Kharabi Masouleh (34), Assistenzarzt an der Klinik für Onkologie, Hämatologie, Hämostaseologie und Stammzelltransplantation des Universitätsklinikums Aachen. Der gebürtige Iraner arbeitet an der Aufklärung von Signalstrukturen leukämischer Stammzellen, die ein Wiederauftreten von Leukämie (Blutkrebs) und damit therapeutische Misserfolge bedingen.

Am 8. Januar 2015 jährt sich der Todestag Ernst Jungs zum 39. Mal. Um des Stifters zu gedenken, werden alljährlich an diesem Tag die neuen Preisträger bekannt gegeben. Die feierliche Verleihung der Preise findet am 8. Mai 2015 in Hamburg statt.

Über die Preise

Der Ernst Jung-Preis für Medizin zählt mit einem Förderbetrag von 300.000 Euro zu einem der höchstdotieren Medizinpreise Europas. Die 1967 gegründete Stiftung unterstützt bereits seit 1976 Forschungsprojekte von Spitzenwissenschaftlern durch diese Auszeichnungen.

Die Vergabe der Ernst Jung-Medaille für Medizin in Gold wurde 1990 von der Stiftung beschlossen. Sie versteht sich als Ehrung für die weitgehend abgeschlossene Lebensleistung von Forschern, deren Schaffen bedeutende Erkenntnisse für neue medizinische Therapiemöglichkeiten hervorgebracht hat. Ein Preis von besonderer Symbolkraft – aber nicht nur: Der Preisträger erhält zusammen mit der Medaille das Privileg, einen Nachwuchswissen­schaftler auszuwählen, dem ein Stipendium in Höhe von derzeit 30.000 Euro zur Verfügung gestellt wird.

Der Ernst Jung-Karriere-Förderpreis zählt in seiner Kategorie ebenfalls zu Europas führenden Medizinpreisen. Er wird 2015 zum zehnten Mal vergeben und zielt darauf ab, den Wissenschaftsstandort Deutschland zu stärken. Das Preisgeld in Höhe von 210.000 Euro ermöglicht es hochqualifizierten deutschen Nachwuchsmedizinern, die zuvor lange Zeit im Ausland tätig waren, ihre Forschungsprojekte hierzulande fortzusetzen und zu vertiefen. Im Gegensatz zu den beiden anderen Auszeichnungen der Jung-Stiftung, deren Preisträger durch das wissenschaftliche Kuratorium nominiert werden, können sich Nachwuchsforscher für den Ernst Jung-Karriere-Förderpreis eigenständig bewerben.

Forschung fördern, weil aus Forschung Heilung wird
Die Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung 

Es gehört zu den in den Statuten festgeschriebenen Zielen der Jung-Stiftung, Wissenschaftler und Projekte zu prämieren, die durch ihre Arbeit Fortschritte in der medizinischen Therapie vorbereiten oder – im Falle der Ernst Jung-Medaille für Medizin in Gold – bereits bewirkt haben. Denn für Ernst Jung, den Gründer der Stiftung, stand in der Humanmedizin stets das Ideal des Humanen im Mittelpunkt: Leiden zu verhindern, zu heilen oder zu lindern. Deshalb ist der Transfer von der Theorie zur Therapie ein zentrales Anliegen der Stiftung.

Der Reeder und Kaufmann Ernst Jung (1896 – 1976) gehört zu den Unternehmern, die Hamburgs Wirtschaftsgeschichte in den Nachkriegsjahren entscheidend mitgestaltet haben. Weltoffen und offen für Innovationen setzte sich Ernst Jung stets für technische Neuerungen und soziale Projekte ein. Auch Engagement für die Gesundheit und die Gemeinschaft prägten sein philanthropisches Wirken. Bereits 1967 investierte er einen bedeutenden Teil seines Vermögens, um die Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung ins Leben zu rufen. Seit 1975 widmet sie sich ausschließlich der Humanmedizin. die durch ihre Arbeit Fortschritte in der medizinischen Therapie vorbereiten oder – im Falle der Ernst Jung-Medaille für Medizin in Gold – bereits bewirkt haben. Denn für Ernst Jung, den Gründer der Stiftung, stand in der Humanmedizin stets das Ideal des Humanen im Mittelpunkt: Leiden zu verhindern, zu heilen oder zu lindern. Deshalb ist der Transfer von der Theorie zur Therapie ein zentrales Anliegen der Stiftung. Der Reeder und Kaufmann Ernst Jung (1896 – 1976) gehört zu den Unternehmern, die Hamburgs Wirtschaftsgeschichte in den Nachkriegsjahren entscheidend mitgestaltet haben. Weltoffen und offen für Innovationen setzte sich Ernst Jung stets für technische Neuerungen und soziale Projekte ein. Auch Engagement für die Gesundheit und die Gemeinschaft prägten sein philanthropisches Wirken. Bereits 1967 investierte er einen bedeutenden Teil seines Vermögens, um die Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung ins Leben zu rufen. Seit 1975 widmet sie sich ausschließlich der Humanmedizin.

Pressemitteilung Jung-Stiftung
JMK Muth Kommunikation GmbH, Agentur für Öffentlichkeitsarbeit, Hopfenburg, Hopfensack 19, 20457 Hamburg, Tel.: 040 / 3070 70720, Fax: 040 / 3070 70701, eMail: muthkomm@muthkomm.de
08.01.2015
22.06.2017, 11:21 | tsc
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