• Personalien [+]
  • Thomas Schönemann

Prof. Dr. Christine Spitzweg

Van-Meter-Award für Prof. Christine Spitzweg

Prof. Dr. Christine Spitzweg. © Foto: Klinikum der Universität München
Prof. Dr. Christine Spitzweg. © Foto: Klinikum der Universität München

Das Ziel ihrer Arbeiten: Die seit Jahrzehnten bewährte Diagnostik und Therapie von Schilddrüsen-Tumoren mit radioaktivem Jod auch auf andere Krebsarten zu übertragen – und zwar mit Hilfe von NIS. Denn auch radioaktive Jod-Teilchen wandern über den NIS in die Schilddrüse ein. Dort zerstören sie die Krebszellen gezielt und damit weitgehend ohne Nebenwirkungen, weil das gesunde Gewebe des Körpers von der radioaktiven Strahlung verschont wird.

Als erste nicht in den USA tätige europäische Forscherin seit 1957 erhält Prof. Dr. Christine Spitzweg den renommierten „Van-Meter-Preis“, der seit 1930 jährlich für herausragende wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der Schilddrüse von der amerikanischen Schilddrüsen-Gesellschaft (American Thyroid Association) verliehen wird. Die Ärztin wird geehrt aufgrund ihrer international renommierten, herausragenden wissenschaftlichen Arbeiten auf diesem Gebiet. In der Zunft der Schilddrüsenforschung kommt das einem Ritterschlag gleich. „Natürlich bin ich stolz auf diese Auszeichnung und freue mich sehr darüber“, erklärt Spitzweg. Sie forscht, lehrt und behandelt an der Medizinischen Klinik II am Klinikum der Universität München unter Leitung von Prof. Dr. Göke und ist Leiterin des interdisziplinären Schilddrüsenzentrums am Klinikum der Universität München sowie Ko-Leiterin des Zentrums für neuroendokrine Tumoren. Sie ist nach Aussage des renommierten Schilddrüsen-Forschers Prof. Dr. John Morris von der Mayo-Klinik in den USA „die beste und produktivste Wissenschaftlerin, die aus meinem Labor hervor gegangen ist.“ Als erste nicht in den USA tätige Professorin ist Frau Spitzweg zudem aufgrund ihrer international anerkannten klinischen und wissenschaftlichen Expertise auf dem Gebiet der Schilddrüse beim diesjährigen Jahrestreffen der American Thyroid Association in das Direktoren-Gremium der amerikanischen Schilddrüsen-Gesellschaft gewählt worden.

Christine Spitzwegs wissenschaftliches Schicksal heißt kurzerhand NIS. NIS steht im Englischen für „Sodium(Na)-Iodide-Symporter“. Das ist ein Molekül auf der Oberfläche von Schilddrüsenzellen, das Jod-Ionen aus dem Blut in die Zelle befördert. Bekanntlich braucht die Schilddrüse ausreichend Jod für die Synthese der Schilddrüsenhormone und die Regulation des Schilddrüsenwachstums. Das Gen für den NIS wurde schon 1996 entdeckt und für die wissenschaftliche Forschung zugänglich gemacht. „Das war einer der Meilensteine in der Schilddrüsenforschung in den vergangenen Jahrzehnten überhaupt“, wie die Van-Meter-Preisträgerin erklärt.

Seitdem lässt NIS die Forscherin nicht mehr los – mit einer erstaunlichen Entwicklung, „die ich damals natürlich nicht geahnt habe“, wie sie selbst sagt. Zunächst hat Christine Spitzweg den NIS in verschiedenen Schilddrüsenerkrankungen untersucht sowie dessen Regulationsmechanismen. Dann hat sie mit ihrem Team gezeigt, dass NIS auch in anderen Geweben im Körper nachgewiesen werden kann – zum Beispiel im Brustgewebe der Frau, in Speichel- und Tränendrüsen sowie in der Niere.

Infolge jener bemerkenswerten Ergebnisse in der frühen NIS-Ära wurde John Morris auf die damalige Nachwuchswissenschaftlerin aufmerksam und holte sie gefördert durch ein Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft an die Mayo-Klinik. Das Ziel ihrer Arbeiten: Die seit Jahrzehnten bewährte Diagnostik und Therapie von Schilddrüsen-Tumoren mit radioaktivem Jod auch auf andere Krebsarten zu übertragen – und zwar mit Hilfe von NIS. Denn auch radioaktive Jod-Teilchen wandern über den NIS in die Schilddrüse ein. Dort zerstören sie die Krebszellen gezielt und damit weitgehend ohne Nebenwirkungen, weil das gesunde Gewebe des Körpers von der radioaktiven Strahlung verschont wird. Die Idee: Das Gen für den NIS im Zuge einer Gentherapie auch in die entarteten Zellen von Tumoren außerhalb der Schilddrüse einzuschleusen, so dass auch sie das Jod-Transportsystem in ihre äußere Hülle einbauen und das radioaktive Jod einschleusen – und sich so selbst zerstören.

Was sich kinderleicht liest, ist in Wahrheit eine Herkules-Aufgabe. Seit 2001 wieder in München, hat die neue Van-Meter-Preisträgerin akribisch und beharrlich verschiedene Methoden im Tiermodell getestet, um die Idee in die Praxis umzusetzen (siehe "Weitere Informationen"). Mit einem möglichen Nutzen für Patienten: Das erste dieser Verfahren testet die Mayo-Klinik gerade mit Prostatakrebs-Patienten, deren Tumor in der Prostata lokal zurückgekehrt ist. Auch mit ihren neueren Verfahren, die zielgenauer und damit risikoärmer sind und sich insbesondere auch bei Tumoren mit Tochtergeschwülsten anwenden lassen, hofft Christine Spitzweg auf „eine erste klinische Studie mit Krebs-Patienten bei uns am Klinikum der Universität München in den kommenden zwei bis drei Jahren.“ Ein exzellentes Beispiel dafür, wie medizinische Spitzenforschung therapeutisch umgesetzt werden kann.

Ansprechpartner:

Prof. Dr. med. Christine Spitzweg
Leiterin des Schilddrüsenzentrums (ISKUM)
Co-Leiterin des Neuroendokrinen Tumorzentrums (GEPNET-KUM)
Medizinische Klinik und Poliklinik II
Klinikum der Universität München (LMU) – Campus Großhadern
Tel.: 089 / 4400-0
eMail: Christine.Spitzweg@med.uni-muenchen.de
Homepage: http://www.klinikum.uni-muenchen.de

Philipp Kressirer, Kommunikation und Medien, Klinikum der Universität München
Philipp Kressirer, Leiter Stabsstelle Kommunikation und Medien, Tel.: 089 / 4400 - 58070, Fax: 089 / 4400 - 58072, eMail: philipp.kressirer@med.uni-muenchen.de
12.11.2014
22.06.2017, 11:21 | tsc
Zurück