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  • Thomas Schönemann

Tom Bretschneider

Wirkstoff-Forscher erhält Leibniz-Nachwuchspreis

Der Leibniz-Nachwuchspreisträger 2014 Tom Bretschneider bei der Arbeit an einem MALDI/TOF-Massenspektrometer am Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut. © Foto: HKI/Kunath
Der Leibniz-Nachwuchspreisträger 2014 Tom Bretschneider bei der Arbeit an einem MALDI/TOF-Massenspektrometer am Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut. © Foto: HKI/Kunath

Es ist die große pharmazeutische Frage des 21. Jahrhunderts, welcher sich Tom Bretschneider in seiner Doktorarbeit widmet: Wie können neue Wirkstoffe für zukünftige Medikamente gefunden und entwickelt werden? In der Natur existieren viele Substanzen, die wegen ihrer Wirkung beispielsweise gegen Tumore oder Infektionen interessant für die Medizin sind.

Deutsch oder Geschichte? Ein Graus. Spannend sind für Tom Bretschneider in der Schule lediglich Mathematik, Biologie, Chemie und Physik. Während er also in Geschichte das Auswendiglernen scheut, baut er in Physik selbst ein Radio. Und auch nach der Schule hält er sich an seine Stärken, studiert Biotechnologie und promoviert in Biochemie. Keine schlechte Entscheidung: Tom Bretschneider wurde nun mit dem Nachwuchspreis der Leibniz-Gemeinschaft ausgezeichnet.

Es ist die große pharmazeutische Frage des 21. Jahrhunderts, welcher sich Tom Bretschneider in seiner Doktorarbeit widmet: Wie können neue Wirkstoffe für zukünftige Medikamente gefunden und entwickelt werden? In der Natur existieren viele Substanzen, die wegen ihrer Wirkung beispielsweise gegen Tumore oder Infektionen interessant für die Medizin sind. Diese Substanzen werden unter anderem von Bakterien gebildet und haben einen genauen Bauplan. Wissenschaftler können diesen erforschen und verändern, je nachdem wie sich ein nützlicher Wirkstoff gewinnen lässt.

Auch der 28-jährige Tom Bretschneider beschäftigt sich mit solchen Bauplänen. Sein Interesse weckt hierbei ein bestimmter Schritt im Bauplan des Naturstoffes Rhizoxin, welches in Reispflanzen vorkommt. Er erforschte wie eine bestimmte Gruppe im Rhizoxin, die ausschlaggebend für seine medizinische Wirkung ist, gebildet wird. Und entdeckte dabei ein völlig neues Prinzip der Kettenverzweigung in Naturstoffen. Seine Promotion wird nicht nur mit „Summa cum laude“ ausgezeichnet, sondern seine Forschung auch in internationalen Fachzeitschriften wie Nature oder Nature Chemical Biology veröffentlicht. Zum Festakt der diesjährigen Leibniz-Jahrestagung am 27. November in Berlin wurde er nun für seine überdurchschnittliche Promotionsleistung mit dem Nachwuchspreis der Leibniz-Gemeinschaft in der Kategorie „Natur- und Technikwissenschaften“ ausgezeichnet.

Die Welt der Biochemie und Pharmazie lernt Tom Bretschneider eher durch Zufall kennen: „Mein Vater hat immer in unterschiedlichen Firmen gearbeitet. Mal war es in der Papierindustrie, mal im Maschinenbau. Ich durfte ihn als Kind oft dort besuchen, was meistens nicht so spannend war. Aber irgendwann ist er dann in der Pharmaindustrie gelandet und ich habe das erste Mal gesehen, wie diese kleinen Kapseln hergestellt werden. Das fand ich ungeheuer spannend!“ Es ist also kein Zufall mehr, dass er sich 2005 für ein Biotechnologie-Studium an der Ernst-Abbe-Fachhochschule Jena einschreibt und nach seinem Abschluss dort am Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut (HKI) für eine Promotion anheuert.

Nach der erfolgreichen Doktorarbeit zieht es Tom zurück in die Produktion von Medikamenten. „In der Wissenschaft habe ich an Stoffen gearbeitet, von denen ich nicht wusste, ob sie in nächster Zeit von der Medizin genutzt werden können. Ich möchte aber lieber daran arbeiten, den Menschen das Leben so schnell wie möglich zu erleichtern.“ Seit Ende 2013 arbeitet er in einem schwäbischen Pharmaunternehmen als Postdoc.

Der Nachwuchspreis der Leibniz-Gemeinschaft wird jährlich in den Kategorien „Natur- und Technikwissenschaften“ sowie „Geistes- und Sozialwissenschaften“ an zwei junge Wissenschaftler mit überdurchschnittlichen Promotionsleistungen vergeben. Er ist jeweils mit 3.000 Euro dotiert. Die Auswahl der Preisträger trifft eine zwölfköpfige Jury. Schon 2006 ging ein Leibniz-Nachwuchspreis nach Jena: Andrea Walther wurde für ihre Forschung an krankmachenden Hefepilzen ausgezeichnet.

Originalpublikationen

Bretschneider T, Heim JB, Heine D, Winkler R, Busch B, Kusebauch B, Stehle T, Zocher G, Hertweck C (2013) Vinylogous chain branching catalysed by a dedicated polyketide synthase module. Nature 502, 124.

Bretschneider T, Zocher G, Unger M, Scherlach K, Stehle T, Hertweck C (2012) A ketosynthase homolog uses malonyl units to form esters in cervimycin biosynthesis. Nat Chem Biol 8, 154.

Weitere Informationen

http://www.leibniz-hki.de
http://www.leibniz-gemeinschaft.de

Tina Kunath, Pressestelle, Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie - Hans-Knöll-Institut (HKI)
Dr. Michael Ramm, Telefon: 03641-5321011, Fax: 03641-5320801, eMail: michael.ramm@hki-jena.de
02.12.2014
22.06.2017, 11:21 | tsc
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