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Merck Serono

Phase-II-Studie mit Anti-PD-L1-Antikörper MSB0010718C bei metastasierendem Merkelzellkarzinom gestartet

Pyramide mit Logo, Darmstadt. © Merck KGaA, Darmstadt Deutschland
Pyramide mit Logo, Darmstadt. © Merck KGaA, Darmstadt Deutschland

Erster Patient erhält Behandlung im Rahmen einer internationalen Phase-II-Studie zur Untersuchung der Wirksamkeit und Sicherheit von MSB0010718C bei Patienten mit metastasierendem Merkelzellkarzinom (mMCC). mMCC ist ein seltener, aggressiver Typ von Hautkrebs, für den es keine wirksamen Behandlungsmöglichkeiten gibt. MSB0010718C wird derzeit ebenfalls in einer klinischen Phase-I-Studie in sieben verschiedenen Kohorten zur Behandlung von soliden Tumoren untersucht. Insgesamt sollen 590 Patienten rekrutiert werden.

Merck Serono, die biopharmazeutische Sparte von Merck, hat heute den Start einer internationalen Phase-II-Studie zur Untersuchung der Wirksamkeit und Sicherheit von MSB0010718C bekannt gegeben. Hierbei handelt es sich um einen in der Entwicklung befindlichen, rein humanen, monoklonalen IgG1-Antikörper, der an den programmierten Zelltod-Liganden 1 (PD-L1) bindet. In diese multizentrische, einarmige, offene Studie werden Patienten mit metastasierendem Merkelzellkarzinom (mMCC), einem seltenen, aggressiven Hauttumor,1,2 eingeschlossen, die vorher eine Chemotherapie erhalten haben. An der Studie sollen insgesamt 84 Patienten aus den Regionen Asien-Pazifik, Australien, Europa und Nordamerika teilnehmen. Primärer Endpunkt der Studie ist das Gesamtansprechen.

Der PD-L1/PD-1 Signalweg ist als einer der Hauptmechanismen daran beteiligt, dass Tumore der Eliminierung durch das Immunsystem entgehen.3 Das PD-L1-Molekül wird von vielen Tumortypen einschließlich dem mMCC exprimiert.3,4 MSB0010718C blockiert die Interaktion von PD-L1 mit seinem Rezeptor PD-1 und könnte eine wirksame T-Zell-vermittelte Tumorbekämpfung durch das Immunsystem wiederherstellen und dadurch Tumorwachstum hemmen.
Immunmechanismen sind an der Pathogenese des MCC beteiligt, wobei bei immunsupprimierten Personen ein höheres Risiko beobachtet wird.5 Das MCC steht außerdem im Zusammenhang mit dem Merkelzellpolyomavirus, das bei der Tumorentstehung eine Rolle spielen könnte.6 Die weltweite Inzidenz von MCC ist steigend und die erkrankten Patienten haben eine schlechte Prognose.1,2 Daher sind neue Ansätze nötig, um die Behandlungsergebnisse für Patienten mit dieser Krebsart zu verbessern. „Wir halten eine am PD-L1 ansetzende Immunmodulation für einen vielversprechenden neuen Ansatz zur Behandlung dieser aggressiven Krebsart. Dies gilt vor allem vor dem Hintergrund, dass viele prädisponierende Faktoren für mMCC mit einer Funktionsstörung des Immunsystems zusammenzuhängen scheinen”, sagte Helen Sabzevari, Senior Vice President der Immunonkologie-Plattform bei Merck Serono. „Unsere gegen PD-L1 gerichtete Substanz könnte ein neuer Ansatz für die Behandlung von Patienten mit mMCC sein. Der Beginn dieser Phase-II-Studie ist ein wichtiger Meilenstein in unserem Bestreben, den an mMCC erkrankten Menschen zu helfen. Bei dieser gravierenden Erkrankung besteht nach wie vor ein hoher medizinischer Bedarf.”

Neben dieser neuen Studie bei mMCC wird MSB0010718C aktuell in einer klinischen Phase-I-Studie für die Behandlung von soliden Tumoren untersucht. Die Studie mit einer geplanten Rekrutierungszahl von 590 Patienten hat bisher 422 Patienten aufgenommen. Am 1. Juni 2014 stellte Merck Serono im Rahmen der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago (USA) erste Daten dieser Dosisfindungsstudie bei soliden Tumoren vor.7 Diese Studie rekrutiert derzeit Patienten für Expansionskohorten zu sieben Tumortypen: kastrationsresistentes Prostatakarzinom, Kolorektalkarzinom, Magenkarzinom/gastroösophageales Karzinom, Melanom, metastasierendes Mammakarzinom, nicht-kleinzelliges Bronchialkarzinom und Ovarialkarzinom.

Literatur

  1. Hughes MP, et al. Curr Dermatol Rep 2014;3:46–53.
  2. Kaae J, et al. J Natl Cancer Inst 2010;102(11):793–801.
  3. Lipson EJ, et al. Cancer Immunol Res 2013;1(1):54-63.
  4. McDermott DF and Atkins MB. Cancer Med 2013; 2(5):662–73.
  5. Bhatia S, et al. Curr Oncol Rep 2011;13(6):488-97.
  6. Feng H, et al. Science 2008;319(5866):1096–100.
  7. Heery CR, et al. J Clin Oncol 2014;32:5(Suppl.) Abstract No. 3064.

MSB0010718C

MSB0010718C ist ein in der Entwicklung befindlicher, rein humaner monoklonaler IgG1-Antikörper, der an das PD-L1-Protein, dem Liganden 1 für programmierten Zelltod, bindet. Dieses wird bei vielen Tumorarten in hohem Maße exprimiert. Durch kompetitive Blockierung der Interaktion mit den PD-1-Rezeptoren soll MSB0010718C die T-Zell-vermittelte Tumorabwehr wiederherstellen.

Merkelzellkarzinom (MCC)

Das MCC ist eine seltene und aggressive Erkrankung, bei der sich Krebszellen auf der obersten Hautschicht in unmittelbarer Nähe zu den Nervenenden bilden. Das MCC, das auch als kutanes neuroendokrines Karzinom oder trabekuläres Karzinom bezeichnet wird, nimmt seinen Anfang oft in Hautarealen, die der Sonne am meisten ausgesetzt sind wie Kopf und Nacken, Arme, Beine und Rumpf. Zu den Risikofaktoren für MCC zählen Sonnenexposition und ein geschwächtes Immunsystem. So kommt das MCC häufiger bei organtransplantierten Patienten, HIV-Infizierten und AIDS-Patienten sowie Personen mit anderen Krebserkrankungen wie der chronisch lymphozytären Leukämie vor. Hellhäutige Männer im Alter von über 50 Jahren haben ein erhöhtes Risiko. Das MCC neigt bereits im frühen Erkrankungsstadium zu Metastasierung und breitet sich zunächst auf nahegelegene Lymphknoten aus und danach potentiell auf entferntere Regionen im Köper wie andere Lymphknoten oder Hautareale, Lunge, Gehirn, Knochen oder andere Organe. Für die Therapie des MCC stehen als aktuelle Behandlungsmöglichkeiten eine chirurgische Intervention, Strahlentherapie und Chemotherapie zur Verfügung. Die Behandlung von metastasierendem MCC oder MCC vom Stadium IV erfolgt grundsätzlich palliativ.

Merck Serono

Merck Serono ist die biopharmazeutische Sparte von Merck. Mit Hauptsitz in Darmstadt bietet die Sparte führende Marken in 150 Ländern an, um Patienten mit Krebserkrankungen, Multipler Sklerose, Kinderwunsch, endokrinologischen Störungen, Stoffwechselerkrankungen sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu helfen. In den Vereinigten Staaten und in Kanada handelt EMD Serono als rechtlich selbständige Tochtergesellschaft von Merck Serono. Merck Serono erforscht, entwickelt, produziert und vermarktet verschreibungspflichtige Arzneimittel für Facharzt-Therapiegebiete sowohl synthetischen als auch biologischen Ursprungs. Wir engagieren uns unermüdlich für die Bereitstellung neuartiger Therapien in unseren Schwerpunktgebieten Neurologie, Onkologie, Immunonkologie und Immunologie. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.merckserono.com

Merck ist ein führendes Unternehmen für innovative und hochwertige Hightech-Produkte in den Bereichen Pharma und Chemie. Mit seinen vier Sparten Merck Serono, Consumer Health, Performance Materials und Merck Millipore erwirtschaftete Merck im Jahr 2013 Gesamterlöse von rund 11,1 Mrd €. Rund 38.000 Mitarbeiter arbeiten für Merck in 66 Ländern daran, die Lebensqualität von Patienten zu verbessern, den Erfolg seiner Kunden zu steigern und einen Beitrag zur Lösung globaler Herausforderungen zu leisten. Merck ist das älteste pharmazeutisch-chemische Unternehmen der Welt – seit 1668 steht das Unternehmen für Innovation, wirtschaftlichen Erfolg und unternehmerische Verantwortung. Die Gründerfamilie ist bis heute zu rund 70 Prozent Mehrheitseigentümerin des Unternehmens. Merck mit Sitz in Darmstadt besitzt die globalen Rechte am Namen und der Marke Merck. Ausnahmen sind Kanada und die USA, wo das Unternehmen unter der Marke EMD bekannt ist.

Pressemitteilung Merck / Merck Serono
Cornelia Bartels, Tel.: 06151 / 72-3890
29.07.2014
22.06.2017, 11:21 | tsc
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