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Norddeutscher Rundfunk

Bundesgesundheitsminister Gröhe mahnt im NDR bessere Versorgung von Kassenpatienten an

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe. © Foto: Bundesregierung / Steffen Kugler
Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe. © Foto: Bundesregierung / Steffen Kugler

Zwei Drittel der Fachärzte benachteiligen Kassenpatienten, so das Ergebnis einer Recherche für die Sendung "Die Tricks der Ärzte und Apotheker - Weiße Kittel und schwarze Schafe", die das NDR Fernsehen am Montag, 17. November, um 21.00 Uhr zeigt. Die Wartezeit bei einem krebsverdächtigen Muttermal betrug bei einem Hautarzt beispielsweise fast ein halbes Jahr.

Eine Kassenpatientin hätte in manchen Fällen Wochen oder sogar Monate auf die Sprechstunde warten müssen: Bei 40 Prozent der Augenärzte, 80 Prozent der Dermatologen und sogar 83 Prozent der Orthopäden.

Die Privatpatientin dagegen bekam Termine innerhalb kürzester Zeit - oft schon am gleichen Tag. Insgesamt wurden 120 Hautärzte, Orthopäden und Augenärzte in Hamburg und Hannover überprüft. In der Sendung des NDR Fernsehens kritisiert Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe die langen Wartezeiten für Kassenpatienten deutlich.

Besonders problematisch: Auch bei akuten Fällen gab es für die Kassenpatientin oft keinen zeitnahen Termin. Die Wartezeit bei einem krebsverdächtigen Muttermal betrug bei einem Hautarzt beispielsweise fast ein halbes Jahr.

"Ich kann nicht, wenn das Wort akut fällt, sagen, das hat jetzt Zeit", so der Gesundheitsökonom Prof. Gerd Glaeske von der Universität Bremen. Kassenpatienten dürften nicht das Gefühl haben, sie seien Patienten zweiter Klasse.

Im Interview mit dem NDR Fernsehen fordert Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe: "Die 90 Prozent gesetzlich Versicherten in diesem Land, die gute Beiträge zahlen, haben einen Anspruch auf eine gute Versorgung. Deswegen muss es zeitnah geschehen. Deswegen müssen überlange Wartezeiten vermieden werden."

Weitere Recherchen zeigten Unterschiede auch bei der Untersuchung. Vor allem Orthopäden boten der Privatpatientin teure Zusatzbehandlungen an - der Kassenpatientin jedoch nicht. Die Kosten für Untersuchungen waren bei Privatversicherung deshalb um 75 Prozent höher als bei gesetzlicher Versichertung.

"Bei Privatpatienten besteht immer die Gefahr der Überversorgung", warnt Prof. Gerd Glaeske. "Es wird zu schnell diagnostiziert und es wird dann natürlich sehr viel Teures diagnostiziert."

Gegenüber dem NDR Fernsehen räumt die Kassenärztliche Bundesvereinigung Mängel bei der Empfehlung von Zusatzbehandlungen ein. Dem einen oder anderen Arzt gehe es tatsächlich ums Geschäftemachen.

Pressemitteilung NDR
Norddeutscher Rundfunk, Presse und Information, Ralf Pleßmann, Tel,: 040 / 4156-2333
16.11.2014
22.06.2017, 11:21 | tsc
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