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  • Thomas Schönemann

European Health Forum Gastein 2013

Investitionen in Gesundheit sind Bedingung für gesellschaftliche und wirtschaftliche Prosperität

Eurofahne. © Foto: Lupo / pixelio.de
Eurofahne. © Foto: Lupo / pixelio.de

Paola Testori Coggi, Generaldirektorin für Gesundheit und Verbraucherschutz in der EU-Kommission, präsentierte beim European Health Forum Gastein die Kommissionsinitiative „Investing in Health“, die Investitionen in nachhaltige Gesundheitssysteme als zentralen Faktor für Wachstum und die Fähigkeit sieht, den Herausforderungen von Wirtschaftskrise und demografischem Wandel zu begegnen.

Zielgerichtete Investitionen in Gesundheitssysteme seien eine Voraussetzung dafür, dass Menschen ein produktives und aktives Leben führen können, und hätten einen wichtigen Effekt auf die Armutsbekämpfung.

„Gesundheit ist ein Wert an sich und ein entscheidender Faktor für wirtschaftliches Wachstum. Zielgerichtete Investitionen in die Gesundheit der Menschen und die europäischen Gesundheitssysteme sind eine unerlässliche Bedingung für gesellschaftliche Prosperität und die Produktivität der Erwerbsbevölkerung“, sagte Paola Testori Coggi, Generaldirektorin für Gesundheit und Verbraucherschutz (DG SANCO) in der Europäischen Kommission, die beim European Health Forum Gastein (EHFG) die Initiative „Investing in Health“ der Europäischen Kommission vorstellte. „Wie aus dem Bericht zum Jahreswachstum 2013 hervorgeht, kann der Gesundheitssektor ein Jobmotor sein und einen zentralen Beitrag zur Förderung sozialer Inklusion leisten. Investitionen im Gesundheitsbereich kommt daher eine Schlüsselfunktion innerhalb der ‚Europa 2020‘-Strategie mit dem Ziel intelligenten, nachhaltigen und integrativen Wachstums zu.“

„Resiliente und innovative Gesundheitssysteme in Europa“ ist das Motto des diesjährigen EHFG. Mehr als 550 Teilnehmer/-innen aus rund 45 Ländern nutzen Europas wichtigste gesundheitspolitische Konferenz in Bad Hofgastein zum Meinungsaustausch über zentrale Fragen europäischer Gesundheitssysteme.

DG Testori Coggi: „Investitionen in die Gesundheit müssen auf drei Kernbereiche zielen: Erstens brauchen wir Reformen, um die Nachhaltigkeit und Kosteneffektivität in den europäischen Gesundheitssystemen sicherzustellen. Das ist wichtig, wenn diese für die Herausforderungen der Wirtschaftskrise, des demografischen Alterungsprozesses und den Anstieg chronischer Erkrankungen in Europa sowie des damit verbundenen steigenden Pflegebedarfes und Kostenaufwandes für die technologische Entwicklung gewappnet sein sollen. Zweitens sind Investitionen in die Gesundheit der Menschen eine Stärkung des Humankapitals in Europa und damit ein Motor für Produktivität, den Arbeitsmarkt und die Wirtschaft. Und schließlich können Maßnahmen zur Reduktion von Ungleichheiten beim Gesundheitszustand und beim Zugang zur Gesundheitsversorgung zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung beitragen.“

In nachhaltige Gesundheitssysteme investieren

Das Kommissionspapier „Investing in Health“ betont den Zusammenhang von kosteneffektiven Ausgaben und Innovationen zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit von Gesundheitssystemen. „Reformen zur Steigerung der Kosteneffektivität von Gesundheitsleistungen können Schätzungen der OECD zufolge bis 2017 zu Einsparungen im Ausmaß von zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes führen. Ausgaben im Gesundheitsbereich machen beinahe 15 Prozent der gesamten öffentlichen Ausgaben aus. Entscheidungsträger/-innen dürfen gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise und knapper werdender Ressourcen nicht der Falle kurzsichtiger Einsparungen mit negativen Langzeitfolgen erliegen“, so GD Testori Coggi.

Größere Kosteneffektivität könne etwa durch die Reduktion unnötiger Spitalseinweisungen und eines Überschusses an Fachärzten/-innen bei gleichzeitiger Stärkung der ärztlichen Grundversorgung, der Förderung von Generika und von Maßnahmen zur Prävention und Gesundheitsvorsorge erreicht werden.

Investitionen in Gesundheit als Humankapital

„Investitionen in Gesundheit als Investitionen in das europäische Humankapital wirken sich auf die Partizipation der Bürger/-innen am Arbeitsmarkt und dessen Produktivität aus. Schlechte Gesundheit verursacht Arbeitsausfälle. Krankenstände liegen in einer Größenordnung von drei bis sechs Prozent der Gesamtarbeitszeit. Etwa ein Viertel der arbeitslosen Menschen leiden an einer chronischen Erkrankung, die sie in ihren täglichen Aktivitäten einschränkt. Nahezu zehn Prozent der Menschen beendete 2009 eine Beschäftigung aus Gesundheitsgründen. Trotz dieser Zahlen werden auf der anderen Seite nur drei Prozent der aktuellen Gesundheitsausgaben für Prävention und Gesundheitsförderung aufgewendet“, sagte GD Testori Coggi.

Investitionen sollen einerseits helfen, Menschen länger, aktiver und gesünder im Erwerbsleben zu halten, und andererseits das enorme Potenzial des Gesundheitssektor zur Schaffung neuer Jobs zu nutzen. „Bis 2020 könnten im europäischen Gesundheitsbereich acht Millionen Arbeitskräfte fehlen. Während im Jahr 2012 der Bedarf an Arbeitskräften auf dem europäischen Arbeitsmarkt insgesamt zurückging, ist der Bedarf nach Gesundheitsberufen steigend. Zwischen 2008 und 2012 gab es im Gesundheits- und Sozialsektor rund eineinhalb Millionen Neueinstellungen“, so Paola Testori Coggi.

Investieren in eine Reduktion von Ungleichheiten

Ein dritter Kernbereich von „Investing in Health“ ist das Bestreben, Ungleichheiten im Gesundheitsbereich abzubauen. „Einzelne ethnische Minderheiten und Migrant/-innengruppen sind besonders von bestehenden Ungleichheiten betroffen. Deren Reduktion dieser gesundheitlichen Unterschiede ist ein wichtiger Schritt zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und für die Durchbrechung des Teufelskreislaufs von schlechtem Gesundheitszustand und Armut bzw. sozialer Exklusion. Ungleichheiten in der Gesundheit bedeuten immer auch einen Verlust personeller und wirtschaftlicher Potenziale“, so GD Testori Coggi, die eine Berücksichtigung von Gesundheitsfragen und der sozialen Auswirkungen von Gesundheit in allen Teilbereichen der Politik forderte.

Mag. Thea Roth, European Health Forum Gastein
EHFG Pressebüro, Dr. Birgit Kofler, B&K Kommunikationsberatung GmbH, Tel. (während des Kongresses): +43 6432 85105, Mobil: +43 676 636 89 30, Tel. Büro Wien: +43 1 319 43 78 13, eMail: presse@ehfg.org
02.10.2013
22.06.2017, 11:21 | tsc
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