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  • Thomas Schönemann

Das macht mich wahnsinnig

Jens Spahn zu Impfberatung, AMNOG und Arzneimittelpreisen

Jens Spahn, MdB (CDU). © Foto: Stephan Baumann - [1] [2]. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons
Jens Spahn, MdB (CDU). © Foto: Stephan Baumann - [1] [2]. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons

Klare Positionen zu Impfgegnern und dem Stand des AMNOG bezieht das neue CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn im Interview mit dem Branchenmagazin Pharma Fakten. Unter anderem erteilt er der von den Krankenkassen geforderten rückwirkenden Anpassung des Erstattungsbetrages eine klare Absage und fordert eine verantwortungsvolle Preispolitik der Pharmaindustrie.

Höhere Impfquoten bei Kindern durch eine verpflichtende Impfberatung - das ist eines der Ziele des Präventionsgesetzes, dessen Entwurf kurz vor Weihnachten vom Bundeskabinett verabschiedet wurde. So sollen z.B. Masern-Ausbrüche an Schulen oder Kindergärten verhindert werden. Im Interview mit Pharma Fakten fordert Jens Spahn, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU/CSU Fraktion, deshalb eine enge Kooperation vor Ort: Kassen, Kommunen, Ärzte und Kindergärten müssten enger zusammenarbeiten.

"Verbindliche Aufklärung ist das A und O", sagt Spahn gegenüber dem Branchendienst. "Es macht mich wahnsinnig, wenn eigentlich gebildete Eltern die Parolen von Impfgegnern nachbeten. Deshalb werden wir das im Präventionsgesetz regeln", betont das frisch gekürte Präsidiumsmitglied der CDU.

Spahn: Das AMNOG ist richtig

Im Interview mit Pharma Fakten verteidigte Spahn den neuen Weg der Preisfindung bei neuen Medikamenten - der Preis müsse sich nach dem Nutzen richten. Er verstehe, dass die Hersteller mit den verhandelten Preisen "teilweise nicht zufrieden sind". Wichtig ist ihm, dass Innovationen einen ausreichend hohen Zusatznutzen bescheinigt bekommen und ein fairer Preis verhandelt wird: "Das müssen wir sicherstellen, auch durch Weiterentwicklung des gesetzlichen Rahmens", unterstreicht Spahn. Der Forderung der Gesetzlichen Krankenkassen, den im Zuge des AMNOG-Verfahrens verhandelten Preis rückwirkend gelten zu lassen, erteilte er eine Absage: "Wir stehen zu den Grundzügen des AMNOG wie vereinbart." Allerdings erwarte er von den Herstellern Verantwortungsbewusstsein bei der Festlegung des Preises.

Hintergrund dieser Diskussion: Während die Krankenkassen das AMNOG feiern bzw. noch verschärfen wollen, sieht die pharmazeutische Industrie mit Sorge, dass viele AMNOG-bewertete Produkte nur zögerlich beim Patienten ankommen. Und dass der durch das AMNOG ausgelöste Preisdruck mittlerweile so groß ist, dass sich Deutschland im europäischen Vergleich hinten anstellt: Fast die Hälfte der hierzulande ausgehandelten Preise liegen mittlerweile unter dem niedrigsten Preis in Europa.

Im Interview äußert sich Jens Spahn auch zum Reizthema Nummer 1 des auslaufenden Jahres - die Preise für neue Therapien im Bereich Hepatitis C. Die neuen Therapieoptionen seien "unumstritten eine Innovation, die vielen Patienten besser hilft als die bisher bestehenden Therapiealternativen bei Hepatitis C. Das ist auch weitestgehend unumstritten." Wichtig sei jetzt, dass bei den laufenden Preisverhandlungen ein fairer Preis rauskomme, der dem Zusatznutzen des Wirkstoffes gerecht werde aber gleichzeitig auch die Bezahlbarkeit durch die Krankenkassen berücksichtige. Im AMNOG-Verfahren hatte das erste Präparat seiner Klasse nur für einen kleinen Teil der Patienten einen "beträchtlichen Zusatznutzen" zugesprochen bekommen - die beste Kategorie "erheblicher Zusatznutzen" wurde bisher in den rund 100 Verfahren noch nicht vergeben.

Das vollständige Pharma-Fakten-Interview mit Jens Spahn lesen Sie auf http://www.pharma-fakten.de

Pressemitteilung Pharma Fakten
Pharma Fakten, Redaktion Kai Tenzer/Stefan Rebein, Tel.: 0251 / 98776-25, Fax: 0251 / 98776-83, Mobil: 0171 / 2200249, eMail: redaktion@pharma-fakten.de
26.12.2014
22.06.2017, 11:21 | tsc
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