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Ministerin Steffens

Land NRW fördert Teilprojekt zur Verbesserung der Arzt-Patienten-Kommunikation

Ministerin Barbara Steffens (Mitte unten) mit den Teilnehmerinnenn und Teilnehmern der Pressekonferenz und Projektbeteiligten. © Foto: MGEPA NRW 2015
Ministerin Barbara Steffens (Mitte unten) mit den Teilnehmerinnenn und Teilnehmern der Pressekonferenz und Projektbeteiligten. © Foto: MGEPA NRW 2015

Eine bessere Verständigung zwischen Patientinnen und Patienten und medizinischen Fachkräften ist das Ziel des Modellprojekts "Empathisch-Interkulturelle Arzt-Patienten-Kommunikation" (EI-AP-K), das in Teilen vom Land Nordrhein-Westfalen gefördert wird. "Um einem Fachkräftemangel entgegen zu wirken, werden in Zukunft mehr Ärztinnen und Ärzte mit Migrationsgeschichte in deutschen Kliniken arbeiten."

Neben ausreichenden Sprachkenntnissen sind auch Empathie und Sensibilität für unterschiedliche kulturelle Hintergründe unerlässlich, um Kommunikationsprobleme zu vermeiden und eine sichere, patientenorientierte Versorgung zu gewährleisten“, sagte Gesundheitsministerin Barbara Steffens anlässlich der Vorstellung des Modellvorhabens in Essen.

In dem Projekt wird unter anderem die gemeinsame Ausbildung von Ärztinnen und Ärzten sowie Sprachexpertinnen und -experten zu Dozentinnen und Dozenten für empathisch-interkulturelle Kommunikation entwickelt und erprobt. Sie sollen ihre Kenntnisse später an Kliniken in ganz Nordrhein-Westfalen weitergeben. Um die Ausbildung realitätsnah zu gestalten, behandeln die Teilnehmenden zum Beispiel unter Videobeobachtung Patienten-Darsteller, die Rückmeldung darüber geben, wie das Verhalten der Ärztin oder des Arztes auf zu Versorgende wirkt. Medizinische Fachkräfte sowie Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftler analysieren ebenfalls die Behandlung und tragen dazu bei, Probleme aufzuzeigen und Lösungen zu erarbeiten. Dabei geht es beispielsweise auch um nonverbale Kommunikation zwischen Ärzteschaft, Pflegenden und Patientinnen und Patienten. So kann beispielsweise eine vergleichsweise starre Mimik, wie sie in manchen Kulturen üblich ist, im Praxisgespräch abweisend wirken. Oder eine besonders lebhafte Gesprächsführung wird als unangemessen empfunden.

Um sich in die Lage der Erkrankten hineinzuversetzen, werden die Ärztinnen und Ärzte in Rollenspielen selbst zu Patienten. Der offene Austausch der Fachkräfte verschiedener Nationalitäten untereinander fördert zusätzlich das Verständnis für andere Kulturen, Verhaltensweisen und Rollenbilder.

Realisiert wird das Projekt vom Universitätsklinikum Essen in Zusammenarbeit mit den Akademischen Lehrkrankenhäusern Stiftung Krankenhaus Bethanien (Moers) sowie dem Alfried Krupp-Krankenhaus (Essen). Die spezielle Kommunikationsausbildung soll neben der Verständigung mit den Erkrankten auch die Zusammenarbeit des ärztlichen und pflegerischen Personals unterschiedlicher Herkunft im klinischen Alltag verbessern.

„Heute arbeiten rund 5000 Ärztinnen und Ärzte mit Migrationsgeschichte in nordrhein-westfälischen Kliniken. Das Projekt leistet einen wichtigen Beitrag dazu, die Fähigkeiten eingewanderter Fachkräfte im Sinne eines leistungsfähigen Gesundheitssystems optimal zu nutzen. Gleichzeitig steigt die Zufriedenheit der Medizinerinnen und Mediziner, weil ihre Arbeit effektiver und erfolgreicher wird. Darüber hinaus fördern Empathie und kulturelles Verständnis die ganzheitliche Betrachtung des Menschen und sind Basis für eine patientenorientierte Versorgung“, erklärte Ministerin Steffens.
Das Modellprojekt ist auf fünf Jahre angelegt und besteht aus insgesamt vier Säulen: Zwei Säulen unterstützen die sprachliche Qualifizierung und bereiten auf Sprachprüfungen vor. Die Dritte Säule wird vom Ministerium mit einer Millionen Euro gefördert und beinhaltet die Ausbildung von Dozentinnen und Dozenten für empathisch-interkulturelle Arzt-Patienten-Kommunikation. Ziel der vierten Säule ist es, die Ergebnisse des „EI-AP-K“ in die Grundlagen der Kommunikationsausbildung der Medizinstudierenden an der Universität Duisburg-Essen am Universitätsklinikum Essen einfließen zu lassen.

Hintergrund
Rund 5000 der etwa 37.500 Ärztinnen und Ärzte an Kliniken in Nordrhein-Westfalen haben einen Migrationshintergrund. Das sind etwa 13 Prozent. Dieser Anteil hat sich innerhalb von rund zehn Jahren etwa verdoppelt.
Die meisten der eingewanderten Medizinerinnen und Mediziner stammen aus Griechenland und Rumänien.
Prognosen gehen davon aus, dass bis 2019 bundesweit etwa 37 000 Ärztinnen und Ärzte an Kliniken fehlen.
Am Landeszentrum für Gesundheit unterstützt eine Lotsen- und Beratungsstelle zentral für ganz NRW sowohl Krankenhäuser als auch eingewanderte Fachkräfte. Das Angebot umfasst unter anderem:
o Koordinierung von Sprachkursen
o Unterstützung bei Anerkennungsverfahren von im Ausland erworbenen Abschlüssen und Qualifikationen
o Hilfen für Krankenhäuser und Personal beim Eingliederungsprozess
o Online-Jobbörse Docjobs-NRW (www.docjobs-nrw.de)

Pressemitteilung MGEPA NRW
Christoph Meinerz, Leiter des Referates "Presse, Öffentlichkeitsarbeit, Kommunikation"/Pressesprecher, Tel.: 0211 / 8618-4246, eMail: christoph.meinerz@mgepa.nrw.de
13.03.2015
22.06.2017, 11:21 | tsc
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