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  • Thomas Schönemann

Westdeutsches Prostatazentrum

Aktuelle Metastudie: Brachytherapie besser als OP

Akten. © Foto: Ilse Dunkel (ille) / pixelio.de
Akten. © Foto: Ilse Dunkel (ille) / pixelio.de

Paradigmenwechsel in der Behandlung des lokalisierten Prostatakarzinoms: Wird Prostatakrebs rechtzeitig erkannt, bieten Brachytherapie, Operation und äußere Bestrahlung gleiche Heilungschancen. Da ein direkter Vergleich der Verfahren anhand randomisierter Studien bislang ausblieb, wurde die Operation trotz erheblicher Nebenwirkungen lange Zeit als Therapie der Wahl favorisiert.

Eine aktuelle Metastudie (1), die jüngst im British Journal of Urology International (BJUI) publiziert wurde, belegt nun erstmals, dass die Brachytherapie (innere Bestrahlung), alleine oder in Kombination mit einer ergänzenden Strahlen- oder Hormontherapie, in allen Krankheitsstadien des lokalisierten Prostatakarzinoms im Vergleich zu einer Radikal-OP mindestens gleichwertig oder sogar besser ist.

Etwa 60.000 Männer werden in Deutschland jedes Jahr mit der Diagnose Prostatakrebs konfrontiert und stehen vor der schwierigen Aufgabe die "richtige" Behandlung zu wählen. Ist der Tumor auf die Prostata beschränkt (lokalisiertes Prostatakarzinom) stehen dem Betroffenen mit der Brachytherapie, äußeren Bestrahlung, Operation oder der aktiven Überwachung (Active Surveillance) verschiedene Behandlungsoptionen zur Verfügung. In der jüngst publizierten Metastudie (1) wurden nun erstmals in einer umfangreichen Analyse Behandlungsergebnisse der unterschiedlichen Therapien miteinander verglichen - und zwar von allen Studien, die im Zeitraum von 2000 bis 2010 veröffentlicht wurden. Dabei galt als Maß für die Wirksamkeit der Therapie die sogenannte biochemische Rezidivfreiheit, die dann gegeben ist, wenn der PSA-Wert im Blut nach Behandlung nicht wieder ansteigt.
Brachytherapie erzielt höchste biochemische Rezidivfreiheit

Die Ergebnisse sprechen eine eindeutige Sprache: Strahlentherapeutische Verfahren sind, was ihre Wirksamkeit betrifft, im Vergleich zur operativen Entfernung der Prostata mindestes als gleichwertige oder sogar überlegene Therapieoption zu bewerten. Auch wenn der Beweis für die "beste Therapie" beim lokalisierten Prostatakarzinom statistisch gesehen nicht erbracht werden kann, weist die Brachytherapie, alleine oder in Kombination mit der äußeren Bestrahlung und Hormontherapie, die höchste biochemische Rezidivfreiheit auf. Das gilt sowohl für die frühen als auch für die fortgeschrittenen Krankheitsstadien. Die alleinige äußere Bestrahlung zeigt hinsichtlich der biochemischen Rezidivfreiheit im Vergleich zur Radikal-OP gleiche Ergebnisse.

"Höchste Zeit umzudenken", fordern Dr. Neubauer und seine Kollegen vom Westdeutschen Prostatazentrum in Köln. "Die Operation als einzige Therapiemöglichkeit bei Patienten mit lokalisiertem Prostatakarzinom in Betracht zu ziehen ist längst überholt, mitunter sogar falsch. Zumal - neben dem jetzt eindeutigen Nachweis, dass keinerlei Vorteil im Bezug auf die Heilung nachweisbar ist - gravierende Nebenwirkungen wie Inkontinenz und Impotenz nach Radikal-OP deutlich höher liegen als nach Brachytherapie." Auch die moderne roboter-assistierte Operation, die als "schonende" Behandlungsoption für den Patienten gilt, weist mehr Nebenwirkungen auf, als bislang propagiert (2). Doch genauso wie bei allen Behandlungstechniken ist auch bei der Brachytherapie die Erfahrung maßgeblich für den Therapieerfolg: "Patienten sollten daher immer auch auf die Spezialisierung und Erfahrung der behandelnden Ärzte achten", resümiert Neubauer.

Literatur:

(1) Grimm P, Ignace Billiet I, Bostwick D et al.: Comparative analysis of prostate-specific antigen free survival outcomes for patients with low, intermediate and high risk prostate cancer treatment by radical therapy. Results from the Prostate Cancer Results Study Group. BJUI 109, Suppl. 1, 22-29, 2012

(2) Jim C. Hu et al.: Comparative Effectiveness of Minimally Invasive vs Open Radical Prostatectomy; JAMA. 2009;302(14):1557-1564.

Pressemitteilung des Westdeutschen Prostatazentrums
Andrea Hertlein, Westdeutsches Prostatazentrum, Hohenstaufenring 28, 50674 Köln, Tel.: 0221/924 24 455, eMail: a.hertlein@wpz-koeln.de
27.03.2012
22.06.2017, 11:21 | tsc
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