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Chemiekonzern BASF

Effektiv: Weltkonzern bietet Darmkrebsfrüherkennung im Betrieb

Tanklager der BASF in Ludwigshafen. © Foto: Pressefoto BASF
Tanklager der BASF in Ludwigshafen. © Foto: Pressefoto BASF

Für den Chemiekonzern BASF ist Darmkrebsfrüherkennung schon seit über zehn Jahren eine wichtige Sache. Alle Beschäftigten ab dem 46. Lebensjahr am Standort Ludwigshafen erhalten jährlich eine Einladung zur Früherkennung. In der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2014) zieht der betriebsärztliche Dienst eine positive Bilanz. Immer wieder wurden Krebserkrankungen oder ihre Vorstufen rechtzeitig erkannt.

Darmkrebs steht unverändert an der Spitze der Krebserkrankungen für Männer und Frauen in Deutschland, schreibt Dr. Stefan Webendörfer, Vice President der Abteilung „Arbeitsmedizin und Gesundheitsschutz“ von BASF SE. Darmkrebs tritt meistens erst im höheren Lebensalter auf. Allerdings können seine Vorstufen oder Krebserkrankungen im Frühstadium erkannt werden, wenn die Betroffenen noch im Erwerbsleben stehen. Darum hat der Konzern bereits 2001/2002 eine besondere „Gesundheitsaktion“ gestartet. Alle Mitarbeiter in Ludwigshafen über 45 Jahren erhalten seither einmal pro Jahr eine persönliche Einladung zur Darmkrebsfrüherkennung. In der Ambulanz des betriebsärztlichen Dienstes haben sie die Möglichkeit einen Fragebogen zu Warnsymptomen, Erkrankungen in der Familie und Voruntersuchungen auszufüllen. Zudem ist ein Stuhltest mit Laboruntersuchung zentraler Bestandteil dieses Angebots.

In den Jahren 2008 bis 2011 haben rund 35 Prozent der Zielgruppe das Angebot wahrgenommen, berichtet Dr. Webendörfer. Das persönliche Beratungsangebot hatte zur Folge, dass die meisten Mitarbeiter den Stuhltest auch durchführten. Dabei konnte die Rücklaufquote von 67 Prozent im Jahr 2008 mit Einführung des neuen immunologischen Testverfahrens auf mehr als 80 Prozent gesteigert werden. Webendörfer führt die höhere Akzeptanz auf die einfachere Handhabung des Tests zurück. Der neue Test ist auch zuverlässiger, setzt aber eine intensive Schulung des Laborpersonals voraus, so Webendörfer. Dies zeigt der Anstieg der positiven Testergebnisse von dreieinhalb Prozent auf zuletzt fast sechseinhalb Prozent.

Fast 2500 BASF-Mitarbeiter erhielten zwischen 2008 und 2011 wegen eines Krebsverdachts eine Empfehlung zur Darmspiegelung. Über 224 durchgeführte Koloskopien wurde die werksärztliche Abteilung informiert, schreibt Dr. Webendörfer, der eine höhere Zahl nicht ausschließt, da die Rückmeldung der Mitarbeiter an den Werksarzt auf freiwilliger Basis erfolgt. Hierbei wurden acht Darmkrebserkrankungen entdeckt, davon allein sechs nach der Umstellung auf den neuen Test. Bei 57 Mitarbeitern wurden Polypen in der Darmschleimhaut festgestellt, davon 40 nach der Umstellung des Tests. Insbesondere adenomatöse Polypen sind eine Darmkrebsvorstufe, die bei der Darmspiegelung vorsorglich entfernt werden.

Dr. Webendörfer ist mit der Entwicklung zufrieden. Bereits in einer früheren Untersuchung (DMW 2004; 129: 239-243) konnte er zeigen, dass die Früherkennung sich für die Firma rechnet. Die Sach- und Personalkosten der Aktion werden allein durch die eingesparten Fehlzeiten bei einer Darmkrebserkrankung um ein Vielfaches übertroffen. Auch volkswirtschaftlich lohnt sich das Screening. Die Kosten für Operation, Klinik- und Rehaaufenthalte liegen ebenfalls um ein Mehrfaches über den Ausgaben für die Darmspiegelungen.

Die BASF bietet die Früherkennung mittlerweile auch an anderen Standorten des Unternehmens an. Die Vorgehensweise in der BASF habe inzwischen zu zahlreichen gleichartigen Aktionen in mittleren und großen Betrieben aller Branchen geführt, berichtet Dr. Webendörfer.

S. Webendörfer und J. F. Riemann: Darmkrebsfrüherkennung im betriebsärztlichen Umfeld. Umstellung vom Guajak-basierten auf einen immunologischen Test auf okkultes Blut im Stuhl. DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2014; 139 (3): S.79-83

Pressemitteilung Thieme Verlagsgruppe
S. Webendörfer und J. F. Riemann: Darmkrebsfrüherkennung im betriebsärztlichen Umfeld.
Anne-Katrin Döbler, Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel.: 0711 / 8931-115, Fax: 0711 / 8931-566, eMail: anne.doebler@thieme.de
23.01.2014
22.06.2017, 11:21 | tsc
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