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Universitäts-Tumorzentrum Düsseldorf

HIPEC zur Therapie von Bauchfellmetastasen verbessert die Prognose bei Darmkrebs

Rheinfront Düsseldorf. © Foto: Dieter Hopf / pixelio.de
Rheinfront Düsseldorf. © Foto: Dieter Hopf / pixelio.de

Bauchfellmetastasen (Peritonealkarzinose) bei Darmkrebspatienten lassen sich mit einer Chemotherapie nicht kurativ behandeln und sind dementsprechend mit einer schlechten Prognose verbunden. Die Kombination aus chirurgischer Entfernung der Bauchfellmetastasen und HIPEC (Hypertherme intraperitoneale Chemotherapie) hat in den letzten Jahren am Universitätsklinikum Düsseldorf die Prognose von Patienten mit einer Peritonealkarzinose bei Darmkrebs signifikant verbessert.

Dieser erfolgversprechende und relativ neue, interdisziplinäre Therapieansatz erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Chirurgie (Direktor: Univ.-Prof. Dr. Knoefel) und Innerer Medizin mit Schwerpunkt Gastroenterologie (Direktor: Univ.-Prof. Dr. Häussinger).

Krebsleiden im Bauchfell bisher schwer therapierbar

Als Bauchfell (Peritoneum) bezeichnet man die Gewebsschicht, die den Bauchraum auskleidet. Es umgibt die meisten inneren Organe. Wenn das Bauchfell von bösartigen Krebszellen befallen ist, sprechen Mediziner von Peritonealkarzinose. In den meisten Fällen geht der Krebsbefall nicht vom Bauchfell selber aus, sondern ist die Folge eines anderen Krebsleidens z.B. Dickdarmkrebs. "Eine Krebserkrankung des Bauchfells stellt in der Medizin ein gravierendes Behandlungsproblem dar und bedeutet für die Betroffenen eine deutlich reduzierte Lebenserwartung," erklärt Privatdozent Dr. Dirk Graf, Leiter des Darmzentrums am Universitätsklinikum in Düsseldorf. "Für diese spezielle Erkrankung gibt es keine Standardtherapie. Bei Peritonealkarzinose in Folge einer Dickdarmkrebs-Erkrankung haben wir am Universitätstumorzentrum Düsseldorf in vielen Fällen mit der HIPEC-Therapie gute Erfahrungen gemacht." In wissenschaftlichen Studien konnte die Effizienz dieses Therapieverfahrens z.B. für das Colorektale Karzinom (bösartiger Tumor des Dickdarms und des Mastdarms) und für das Magenkarzinom dokumentiert werden.

HIPEC-Therapie bekämpft Tumorzellen mit Wärme

Im Rahmen der Operation werden der Primärtumor, falls noch vorhanden, und der tumorbefallene Teil des Bauchfells vollständig entfernt. Ziel der Operation und für die weitere Prognose entscheidend ist die chirurgische Entfernung sämtlicher mit dem Auge erkennbarer Tumorknoten. Der Eingriff ist technisch sehr aufwendig und mit einer langen Operationszeit verbunden. Noch während der Narkose erfolgt im direkten Anschluss an die Operation die HIPEC-Therapie. Hierbei wird die Bauchhöhle auf ca. 41-43°C erwärmt und mit der Chemotherapielösung gespült. Die Kombination aus Wärme und Chemotherapie ermöglicht eine effizientere Behandlung verbliebener Krebszellen, die nicht mit dem Auge sichtbar sind. Tumorzellen reagieren generell empfindlicher auf Hitze als gesunde Körperzellen. Diese sogenannte regionale Chemotherapie wirkt also direkt vor Ort und muß nicht über den Blutkreislauf zu den Krebszellen transportiert werden. Auf diese Weise können typische Nebenwirkungen der Chemotherapie wie z.B. Blutbildveränderungen minimiert werden. Gleichzeitig wird durch die Wärmeapplikation eine wesentlich höhere lokale Konzentration der Chemotherapeutika erreicht. "Die HIPEC-Therapie wird hauptsächlich in großen universitären Zentren durchgeführt, da sie operativ-technisch sehr anspruchsvoll ist", erläutert Privatdozent Dr. Alexander Rehders, Zentrumskoordinator des Darmzentrums. "Nicht jeder Patient mit der Diagnose Peritonealkarzinose ist allerdings für eine HIPEC-Therapie geeignet. Die Voraussetzungen müssen sowohl von chirurgischer als auch von internistischer Seite in jedem Einzelfall individuell geprüft werden."

Onkologisches Spitzenzentrum bündelt Kompetenz an einem Standort

Am Universitätstumorzentrum in Düsseldorf werden Krebserkrankungen seit 10 Jahren interdisziplinär erforscht, studiert und behandelt. Im Mai 2013 wurde das UTZ von der Deutschen Krebshilfe als onkologisches Spitzenzentrum ausgezeichnet. Alle Krebspatienten profitieren von den universitären Forschungseinrichtungen und von den kurzen Wegen am Standort.
Weitere Informationen zum Universitätstumorzentrum: www.uniklinik-duesseldorf.de/UTZ

Pressemitteilung Universitäts-Tumorzentrum Düsseldorf
Martina Mengede, Tel.: 0211 / 51 60 45 -116, Mobil: 0162 / 107 35 38, eMail: martina.mengede@medical-consulting.de
22.06.2017, 11:21 | tsc
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