• Praxis [+]
  • Thomas Schönemann

Gießener Sterbestudie

Betreuung Sterbender in deutschen Hospizen auf hohem Niveau

Gute Versorgungsqualität in Hospizen, jedoch Mängel in der beruflichen Ausbildung. © Foto: Helene Souza / pixelio.de
Gute Versorgungsqualität in Hospizen, jedoch Mängel in der beruflichen Ausbildung. © Foto: Helene Souza / pixelio.de

Nach der umfassenden Ermittlung der konkreten psycho-sozialen und medizinisch-pflegerischen Bedingungen der Sterbebetreuung in deutschen Krankenhäusern (237 Einrichtungen) und stationären Pflegeeinrichtungen (599 Einrichtungen) wurde im Rahmen der „Gießener Sterbestudien“ zwischen Herbst 2014 und Frühjahr 2015 auch die Versorgung in bundesdeutschen Hospizen untersucht.

Zu diesem Zweck wurden 162 Einrichtungen in ganz Deutschland angesprochen, von welchen 54 (33%) an der vom TransMIT-Projektbereich für Versorgungsforschung und Beratung durchgeführten Studie teilnahmen. Die Ergebnisse sind eindeutig und sprechen insbesondere im Vergleich zu den Krankenhäusern und Pflegeheimen für die gegenwärtig erreichte Versorgungsqualität in den Hospizen. Einmal mehr konnte allerdings auch aufgezeigt werden, wie unzureichend sich die Befragten durch ihre berufliche Vorbereitung auf die Betreuung Sterbender vorbereitet sehen.

Rund 88% der Befragten geben an, sich immer beziehungsweise oft Zeit für die Betreuung Sterbender nehmen zu können. Annähernd ebenso groß ist der Anteil derer, die mitteilen, dass hinreichend qualifizierte Pflegekräfte zur Verfügung stehen (85%). Dass Ärzte und Seelsorger immer oder fast immer zur Verfügung stünden, geben 73% bzw. 74% der Befragten an. 95% schildern gute oder sehr gute räumliche Voraussetzungen für ihre Arbeit. 90% geben an, dass oft bzw. grundsätzlich mit den komplementären Institutionen und Partnern kooperiert würde. Dass Patienten nie bzw. selten alleine versterben, erklären 52% der Befragten.

Die berufliche Vorbereitung bewerten hingegen lediglich 12% als gut oder sehr gut, dem gegenüber stehen 50% der Befragten, die diese als mangelhaft beschreiben. 88% haben sich nachträglich für die Betreuung von Sterbenden weitergebildet. Sowohl innerhalb der eigenen Berufsgruppe (90%) als auch zwischen den Pflegenden und Ärzten (90%) besteht ein gutes bzw. sehr gutes Miteinander. 82% geben an, dass sich nach dem Tod eines Patienten grundsätzlich im Team darüber ausgetauscht würde.

Von den Befragten berichten 92% gelungene Schmerztherapien und es sind sogar 96%, die angeben, dass die Symptomkontrolle insgesamt gut oder sehr gut gelingt. Lediglich 23% erklären, dass oft bzw. gelegentlich zu häufig lebensverlängernde Maßnahmen ergriffen werden. 65% der Befragten teilen mit, dass die Sterbenden immer über ihre Prognose aufgeklärt werden, während 19% angeben, dass sich der Verlauf aufgrund der Kundgabe der Prognose ungünstig entwickeln kann. 77% der Befragten legen dar, dass die Patienten immer bzw. oft über belastende invasive Verfahren informiert würden.

Ein außerordentlich hoher Anteil von 96% sieht im Umgang mit dem Verstorbenen dessen Menschenwürde beachtet. Ähnlich hoch ist der Anteil (90%) derer, welche die gelungene Beachtung der Menschenwürde in der Betreuung Sterbender an ihrem Arbeitsplatz immer verwirklicht sieht. Gezeigt werden konnte überdies, dass Hospize in freigemeinnütziger Trägerschaft in zahlreichen Teilaspekten über die besseren Bedingungen verfügen.

Von den in Deutschland 2013 insgesamt 893.825 Verstorbenen wurden 419.241 (ca. 48%) in Krankenhäusern, etwa 350.000 (ca. 39%) in stationären Pflegeeinrichtungen und ca. 25.000 (weniger als 3%) in stationären Hospizeinrichtungen betreut.

Die Studienergebnisse werden anlässlich des 3. Kongresses „Betreuung Sterbender und Schwerstkranker“ am 6.November 2015 in Gießen diskutiert.

Hintergrund

Die TransMIT GmbH erschließt und vermarktet - mit rund 160 Angestellten - im Schnittfeld von Wissenschaft und Wirtschaft professionell die Potenziale von rund 7.000 Wissenschaftlern von mehreren Forschungseinrichtungen in und außerhalb Hessens. Direkt aus den drei Gesellschafterhochschulen der TransMIT GmbH (Justus-Liebig-Universität Gießen, Technische Hochschule Mittelhessen und Philipps-Universität Marburg) bieten derzeit 160 TransMIT-Zentren innovative Technologien und Dienstleistungen aus den Bereichen Biotechnologie/Chemie/Pharmazie, Medizin und medizinische Technologie, Technik, Kommunikation/Medien/Literatur, Unternehmensführung/Management, Informations- und Kommunikationstechnologie an. Der Geschäftsbereich Patente, Innovations- und Gründerberatung widmet sich der Bewertung (Marktanalyse, Patentrecherche), dem Schutz und der Umsetzung von inter-/ nationalen Innovations- und Wachstumsvorhaben. Das Geschäftssegment Kommunikationsdienste und -netze bietet Dienstleistungen rund um den effizienten Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologie. Die TransMIT-Akademie führt Weiterbildungsveranstaltungen zu neuen Technologien und Entwicklungen durch. Die TransMIT GmbH hat bei mehreren Rankings im Auftrag verschiedener Bundesministerien jeweils den Platz 1 unter den 21 größeren Technologietransfer-Unternehmen in Deutschland erreicht. Zu den Kunden der TransMIT GmbH zählen namhafte Unternehmen aus den Branchen Pharma/Medizin, Biotechnologie, Chemie, Automobil, Anlagen- und Maschinenbau, Elektrotechnik, Optik, Informationstechnologie, Neue Medien, Telekommunikation sowie Handel und Dienstleistung. Referenzprojekte sind u.a. das Mathematikmuseum zum Anfassen, H-IP-O (Hessische Intellectual Property Organisation), Aktionslinie hessen-teleworking, Aktionslinie hessen-biotech! sowie das Wissenschaftsportal der European Polymer Federation (EPF). Gegründet wurde die TransMIT GmbH 1996 als Gemeinschaftsprojekt der mittelhessischen Hochschulen, Volksbanken und Sparkassen sowie der IHK Gießen-Friedberg. Sie verfügt über Büros an den Standorten Marburg, Gießen, Friedberg, Frankfurt/M. und Nürnberg.

Kontakt

Prof. Dr. Wolfgang George
Wissenschaftlicher Leiter
TransMIT-Projektbereich für
Versorgungsforschung und Beratung
Jahnstr. 14, 35394 Gießen
Tel.: 0641 / 94-82111
Fax: 0641 / 94-82112
eMail: george@transmit.de

Pressemitteilung TransMIT, Gesellschaft für Technologietransfer mbH
Holger Mauelshagen, Pressesprecher, TransMIT Gesellschaft für Technologietransfer mbH, Hamburger Allee 45, 60486 Frankfurt, Tel.: 069 / 605046-04, Fax: 069 / 605047-80, eMail: holger.mauelshagen@transmit.de
27.04.2015
22.06.2017, 11:21 | tsc
Zurück