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  • Thomas Schönemann

HNO-Klinik am UKJ

Medizin-Premiere: Erster Einsatz für Operationsroboter bei Rachenkrebs

Universitätsklinikum Jena. © Foto: UKJ
Universitätsklinikum Jena. © Foto: UKJ

Medizin-Premiere in Thüringen: Zum ersten Mal in den neuen Bundesländern wurde bei einem Patienten mit Zungengrundkrebs nun ein DaVinci-Operationsroboter eingesetzt. Der Eingriff bei dem 65-jährigen Mann an der HNO-Klinik des Universitätsklinikums Jena (UKJ) verlief erfolgreich. Zungengrundtumoren sind eine wichtige Form von Rachenkrebs und zählen zu den häufigsten Krebserkrankungen im Kopf-Hals-Bereich.

In Deutschland erkranken nach aktuellen Schätzungen t jährlich rund 13.000 Menschen an Mundhöhlen- oder Rachenkrebs. Insbesondere die Anzahl der Patienten mit Rachenkrebs hat in den letzten Jahren in Deutschland zugenommen.

„Das ist eine wichtige Erweiterung unseres Therapieangebotes in der Patientenversorgung. Natürlich steuert der Operateur dabei den Eingriff und hat jederzeit die Kontrolle. Der Roboter gibt uns aber völlig neue Möglichkeiten, gerade bei Operationen von Tumoren im Mundrachenbereich“, erklärt Prof. Dr. Orlando Guntinas-Lichius, Direktor der HNO-Klinik am Thüringer Universitätsklinikum. Denn durch den Robotereinsatz ergibt sich für die Operateure eine ganz andere Sichtweise auf das Eingriffsfeld. Die Eingriffe können jetzt noch präziser und schonender durchgeführt werden.

„Bei solchen Eingriffen, in diesem Fall bei einem Tumor am Zungengrund, operieren wir durch den geöffneten Mund und nicht etwa durch seitliche Schnitte, wie man es eventuell von anderen Krankheitsbildern kennt. Das ist schonend für die Patienten, engt aber das Sichtfeld des Operateurs stark ein, denn wir schauen ja von oben zunächst auf die Zunge“, skizziert Prof. Guntinas-Lichius einen Grund für den Einsatz des Roboters. Beim Eingriff mit dem DaVinci-Roboter sitzt der Arzt an einer Konsole und steuert von dort die Instrumente. Eine exakte 3D-Darstellung am Bildschirm gibt einen kompletten Überblick über die Lage des Tumors und des umgebenden Gewebes während der Operation.

Prof. Dr. Orlando Guntinas-Lichius, Direktor der HNO-Klinik am Universitätsklinikum Jena.
Prof. Dr. Orlando Guntinas-Lichius, Direktor der HNO-Klinik am Universitätsklinikum Jena. © Foto: UKJ/Schroll

„Dadurch können wir Tumoren nun deutlich präziser entfernen. Davon profitieren die Patienten enorm. Denn unser Ziel ist es ja, möglichst viel gesundes Gewebe zu erhalten“, so Prof. Guntinas-Lichius. An der Jenaer HNO-Klinik werden jährlich rund 150 neue Patienten mit bösartigen Tumoren im Hals-Kopf-Bereich versorgt. Nach einer Operation kann es zu kurzzeitigen Problemen beim Schlucken und beim klaren Sprechen kommen, die mit entsprechenden Trainings schnell abgebaut werden können. „Je gezielter der Eingriff, desto geringer ist auch hier das Risiko für solche Probleme“, so Prof. Guntinas-Lichius.

Obwohl Mundhöhlen- und Rachenkrebs relativ häufig vorkommt, ist die Erkrankung in der Öffentlichkeit bislang relativ unbekannt. Für Schlagzeilen sorgte die Krankheit erst, als der Schauspieler Michael Douglas seine Erkrankung 2010 öffentlich machte, oder als Anfang dieses Jahres bekannt wurde, dass beim Sänger der legendären britischen Rockband „Iron Maiden“ Zungenkrebs diagnostiziert wurde.

www.hno.uniklinikum-jena.de

 

Pressemitteilung UKJ
Stefan Dreising, Leiter Unternehmenskommunikation / Pressesprecher, Tel.: 03641 / 934382, Fax: 03641 / 933322, eMail: stefan.dreising@med.uni-jena.de
09.04.2015
22.06.2017, 11:21 | tsc
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