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Deutsche Krebsgesellschaft e.V.

Neue Untersuchungen dokumentieren eine hohe Versorgungsqualität an Brustkrebszentren

Brandenburger Tor Berlin. © Foto: Carl-Ernst Stahnke / pixelio.de
Brandenburger Tor Berlin. © Foto: Carl-Ernst Stahnke / pixelio.de

Die Versorgungsqualität an deutschen Brustkrebszentren mit einem Qualitätssiegel der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) und der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS) ist hoch.

Zu diesem Ergebnis kommen beide Fachgesellschaften in einem gemeinsamen Benchmarking-Bericht auf der Basis der Daten von rund 50.000 Brustkrebspatientinnen an 246 Standorten in ganz Deutschland. Die Datensammlung, die auf den Audits im Jahr 2010 beruht, zählt damit zu den größten bislang erschienenen Untersuchungen dieser Art. Ergänzt wird sie durch eine Befragung von über 7000 Patientinnen, die 2010 an DKG/DGS-zertifizierten Brustkrebszentren behandelt wurden - auch hier zeigte sich ein hoher Grad der Patientenzufriedenheit.

Für eine erfolgreiche Zertifizierung durch die DKG und die DGS müssen Brustkrebszentren zahlreiche Vorgaben erfüllen. Damit soll sichergestellt werden, dass die Patientinnen eine optimale Therapie erhalten, und zwar auf der Grundlage der aktuellen evidenzbasierten Leitlinien. Für den vorliegenden Benchmarking-Bericht lieferten die teilnehmenden Zentren Angaben zu insgesamt 26 Qualitätskennzahlen. „Die flächendeckende Umsetzung moderner evidenzbasierter Therapieempfehlungen ist für eine verbesserte Versorgung der Patientinnen enorm wichtig. Mit der Festlegung leitlinienbasierter Kennzahlen können wir jetzt erstmals überprüfen, wie gut diese Empfehlungen umgesetzt werden“, sagt Professor Rolf Kreienberg, Vorsitzender der Zertifizierungskommission der DKG und Koordinator der S3-Leitlinie Brustkrebs.

Kreienberg erläutert den Vorteil dieses Qualitätssystems an einem Beispiel: „Eine unserer Qualitätsvorgaben besagt, dass mehr als 60% der Patientinnen mit positivem Hormonrezeptorstatus und Lymphknotenbefall eine Chemotherapie erhalten sollten. Aus dem Benchmarking-Report wissen wir, dass unsere zertifizierten Zentren diese Behandlung im Mittel bei 75,1% der relevanten Patientengruppe einsetzen." Gleichwohl zeigt die Detailanalyse, dass der Sollwert derzeit von 86,5% der Brustzentren erfüllt wird, bei 13,5% besteht also Nachbesserungsbedarf. „Wir freuen uns sehr über darüber, dass die Vorgaben, die wir anhand der Leitlinien definiert haben, im Mittel erreicht oder sogar übertroffen wurden“, erklärt Kreienberg. „Die Daten verschaffen uns aber nicht nur einen Überblick darüber, wie hoch der Qualitätsstandard im Allgemeinen ist. Sie helfen vielmehr den einzelnen Zentren, ihre eigenen Leistungen im Vergleich zu anderen einzuordnen und, wo nötig, zu optimieren.“

„In der Diskussion um die optimale Versorgungsqualität dürfen wir die Sicht der Patientinnen nicht vergessen“, sagt Professor Holger Pfaff vom Institut für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und Rehabilitationswissenschaft (IMVR) der Universität Köln. Mit über 7000 teilnehmenden Patientinnen ist seine Studie, die von der Deutschen Krebsgesellschaft in Auftrag gegeben wurde, eine der größten auf Brustkrebspatientinnen zugeschnittenen Befragungen in Europa. Ihre Auswertung zeigt, dass die Ziele und Inhalte zertifizierter Zentren, wie sie in der Definition des Nationalen Krebsplans zusammengefasst sind, sehr gut umgesetzt werden. Insbesondere in Bezug auf die medizinische Behandlung oder die Sauberkeit äußerten sich nur wenige Patientinnen unzufrieden. Auch das Vertrauen in Ärzte und Pflegekräfte war ausgesprochen hoch. Es zeigten sich jedoch auch Verbesserungspotenziale, beispielsweise bei der Bereitstellung von Informationen und bei der Einbeziehung der Patientinnen in die Behandlung. Zudem fanden sich zum Teil deutliche Unterschiede zwischen den Brustkrebszentren. „Aus Gesprächen mit den Patientinnen wissen wir, dass im Krankenhaus oft die Zeit für das informierende Gespräch fehlt, besonders dann wenn es um Fragen zur psychosozialen oder psychoonkologischen Unterstützung geht“, bestätigt auch Karin Meißler, stellvertretende Vorsitzende der Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V. Aus Sicht der Patienten sei es außerdem bedeutsam, dass sich die Unterschiede zwischen den Häusern verringern.

Auch hier können die einzelnen Zentren die gewonnenen Daten nutzen, um die Stärken und Schwächen des eigenen Hauses im Vergleich zu den übrigen Brustkrebszentren zu analysieren und gezielt zu verbessern. Die DKG, das IMVR und die Frauenselbsthilfe nach Krebs werden deshalb gemeinsam ein Symposium durchführen, das den Erfahrungsaustausch zwischen den Zentren und das gegenseitige Lernen unterstützen soll.

Das Zertifizierungssystem der Deutschen Krebsgesellschaft
Die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) möchte die Versorgung von Krebspatienten verbessern. Deshalb fördert sie die Entstehung von Organkrebszentren und Onkologischen Zentren, die sich als interdisziplinäre Netzwerke mit allen Bereichen und Phasen einer Krebserkrankung befassen. Mit ihrer Arbeit wollen die Zentren einen festgelegten qualitativen Anspruch auf der Basis onkologischer Leitlinien erfüllen. Bei der Zertifizierung dieser Zentren arbeitet die DKG eng mit anderen medizinischen Fachgesellschaften zusammen. Das Verfahren selbst wird von Onkozert betreut, einem unabhängigen Institut, das im Auftrag der DKG arbeitet. Onkologisch spezialisierte Gesundheitseinrichtungen können durch Onkozert prüfen lassen, ob sie die nötigen fachlichen Voraussetzungen für eine Zertifizierung erfüllen. Nach erfolgreichem Abschluss des Verfahrens bestätigt ein Qualitätssiegel die Anerkennung als Organkrebszentrum oder Onkologisches Zentrum.

Der DKG / DGS Benchmarking-Report
Der vorliegende Benchmarking-Bericht beruht auf den Daten von Brustkrebszentren mit einer Zertifizierung durch die DKG und die Deutsche Gesellschaft für Senologie (DGS); insgesamt 246 Standorte im gesamten Bundesgebiet wurden dabei berücksichtigt. Grundlage der Auswertung war ein Kennzahlenbogen, der einen Teil des Kriterienkatalogs für die Zertifizierung darstellt; die Festlegung von Sollwerten ermöglicht dabei einen Leistungsvergleich verschiedener Zentren. Die untersuchten Qualitätskennzahlen betrafen unter anderem den Anteil der Patientinnen, die nach der OP leitliniengerecht adjuvant bestrahlt oder systemisch therapiert wurden, die Häufigkeit pyschoonkologischer oder psychosozialer Beratungsgespräche oder die Häufigkeit der histologischen Diagnosesicherung vor der Operation. Insgesamt 26 Kennzahlen wurden auf diese Weise analysiert.

Die Patientenbefragung des IMVR
Die Befragung erfasste ausschließlich Patientinnen an Brustkrebszentren mit einer DKG / DGS-Zertifizierung; bei Einwilligung in eine Teilnahme wurden sie gebeten, den Kölner Patientinnenfragebogen für Brustkrebs (KPF-BK) auszufüllen. Er ist modular aufgebaut und misst mit über 60 Kennzahlen eine Fülle von Teilleistungen der Versorgung, darunter beispielsweise die Aufnahmeabwicklung, die von der Patientin wahrgenommene Interaktion mit dem Personal, die Qualität der Hotelleistungen, die Qualität der zur Verfügung gestellten Informationen zur Behandlung und zur psychosozialen Unterstützung sowie die allgemeine Zufriedenheit. Ergänzend wurden die gesundheitsbezogene Lebensqualität mit den Modulen der EORTC und zahlreiche soziodemografische Angaben der Patientinnen erfasst. Insgesamt 7301 von 8226 Teilnehmerinnen gaben einen auswertbaren Fragebogen ab; dies entspricht einem Rücklauf von 88,76%.

Pressemitteilung der Deutschen Krebsgesellschaft e.V.
Dr. Katrin Mugele, Pressestelle der Deutschen Krebsgesellschaft e. V., Straße des 17. Juni 106-108, 10623 Berlin, Tel.: 030 / 810 316 160, Fax: 030 / 810 316 111, eMail: presse@krebsgesellschaft.de
02.12.2011
22.06.2017, 11:21 | tsc
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