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  • Thomas Schönemann

Radiologienetz Deutschland

Prostata-Diagnose im MRT kann Übertherapie vermeiden

Mit herkömmlichen Diagnosemethoden ist der tatsächlich aggressivste Tumoranteil unzureichend lokalisierter. © Foto: Alfred Heiler / pixelio.de
Mit herkömmlichen Diagnosemethoden ist der tatsächlich aggressivste Tumoranteil unzureichend lokalisierter. © Foto: Alfred Heiler / pixelio.de

Übertherapie bei Prostatakarzinomen ist in Deutschland an der Tagesordnung. Grund: Mit herkömmlichen Diagnosemethoden ist der tatsächlich aggressivste Tumoranteil unzureichend lokalisierbar. Daher werden oft auch klinisch irrelevante Karzinome operativ entfernt – mit allen Folgen für den Patienten. Experten raten daher zu einer Diagnose per strahlenfreier multiparametrischer MRT (mpMRT), wie sie vom Radiologienetz Deutschland in bundesweit 16 radiologischen Praxen qualitätsgesichert und in Kooperation mit Urologen angeboten wird.

Tastbefund, PSA-Wert, Ultraschall und Gewebeentnahme per Stanzbiopsie – so wird in der Regel beim Urologen nach Prostatakrebs gesucht. Diese Methodik birgt jedoch zwei Nachteile: Zunächst ist bei bis zu 20 Prozent der Patienten mit erhöhtem PSA-Wert die Biopsie negativ. Die Folge sind Mehrfachbiopsien, die den Patienten einerseits sehr belasten, andererseits auch zu verzögert eingeleiteter Therapie und daher schwereren Krankheitsverläufen führen können. Zudem ist mit dieser Methodik nur schwer sicherzustellen, dass bei der Biopsie der aggressivste Tumorteil getroffen wird. Das führt in ca. 45 Prozent aller Fälle zu einem “Upgrading”, d. h. der Tumor wird unterschätzt. Das wiederum ist keine gute Voraussetzung, um die optimale Therapieentscheidung zu treffen und kann zu mangelnder Umfelddiagnostik vor einer Operation führen.

“All diese Nachteile ließen sich mit einer Diagnose per mpMRT vermeiden, darauf weisen immer mehr Wissenschaftler hin”, sagt Dr. Rüdiger Arndt, niedergelassener Radiologe vom RadiologieZentrumMannheim. “Bei der strahlungsfreien Untersuchung im Kernspintomographen werden die aggressivsten Tumorherde in der Prostata genau lokalisiert, so dass die anschließende Biopsie gezielt erfolgt und eine verlässliche Diagnose ergibt. Zudem kann die mpMRT klinisch nicht relevante Tumoren von aggressiven unterscheiden und so dazu beitragen, eine operative Übertherapie zu verhindern. Der Patient profitiert, da ihm so die unangenehmen Folgen der Operation wie Schmerzen, Impotenz und Inkontinenz erspart bleiben”, so Dr. Arndt, einer der Pioniere des Versorgungsprogramms “RaDiagnostiX – Prostata -”.

Dieses Programm haben die radiologischen Praxen im Radiologienetz Deutschland gemeinsam aufgebaut, um die mpMRT mit einheitlichen Qualitätsstandards und wissenschaftlicher Unterstützung anzubieten. In Zusammenarbeit mit Mitarbeitern des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg wurden die Radiologen in der Methodik geschult, zertifiziert und sind per gemeinsamer IT-Infrastruktur an eine stetig wachsende Falldatenbank angeschlossen. Geräte- und Befundungsstandards stellen eine einheitliche Qualität der Diagnose in allen angeschlossenen Praxen sicher. Darüber hinaus sorgt bei schwierigen Fällen die Möglichkeit, den Radiologen Dr. Matthias Roethke vom DKFZ im Rahmen eines Vier-Augen-Prinzips zu konsultieren, für zusätzliche Sicherheit.

Schließlich ist die enge Kooperation mit der Urologie Bestandteil des Programms. RaDiagnostiX bietet dabei verschiedene Servicekomponenten für Patienten, vom Termin bis zur transparenten Einbindung des Patienten in den Behandlungskontext. Der Patient erhält ein Patientenbuch, in dem er seine persönlichen medizinischen Informationen im Rahmen der Prostatadiagnostik sammeln kann, so dass er sie jederzeit verfügbar hat. Mit diesen Maßnahmen wird die strukturierte Zusammenarbeit fachübergreifender Spezialisten unter Einbindung des Patienten sichergestellt. Auch von technischer Seite wird die enge Zusammenarbeit zwischen Urologie und Radiologie unterstützt – mittels Bildfusion. “Die hochaufgelösten Daten der mpMRT können künftig in moderne Ultraschallgeräte eingelesen werden”, erklärt Dr. Arndt. “Mit Hilfe dieser fusionierten Datensätze kann der Urologe die Biopsie dann punktgenau an der relevanten Läsion durchführen.”

Derzeit beteiligen sich bundesweit 16 radiologische Praxen an “RaDiagnostiX – Prostata -” und bieten Patienten und Kollegen damit eine besondere Unterstützung bei der Verbesserung der Prostatadiagnostik. Alle teilnehmenden Praxen sind Mitglied im Radiologienetz Deutschland. Die Kosten für die mpMRT werden derzeit lediglich von den privaten Krankenkassen übernommen. Gesetzlich Versicherte können die Untersuchung als Wunschleistung in Anspruch nehmen. Bildquelle:kein externes Copyright

Das Radiologienetz Deutschland ist der führende genossenschaftliche Verbund niedergelassener Radiologen und Nuklearmediziner. Im Verbund kooperieren deutschlandweit 360 Ärzte in 100 Praxen und 70 Krankenhausabteilungen. Das Radiologienetz wird von der Curagita AG in Heidelberg gemanagt. Mit mehr als 100 Mitarbeitern unterstützt Curagita die Radiologienetz-Mitglieder in den Bereichen IT, Medizingeräte, Einkauf, Zubehör, Marketing, Qualitätsmanagement, Fortbildungen, Berufspolitik, Versorgungsprojekte sowie betriebswirtschaftlicher Beratung.

Pressemitteilung Radiologienetz Deutschland
Radiologienetz Deutschland, Oliver Nord, Ringstraße 19B, 69115 Heidelberg, Tel.: 06221 / 5025-230, eMail: ono@curagita.com
19.03.2014
22.06.2017, 11:21 | tsc
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